Frührentner bangen um ihr Geld

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Eugen Jerat

Rodgau - Reiflich hatte sich Eugen Jerat den Schritt überlegt. Ausgiebig mit seiner Frau Ute diskutiert. Schließlich freute sich der 61-Jährige auf den Vorruhestand. Von Marc Kuhn

Im Juli ist er in die passive Phase der Altersteilzeit gestartet, nachdem er 25 Jahre bei „manroland“ gearbeitet hatte. Wie viele andere jung gebliebene Rentner wollte er sich um seinen Garten kümmern. Und in den Vereinen in Dudenhofen aktiv sein, wie Jerat berichtet. „Dann kam der Hammer“, sagt er weiter - die Pleite des Druckmaschinenherstellers. Seitdem fürchten Jerat und zahlreiche andere Altersteilzeitler von „manroland“ um ihre Renten. Der Betriebsrat habe ihm schon gesagt, dass es zu Härtefällen kommen könne, erklärt Jerat. „Wir sind die Deppen der Nation. “.

Als Maschinenschlosser hatte er bei „manroland“ angefangen und sich bis in die Qualitätskontrolle hochgearbeitet. Seit 1992 gehe es bei dem Druckmaschinenhersteller abwärts, berichtet er. Auch deshalb hat sich Jerat für die Altersteilzeit entschieden. Zudem wollte er jungen Menschen die Möglichkeit geben, auf die frei werdende Stelle nachzurücken. „Das war mit einer der Beweggründe, trotz der Einbußen“, sagt Jerat.

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Auf zehn Prozent seines Einkommens hat er drei Jahre lang in der aktiven Phase der Altersteilzeit verzichtet - und voll gearbeitet. In der nun passiven Phase, in der Jerat und seine Kollegen im Ruhestand sind, erhält ein Teil von ihnen ebenfalls 90 Prozent des Nettogehalts, wie die Offenbacher Betriebsratsvorsitzende Alexandra Roßel berichtet. Bei anderen Regelungen seien es 82 Prozent. 40 beziehungsweise 32 Prozent kann sich „manroland“ von der Agentur für Arbeit zurückholen. Um diesen Anteil bangen Jerat und seine Frau. Sie fürchten, dass er bei einem Verkauf oder einer Pleite von „manroland“ wegfallen könnte. Ute Jerat zweifelt daran, dass sich ein Investor mit „Altlasten“ abgibt. „Da sind schon Ängste da“, sagt ihr Mann - sie werden wohl von all jenen geteilt, die in den vergangenen Jahren den Weg in den Ruhestand gewählt haben. Immerhin fast 20 Prozent der etwa 1 900 Mitarbeiter von „manroland“ befinde sich in Altersteilzeit, sagt Roßel. Mitte Januar würden sie darüber informiert, wie es mit dem einen Teil ihres Geldes künftig aussieht.

Die Jerats sind schon jetzt verärgert. Die Lebensplanung sei auf den Ruhestand mit 63 Jahren abgestellt gewesen, sagt Ute Jerat. Das Haus muss abbezahlt werden. Und der 23-jährige Sohn Benedikt befindet sich noch im Studium. Darüber hinaus würden sich Einbußen beim Gehalt auch auf die Rentenhöhe auswirken, klagt Ute Jerat. „Wenn es dumm läuft, wären wir mit dem Arbeitslosengeld, das rund 67 Prozent des Gehalts beträgt, besser gefahren.“ Eugen Jerat fühlt sich gar um seine Arbeitsleistung betrogen. „Das ärgert mich maßlos.“

Bereits in der Vergangenheit musste er wegen Ergänzungstarifverträgen bei „manroland“ auf Geld verzichten und bei gleichem Lohn mehr arbeiten. „Seit 92’ haben wir finanzielle Einbußen.“ Weitere Belastungen befürchtet Jerat, wenn auch noch das Geld in der Altersteilzeit zusammen gestrichen wird: „Es wird knapp.“

Quelle: op-online.de

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