Bauarbeiten am Parkhaus gehen weiter

„Medicum Rodgau“ ohne Notdienstzentrale?

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Fehlen nur noch die hellblauen Kacheln, dann könnte man die Baustelle des „Medicum“-Parkhauses tatsächlich für ein Schwimmbad halten. Das Parkhaus ist die Voraussetzung dafür, dass mit dem Bau des Ärztehauses überhaupt begonnen werden kann.

Rodgau - Wandert die Ärztliche Notdienstzentrale aus Dudenhofen nach Seligenstadt ab? Geplant war eigentlich ein Umzug ins neue Ärztezentrum „Medicum Rodgau“ am S-Bahnhof in Nieder-Roden.

Aber wegen Streits mit einer Baufirma steht vom „Medicum“ noch nicht einmal das Parkhaus: Seit Sommer herrscht Stillstand. Am Donnerstag beraten Ärzte, die die Notdienstzentrale personell und finanziell tragen, in ihrer Vollversammlung über das Thema.

„Wir müssen über kurz oder lang umziehen“, sagt Dr. Hubert Kremer, der Obmann der Rodgauer Ärzte für die Notdienstzentrale. Die bisherigen Räume an der Friedberger Straße seien sowohl baulich als auch hygienisch nicht im besten Zustand: „Wir können da auf Dauer nicht bleiben. Das ganze Haus müsste renoviert werden.“

70 bis 80 niedergelassene Ärzte

Die Zentrale wird von rund 70 bis 80 niedergelassenen Ärzten aus Rodgau, Rödermark und Babenhausen betrieben. Nicht immer drängen sich die Patienten so wie an den Weihnachtstagen: „In manchen Nächten kommen auch nur drei Patienten“, berichtet Dr. Kremer. Das jährliche Defizit der Notdienstzentrale liege bei 200.000 Euro.

Bereits vor zwei Jahren habe die Ärzteschaft einen Umzug beschlossen. Damals habe er sowohl beim Bauträger des „Medicum Rodgau“ als auch beim Magistrat Unterlagen eingereicht, aber keine Antwort erhalten. Der Ärzte-Obmann: „Die Ankerfunktion, die der Notdienstzentrale zugesprochen wurde, ist damit ad acta gelegt.“ Nun müsse die Ärzteschaft über das Angebot des Kreises beraten, die Notdienstzentrale Rodgau in Seligenstadt anzusiedeln.

Parkhaus-Ärger

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Stillstand am Parkhaus

Jahrelang hat sich der Dudenhöfer Arzt Dr. Ingomar Naudts für das „Medicum“ stark gemacht. Inzwischen ist sein Kontakt zum Bauherrn, dem Dietzenbacher Investor Uwe Werkmann, allerdings dürftig. „Ich hatte im November zuletzt Kontakt per E-Mail. Damals wurde ich über den Parkhaus-Ärger unterrichtet. Seither habe ich keine Rückmeldung mehr erhalten. Übrigens auch nicht von der Stadt“, sagt der Mediziner. Er ist deshalb absolut nicht zerknirscht. „Wenn ich nicht involviert werde in die Entwicklung, hat sich meine Aufgabe eben erledigt.“ Wie sich die Ärzte am Donnerstag zur Standortfrage der Notdienstzentrale positionieren, könne er nicht sagen.

Unterdessen wird das Bauprojekt an der S-Bahn-Station Nieder-Roden in den Fastnachtssitzungen zum Spott-Objekt. Bei der TG Nieder-Roden machte die Runde, an der S-Bahn entstehe ein neues Schwimmbad. „Unstimmigkeiten hinsichtlich der Vertragsregelungen führten zur Kündigung des Generalunternehmers für das Parkhaus“, berichtet Uwe Werkmann, der Geschäftsführer der Werkmann GmbH & Co KG Projektentwicklung. „Die Arbeiten werden voraussichtlich Ende Februar fortgeführt.“

Aktueller Stand der Vermietung

Auf die Frage nach dem aktuellen Stand der Vermietung spricht Werkmann von einer Vorbelegung von 42 Prozent. Darunter seien folgende Ärzte und Dienstleister: „Apotheke, Physio, Radiologe, Orthopädie, Operationssaal Anästhesie, Medizinischer Dienstleister, Zahnarzt, Kieferorthopäde, Internist.“ Eventuell kämen Augenarzt, Urologe und Gynäkologe hinzu. Ein Einzug der Notdienstzentrale sei noch nicht klar. Dafür macht der Bauträger „ein Hin und Her mit der Kassenärztlichen Vereinigung“ (KV) verantwortlich.

„Weitere Gespräche mit Mietinteressenten werden geführt“, kündigt Uwe Werkmann an. „Wir haben endverhandelte Angebote der Generalunternehmer für das Medicum vorliegen. Eine Beauftragung erfolgt, sobald wir mit einer Investorengruppe handelseinig geworden sind. Es wird parallel mit zwei Kaufinteressenten gesprochen.“

Zwei Investoren: Erwerb des Medizinzentrums

Ursprünglich wollte die Werkmann-Gruppe das medizinische Kompetenzzentrum nicht nur bauen, sondern das Haus auch langfristig selbst vermieten. Dies war auch Bestandteil der Verträge mit der Stadt. Als Betreibergesellschaft sollte die von Ärzten gegründete Medical Health Rodgau/Rödermark GmbH auftreten. Uwe Werkmann: „Aber das sind weitere Kostenstellen, die von den Mietern nicht akzeptiert werden.“ Nun hätten sich zwei Investoren gemeldet, die ein „herzhaftes Interesse“ am Erwerb des Medizinzentrums zeigten.

Für die Ärztliche Notdienstzentrale stehe im geplanten Neubau nach wie vor eine Fläche zur Verfügung, falls sie noch interessiert sei. Die Ärzteschaft habe sich dazu aber nicht eindeutig erklärt, so Werkmann. Offen sei auch, ob sich die KV Hessen an den Kosten beteilige: „Wir mussten immer nur abwarten.“

bp/eh

Quelle: op-online.de

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