Verärgerung im Rathaus nimmt zu

„Medicum“ weiter in Warteschleife

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Rodgau - Die Hängepartie um das in Nieder-Roden geplante Ärztehaus „Medicum“ schafft persönliche Missstimmung zwischen dem Bauherrn Uwe Werkmann und Bürgermeister Jürgen Hoffmann.

Der Verwaltungschef ist enttäuscht von Werkmann, weil dieser auch gestern in einem Telefonat keinen Baubeginn nennen mochte. Hoffmann sauer: „Jetzt reicht’s langsam!“.

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Den Verwaltungschef ärgert, dass der Dietzenbacher Investor offenbar weiterhin auf Zeit spielt. Tagelang hatte der Bürgermeister versucht, Werkmann telefonisch zu erreichen. Gestern Morgen klappte es endlich. Das Ergebnis des Gesprächs aber war ernüchternd. „Ich habe keine Detail-Informationen bezüglich des Gesamtprojekts erhalten“, teilte Hoffmann der Presse zerknirscht mit. Werkmann werde nun eingeladen, um dem Magistrat persönlich Rede und Antwort zu stehen.

Es sei unwahrscheinlich, dass der Bauherr seiner vertraglichen Pflicht nachkommen könne, das Gebäude bis Februar 2014 fertigzustellen. Die Stadt habe dann zumindest theoretisch das Recht, die an Werkmann für das Projekt verkauften Grundstücke gegenüber dem S-Bahnhof zurückzukaufen.

Dicke Luft herrscht überdies, weil die Stadt dem Investor bei seinem Bauvorhaben immer wieder entgegengekommen ist - aber nicht gebaut wird. Beispiele: Für das Vorhaben wurde am S-Bahnhof der erst zehn Jahre alte P+R-Parkplatz eingeebnet. Dafür wollte Werkmann eigentlich ein Parkhaus bauen. Seit mehr als einem Jahr herrscht dort allerdings Baustopp. Und für den Hauptbau, das „Medicum“, ist noch nicht einmal die Baugrube ausgehoben worden.

Um das Projekt zu ermöglichen, kaufte die Stadt außerdem gegenüber dem S-Bahnhof Privatgrundstücke an, um sie dann 230 000 Euro unter dem Marktpreis an Werkmann weiterzuverkaufen. Beispiel Nummer drei: Als das Projekt stockte, stimmte der Magistrat einer Änderung des Bauantrags zu. Neu im Bauantrag sind nun 24 Wohnungen, vor allem im linken Gebäudeteil. Auch ist ein Bäckerei-Bistro vorgesehen. Das geht natürlich zu Lasten der Zahl der vorgesehenen Arztpraxen. Jetzt ist nur noch von 14 die Rede.

Seit mehr als einem Jahr ruhen die Bauarbeiten am Parkhaus. Als „Schwimmbad“ war die halbfertige Betonwanne eine Lachnummer in der Fastnacht 2012/2013. Im Mai hatte Werkmann in einem Telefonat mit Bürgermeister Jürgen Hoffmann versprochen, dass „im August“ am Parkhaus weitergebaut werde. Aber bisher ist nichts Entscheidendes passiert.

Erst nach dem Parkhaus will die Dietzenbacher Werkmann-Gruppe das eigentliche „Medicum“ errichten. Beim ersten Spatenstich für das 13-Millionen-Projekt wurde eine Bauzeit von 16 Monaten genannt. Der Bauträger hat sich verpflichtet, den Neubau bis Februar 2014 fertig zu stellen. bp

Quelle: op-online.de

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