Heimatverein will die alten Filme retten

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Nieder-Roden - Einen einmaligen Schatz an Filmdokumenten will der Arbeitskreis für Heimatkunde für künftige Generationen bewahren. Seit rund sechs Jahrzehnten halten ehrenamtliche Heimatfilmer wichtige Ereignisse am Ort in bewegten Bildern fest.

Diese alten Filme will der Arbeitskreis nun digitalisieren. Der Magistrat begrüße diese Initiative, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann auf Anfrage unserer Zeitung. Stadt-Pressesprecherin Sabine Fischer weist auf den Zeitdruck hin: „Wir müssen uns beeilen, weil uns sonst niemand mehr erklären kann, wer auf den Filmen drauf ist.“

Vor einigen Jahren hatte die Stadtverwaltung selbst Angebote eingeholt. Das Ergebnis war erschreckend: Eine Digitalisierung der alten 16-Millimeter-Filme hätte mehrere zehntausend Euro gekostet. Kein Kommunalpolitiker wollte dafür so viel Steuergeld ausgeben.

Ehrenamtliche Helfer können diese Arbeit billiger erledigen, ohne an der Qualität zu sparen. Davon ist der Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden überzeugt. „Wir würden die Technik dafür ankaufen, damit diese Heimatfilme für die Nachwelt erhalten bleiben“, sagt Vorsitzender Günther Keller. Die Kosten schätzt er auf 8 000 bis 10 000 Euro. Die technische Realisierung weiß er bei Vorstandsmitglied Frank Stoffels in guten Händen. Stoffels hatte unter anderem die DVD-Dokumentation des Theaterprojekts „Fata Rotaha“ in semiprofessioneller Qualität erstellt. Sein Film erwies sich sogar als kinotauglich.

Filme sollen geschlossenes Ensemble bleiben

Dem Heimatverein sei es wichtig, das die Filme ein geschlossenes Ensemble bleiben, betont Keller. Er wolle vermeiden, dass das Originalmaterial im Lauf der Zeit in kleine Erinnerungsschnipsel zerhackt wird. Über Jahre hinweg lagerten die Filmrollen in einem Panzerschrank im alten Rathaus. Zurzeit befinden sie sich im Keller des Bürgerhauses Dudenhofen, zusammen mit den Altbeständen des Stadtarchivs.

„Wir wissen, wo die Filme sind. Sie stehen im Archiv der Stadt“, betont Günther Keller. Die CDU Nieder-Roden hatte kürzlich mit einer Anfrage im Ortsbeirat den Eindruck erweckt, der Verbleib des Filmmaterials sei unbekannt.

Die eigentliche Herausforderung liegt woanders. Das Überspielen der Filme in digitale Daten ist erst der Anfang. Zahllose Kilometer an Filmmaterial haben sich angesammelt. Von einem Archiv, das diesen Namen verdient, sind diese Bestände weit entfernt – auch wenn jede Filmdose beschriftet sein mag. Um eine Systematik und einen Stichwortkatalog zu erstellen, muss man das ganze Material vom ersten bis zum letzten Meter sichten.

Fast alle Filme sind Stummfilme

Das größte Problem ist der fehlende Ton. Fast alle Heimatfilme sind Stummfilme. Die Vorführungen lebten bisher von den Erinnerungen der Zuschauer. Der langjährige Heimatfilmer Rudi Keller steuerte mündliche Kommentare bei. Doch viele Menschen, die die gefilmten Ereignisse miterlebt haben, leben nicht mehr oder sind zu krank, um die Vorstellungen noch zu besuchen.

Die Zeit drängt. Das weiß auch der Arbeitskreis für Heimatkunde. Günther Keller sagt, was jetzt zu tun ist: „Wir müssen die Heimatfilme erst mal 1:1 auf eine Festplatte überspielen, dann nachbearbeiten und mit einem Kommentar vertonen.“

eh

Quelle: op-online.de

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