Magistrat lehnt Anlage ab

Gehört Biogas zur Landwirtschaft?

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Weiskirchen - Der Magistrat lehnt eine Biogasanlage auf dem Gelände des ehemaligen HR-Mittelwellensenders bei Weiskirchen ab. Nach Auffassung des Magistrats handelt es sich nicht um ein privilegiertes Bauvorhaben im Außenbereich.

Das Gelände sei nur lückenhaft erschlossen. Zudem sei eine hohe Verkehrsbelastung zu erwarten. In einer umfangreichen Stellungnahme ans Regierungspräsidium legt der Magistrat seine Bedenken und die Gründe dafür dar. Der Schriftsatz umfasst angeblich elf Seiten. Nach Angaben von Bürgermeister Jürgen Hoffmann wird darin „sehr intensiv herausgearbeitet“, dass die Biogasanlage nicht als privilegiertes Bauvorhaben gelte. Dabei handelt es sich um einen Begriff aus dem Baugesetzbuch (§ 35).

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Demnach ist Bauen im Außenbereich nur unter bestimmten Bedingungen zulässig, unter anderem für Landwirtschaft, Energieversorgung und die Nutzung von Biomasse. Allerdings dürfen dem Vorhaben keine öffentlichen Belange entgegenstehen und die Erschließung muss gesichert sein. Laut Magistrat ist die Erschließung aber lückenhaft. „Der Stromanschluss ist zwar sehr gut, aber es gibt dort keine Kanalisation“, erklärt der Bürgermeister. Ein Feldweg sei die einzige Zufahrt. „Eine Kanalisation wird nicht gebraucht“, widerspricht Landwirt Stefan Wolf, der die Biogasanlage bauen und betreiben will: „Das verunreinigte Wasser von den Hofflächen kommt mit in den Prozess. Und das Regenwasser von den Dachflächen versickert wie eh und je.“ Zudem verfüge das ehemalige Sendergebäude über eine Fäkaliengrube wie sie auch auf Bauernhöfen im Außenbereich üblich sei.

Dünger in konstanter Qualität

Der Landwirt widerspricht auch den Angaben der Stadt zur erwarteten Verkehrsbelastung. Der Magistrat rechnet mit 3 330 Fahrten mit Schleppern und Anhängern von März bis September - im Durchschnitt also mehr als 20 Fahrten pro Werktag. „Das ist total unrealistisch“, sagte Wolf gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Er rechnet zur Anlieferung mit höchstens 820 Fahrten im Jahr. Sein Konzept zeichne sich gerade dadurch aus, dass es auf unnötigen Verkehr verzichte. Östlich von Weiskirchen, wo der Betrieb 70 Hektar bewirtschafte, sei ein Fahrsilo geplant. Die Folge: „In der Erntezeit wird überhaupt nicht durchs Ort gefahren, lediglich in den Wintermonaten wird eine Fuhre am Tag durch die Schillerstraße gefahren.“ Dabei wolle er ohne Leerfahrten auskommen: Von der Biogasanlage im Westen werde vergorenes Material zum Zwischenlager in der Ostgemarkung gebracht; auf dem Rückweg nehme das Fahrzeug frisches Substrat für die Anlage mit.

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„Unser Betrieb ist der größte landwirtschaftliche Betrieb in Rodgau. Wir wollen zukunftsorientiert arbeiten“, betont Stefan Wolf. Die Biogasanlage sei ein Bestandteil eines modernen Betriebskonzepts. Sie erzeuge nicht nur Strom für 3 500 Haushalte, sondern auch Dünger in konstanter Qualität. Für Wolf besteht kein Zweifel daran, dass die Biogasanlage ein Teil des landwirtschaftlichen Betriebs sei: „Wir sind in der Lage, aus unserem eigenen Betrieb die komplette Biomasse bereitzustellen.“

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Ein Drittel des Substrats bestehe aus Pferdemist von der Reitanlage Oberwald. Er werde durch Vergärung aufbereitet und auf ein Drittel des Volumens reduziert. Zudem würden Grassilage und Zwischenfrüchte verarbeitet. Auch der Hühnerkot aus Rembrücken, den der Wolfsche Betrieb bereits bisher als Dünger verwendet, soll künftig zuerst die Biogasanlage durchlaufen, bevor er ausgebracht wird.

eh

Quelle: op-online.de

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