16 Monate Bewährung für Marihuana-Anbau

Plantage für Eigenkonsum

Dudenhofen - Für einen 29-Jährigen verketteten sich im vergangenen Sommer die Umstände nicht sonderlich glücklich. Durch einen Brand bekam die Polizei von seiner Marihuana-Plantage Wind. Jetzt verurteilte ihn Richter Manfred Beck (Offenbach) zu 16 Monaten Haft auf Bewährung. Von Stefan Mangold 

Am 4. Juli 2015 wählten Anwohner in Dudenhofen den Notruf. In einem Gewerbeobjekt brannte es und heftiger Qualm stieg auf. Die Feuerwehr brauchte nicht lange, um den Zustand zu beenden. Als die Löscher hinterher durch die Räume gingen, stellten sie fest, gerade eine Marihuana-Plantage quasi bewässert zu haben. Der Betreiber hatte sich im Vorfeld wohl zu ungenau über die Feinheiten der Technik informiert. Ein Gerät überhitzte. Das führte zum Brand.

Nun galt es für die Kriminalpolizei herauszufinden, wer sich als Besitzer der Plantage fühlen darf. Die Mietverhältnisse stellten sich als ziemlich verworren heraus und niemand schrie „hier!“. Jedoch fanden sich an den Geräten noch genügend DNA-Spuren. Die ließen sich allesamt dem Angeklagten zuordnen.

Der leugnet vor Richter Beck auch nicht, argumentiert vor den Schöffen jedoch so, wie die meisten, deren Drogengewächse entdeckt wurden: Der Betrieb der Anlage habe dem Eigenkonsum gedient und sonst gar nichts. Seine Intention sei es gewesen, sich einen Vorrat für ein Jahr anzulegen. Faktisch hätte das Marihuana für die Zeit tatsächlich fast gereicht, hätte sich der Angeklagte nach der Ernte täglich drei Gramm in den Joint gedreht. Die Polizei sammelte jedenfalls ein Kilo Marihuana ein.

Die Angabe des Angeklagten stimmt Staatsanwalt Alexander Betz skeptisch. Der Mann kann zwar glaubhaft vermitteln, dem Marihuana-Konsum längst adieu gesagt zu haben, auch weil er mittlerweile beruflich eine gehobene Stelle ausfüllt. Der Staatsanwalt tippt jedoch auf ein Gewerbe. Der Angeklagte sei damals selbstständig gewesen und in die Insolvenz geschlittert. In dem Kontext hatte er sich mit einer Geldstrafe wegen Insolvenzverschleppung auseinandersetzen müssen. Er habe also jeden Euro gebraucht. Der Staatsanwalt plädiert auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren gegen den Mann, die jedoch zur Bewährung auszusetzen sei.

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Verteidiger Marcus Cronjäger wertet den Sachverhalt anders. Es handele sich um einen minder schweren Fall. Sein Mandant werde vielleicht von der Versicherung wegen des Brandschadens noch in Regress genommen, was einem Schlag ins Kontor von 70 000 Euro gleichkäme, so schätzt die Polizei den Schaden ein. Ausreichend sei deshalb eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 40 Euro.

Richter Beck und die beiden Schöffen landen schließlich bei bei einer Strafe von 16 Monaten auf Bewährung, wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Die Absicht, damit zu handeln, sei zwar wahrscheinlich, lasse sich dem Angeklagten aber nicht nachweisen. Der Verurteilte muss außerdem 100 Arbeitsstunden ableisten.

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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