Stadt Rodgau baut 18 Rad-Hindernisse ab / Drängelgitter oft zu eng für breite Zweiräder

Mehr Platz fürs Fahrrad in Rodgau

An der Zufahrt zur Überquerung der B 45 Richtung Hühnerzuchtverein Jügesheim wird's für Walter Franzl mit seinem Therapierad eng. Dort kommt er aber noch gerade so durch. Das ist reines Glück: Als Mitarbeiter der Stadt die Bügel einbetonierten, kam er zufällig dazu und bat sie, die Hindernisse doch etwas weiter auseinanderzurücken.
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An der Zufahrt zur Überquerung der B 45 Richtung Hühnerzuchtverein Jügesheim wird"s für Walter Franzl mit seinem Therapierad eng. Dort kommt er aber noch gerade so durch. Das ist reines Glück: Als Mitarbeiter der Stadt die Bügel einbetonierten, kam er zufällig dazu und bat sie, die Hindernisse doch etwas weiter auseinanderzurücken.

18 Hindernisse für Fahrradfahrer will die Stadt in der nächsten Zeit beseitigen. Drängelgitter und Poller werden abgebaut und durch einfachere Dinge ersetzt. Die Stadtverwaltung folgt damit einem Wunsch des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Unter dem Motto „Mehr Platz für das Fahrrad“ hatte der ADFC 2019 eine ganze Liste an Vorschlägen vorgelegt.

Rodgau - Die Entwicklung wird Radfahrer wie Walter Franzl freuen. Der 69-Jährige ist herzkrank und deshalb mit einem Therapierad unterwegs: 73 Zentimeter breit und 2,01 Meter lang. Damit kommt er schwer bis gar nicht durch die Drängelgitter. Deren Funktion und Sinn stellt er nicht in Frage. „Natürlich will ich nicht, dass jemand ungebremst auf die Straße rauschen kann.“ Die stählernen Bügel stehen nach Meinung des Jügesheimers aber zu dicht beieinander. „Ich muss an der Kreisquerverbindung auf den Rasen ausweichen, um durchzukommen“, reklamiert der Rentner. Lastenfahrräder, wie sie die Stadt propagiert, kämen dort überhaupt nicht durch, weiß er. „Die sind noch breiter.“

Wie passt das zusammen mit dem Anspruch der Stadt, dass die Bewohner insbesondere der geplanten Neubaugebiete (etwa Rodgau-West) auf klimaneutrale Verkehrsmittel umsteigen sollen? Stefan Janke, Sprecher des ADFC, ist zunächst einmal froh, dass die Stadt nun daran geht, einige Hindernisse abzubauen. Es handele sich dabei teils noch „um Altlasten von vor 30 Jahren“.

Lastenräder gebe es tatsächlich mehr als früher. „Man spürt die staatliche Förderung und die Möglichkeit des Dienstrades bei vielen Arbeitgebern, was die Finanzierung und damit die Anschaffung stark erleichtert. Auch in den bisherigen Stadtteilen beginnt der Wandel durch Zuzug von Familien und auch durch eine neue Generation, die sich auch um Klimawandel und mehr Gedanken macht und entsprechend lokal handelt“, schildert Janke seine positiven Eindrücke. „Natürlich hätten wir uns erhofft, die Stadt hätte von sich aus das alles angestoßen – aber immerhin hat sich nun doch der gewaltige ehrenamtliche Aufwand gelohnt, wenn nun große Teile umgesetzt werden. Wir hoffen mal das Beste.“

Auf der Liste des ADFC folgten nun noch zu hohe Bordsteinkanten, fehlende Abstellanlagen, Lücken in den Wegen (Bahnpfädchen, Rodauweg), mangelhafte (oder ganz fehlende) Wegweisung und die teils schlechte Wegequalität als Punkte zum Abarbeiten.

Jeden einzelnen Vorschlag des ADFC habe die Stadtverwaltung eingehend überprüft, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler. Dabei seien zwei widerstreitende Interessen zu berücksichtigen: einerseits die Sicherheit, andererseits die Barrierefreiheit.

Gitter sollen verhindern, dass Fußgänger oder Fahrradfahrer unbedacht auf die Fahrbahn gelangen. Poller hingegen sind dazu da, dass Geh- und Radwege nicht mit dem Auto befahren werden. Andererseits „richten Poller nachts mehr Schaden als Nutzen an“, wie Schüßler weiß.

„Wenn wir die Barrierefreiheit fördern, kann die Folge sein, dass sich Unvernunft breit macht“, gibt der Verkehrsdezernent zu bedenken. Nach dem Abbau der Gitter sei jetzt die Aufsichtspflicht der Eltern verstärkt gefragt. Michael Schüßler weiß das aus seinem eigenen Alltag als Vater: „Im Zweifelsfall muss ich vorneweg fahren.“

Von Bernhard Pelka und Ekkehard Wolf

Poller sollen Autofahrer stoppen, wie hier am Puiseauxplatz. Allerdings stellen sie auch eine Unfallgefahr für Fahrradfahrer dar. Das gilt besonders bei Dunkelheit.
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