Weinfest an der Eisenbahnstraße hat sich etabliert

Mayer-Hof ist Epizentrum der Kerb

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Ritt auf dem fliegenden Elefanten: Für Kinder ist die Kerb immer einen Besuch wert.

Jügesheim - Die Giesemer Kerb ist noch lange nicht tot. Im Mayer-Hof an der Kirchgasse, im Heimatmuseum und im Garten der Familie Denk an der Eisenbahnstraße ließen sich’s die Gäste gut gehen. Auch der Kerbkuchen der JSK-Gugisheimer fand guten Absatz. Von Ekkehard Wolf 

Dennoch sind sich die Akteure einig: Ein bisschen größer dürfte das Fest schon sein. Mit dem Wahlspruch „Make Kerb great again“ macht die Sängervereinigung Jügesheim von sich reden. Jeder Besucher der Sängerkerb im Hof an der Kirchgasse bekommt ihn auf die Kleidung geklebt. Vorsitzender Dietmar Wilhelm hat die Idee aus Münster übernommen: „Dort ist jeder mit so einem Ding rumgelaufen. Das war ein schönes Gefühl.“

Seit etwa 20 Jahren stellen Gerlinde und Otto Mayer ihren Hof für die Kerb zur Verfügung. Die Garage wird zum Schankraum, ein kleines Zelt auf dem Rasen dient als Bühne für befreundete Chöre. Otto Mayer ist Mitglied der Sängervereinigung; früher sang er im ersten Tenor.

Drei Tage lang ist der Mayer-Hof ein Treffpunkt für Jung und Alt. Unter den Gästen ist Heinz Gossmann (83), der seit 1956 in den USA lebt. Jedes Jahr zur Kerb fliegt er mit seiner Ehefrau in die alte Heimat. Die beiden besuchen Verwandte und treffen sich mit den „Buben und Mädchen“ des Schuljahrgangs.

Eine feste Größe am Kerbsamstag ist das Weinfest am Schuhhaus 20 an der Eisenbahnstraße. „Meine Mutter hat das vor mehr als 15 Jahren ins Leben gerufen. Dann hat es sich jedes Jahr gesteigert“, erzählt Antje Fisch. Anfangs reichte die kleine Fläche links neben dem Laden, seit einigen Jahren macht die Familie ihren Garten zur Weinlaube. An die 100 Leute finden dort Platz, wenn alle zusammenrücken. Die Gäste stehen bis auf die Straße. Sogar ein Kerbborsch ist zu Gast – eine Leihgabe des Gastwirts Udo Emge aus Hainhausen.

Früher fand „Mode und Wein“ am Kerbsonntag statt, als er noch ein verkaufsoffener Sonntag war. Ein solches Miteinander zwischen Vereinen und Geschäftsleuten könnte sich Antje Fisch auch für die Zukunft vorstellen: „Das Potenzial haben wir in Jügesheim.“ Zur Kerbbelebung müssten alle an einem Strang ziehen: „Das Ganze wird nur größer, wenn jeder etwas macht.“

Zweimal versuchte die Interessengemeinschaft der Ortsvereine (Igemo), das Traditionsfest neu zu beleben. Da gab es Zelte, Musik und ein Kerbpärchen aus Stroh, das zum Abschluss feierlich in ein Boot gesetzt wurde. Nach zwei gelungenen Kirchweihfesten (2009/10) war Schluss. Im März 2014 scheiterte eine Initiative zur Gründung eines Kerbvereins. Neue Impulse zur Kerbbelebung müssten von den örtlichen Vereinen kommen, sagt Igemo-Vorsitzende Petra Seyffarth: „Wenn es nur fünf Leute machen, dann wird es nichts. Dazu brauchen wir die Vereine.“

„So schlecht ist die Kerb ja gar nicht. Wir wollen sie nicht totreden“, sagt Dietmar Wilhelm von der Sängervereinigung. Für seinen Verein gehöre die Kerb zu den drei großen Einnahmequellen im Jahr. Er wünsche sich, dass andere Vereine mitziehen.

Quelle: op-online.de

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