„Stärke deine Brüder“

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Martin Sahm empfängt bald die Priesterweihe.

Rodgau - Nach Sebastian Goldner aus Dudenhofen ist Martin Sahm aus Jügesheim binnen eines guten Jahres nun der zweite Rodgauer, der im Bistum Mainz zum Priester geweiht wird. Am 23. Juni ist der große Tag. Von Bernhard Pelka

Dann empfängt der 31-Jährige im Mainzer Dom die Weihe durch Bischof Karl Kardinal Lehmann. Die Primizfeier ist danach am 1. Juli in der Kirche St. Nikolaus - mit Prozession ab dem Elternhaus im Ostring und feierlichem Gottesdienst.

In St. Nikolaus kennen Gemeindemitglieder Martin Sahm noch als Messdiener, Gruppenleiter und Mitglied des Pfarrgemeinderats. Andere erlebten ihn als Abiturienten mit dem mündlichen Prüfungsfach Religion und als Schüler, der schon früh den Spitznamen „Pater“ trug.

Das alles legt den Schluss nahe, dass ein schnurgerader Weg den gebürtigen Rodgauer zum Priesterberuf geführt habe. Dem war aber nicht so, obwohl Freunde und auch Außenstehende Martin Sahm heute immer wieder sagen: „Es war doch klar, dass du Priester wirst. Wenn nicht du, wer dann?“

Der Abiturient aber sah das zunächst ganz anders. Also folgten der Reifeprüfung an der Claus-von-Stauffenberg-Schule und dem Zivildienst im Pflegebereich des Hauses Morija (Ober-Roden) ab 2001 eine klassische Banklehre und das Studium der Betriebswirtschaft an der Goethe-Universität Frankfurt. Doch dort keimten in dem angehenden Wirtschaftsfachmann erste Zweifel, ob denn die Welt des Geldes die seine sei.

„Ich habe mir dann bis zum Vordiplom im Sommer 2004 Zeit genommen, um mir Alternativen zu überlegen“, erinnert sich der künftige Pfarrer. Und da kam für den jungen Mann, für den der Messdienerraum über der Sakristei von St. Nikolaus „das zweite Zuhause“ war, die religiöse Prägung durch das Elternhaus wieder ins Spiel.

Froh über Ende der „Vertuscherei“

„Ich habe Gott im Gebet alle Berufe dargelegt, die ich mir vorstellen konnte. Beim Priester hatte ich ein Gefühl der Ruhe und Gewissheit, dass ich richtig bin und meinen Platz gefunden habe.“ Auch ein Gespräch mit seinem späteren Studienkollegen Sebastian Goldner brachte weitere Klärung. Trotzdem war das zu Beginn der Ausbildung ein vorsichtiges Annähern. „Ich habe mich geprüft.“ Aus der Prüfung wurde letztlich Überzeugung.

Einem Info-Wochenende im Priesterseminar Anfang 2004 folgten das Vorsemester in Freiburg, der Studienbeginn in Mainz 2005, ein Gemeindepraktikum 2007, einige Semester an der Päpstlichen Hochschule der Jesuiten in Rom, zwei weitere Studienjahre ab 2008 in Mainz und schließlich im Sommersemester 2010 das Diplom in Theologie. Danach absolvierte Sahm den zweijährigen Pastoralkurs und diente seit der Diakonweihe am 7. Mai 2011 der Gemeinde St. Philippus und Jacobus in Heidesheim. Nach der Primiz wird die Pfarrei Johannes XXIII. in Viernheim die nächste Station sein - dann als Kaplan.

Der künftige Gemeindepfarrer hat sich in einer schwierigen Zeit für den Dienst in der katholischen Kirche entschieden. Missbrauchsfälle haben zu einem massiven Vertrauensverlust gegenüber der moralischen Instanz Kirche geführt.

„Ich bin froh, dass das rausgekommen ist und die Vertuscherei aufgehört hat“, sagt der Seelsorger. Er macht die Erfahrung, dass der Vertrauensverlust an der Basis und vor Ort gar nicht so groß ist. „Andere Pfarrer vielleicht, aber unser Pfarrer – nein unser Pfarrer doch nicht, heißt es immer.“

Eine seiner Hauptaufgaben sieht der 31-Jährige darin, Menschen Hilfestellungen zu geben, dass sie ihren Alltag wieder aus ihrem christlichen Glauben heraus gestalten. „Das kann schon im Büro anfangen, wenn man sich ganz bewusst gegen Mobbing ausspricht.“

Sich selbst und das eigene Handeln nicht aus dem Blick zu verlieren, hält der Geistliche für äußerst wichtig. Nicht umsonst lautet sein Primizspruch: „Wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“ (Lukasevangelium 22,32).

Quelle: op-online.de

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