Mehr Ruheständler als junge Leute

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Zur Kommunalwahl schmücken sich die Parteien gerne mit jungen Leuten

Rodgau ‐ Nur jeder vierte Kandidat zur Kommunalwahl am 27. März hat eine Chance auf einen Sitz im Stadtparlament. 198 Personen bewerben sich um die 45 Sitze der Stadtverordnetenversammlung. Ein Drittel sind Frauen. Von Ekkehard Wolf

Genau genommen, erhalten sogar mehr als 50 Bürger ein politisches Mandat. Das Stadtparlament wählt üblicherweise in seiner ersten Sitzung sechs Ehrenamtliche in den Magistrat, so dass sechs Neue ins Parlament nachrücken. Falls FDP-Spitzenkandidat Michael Schüßler gewählt wird, muss er sich entscheiden, was er will: Wenn er hauptamtlicher Stadtrat bleiben möchte, muss er sein Mandat als Stadtverordneter zurückgeben. Beides zusammen geht nicht.

Die Rodgauer Wähler haben so viel Auswahl wie noch nie. Sieben Listen treten an, eine mehr als letztes Mal. Neu ist „Die Linke“. Außerdem gibt es zwei Veränderungen: Die von der CDU abgespaltene „Christlich Soziale Gruppe“ ist in der Neugründung „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) aufgegangen – und der einzige Vertreter der „Deutschen Liste“ kandidiert nun bei der CDU.

Parteien schmücken sich gerne mit jungen Leuten

Alle Parteien und Wählervereine setzen auf Lebenserfahrung. Selbst die „jüngste“ Liste (Bündnis 90/Grüne) hat einen Altersdurchschnitt von 46 Jahren. Besonders „alt“ sehen SPD und ZmB mit 55 Jahren aus. Das liegt nicht nur daran, dass altgediente Rentner bei den Sozialdemokraten traditionell Ehrenplätze am Schluss der Liste erhalten. Auch unter den ersten zehn Bewerbern weisen SPD und ZmB den höchsten Altersdurchschnitt auf – rund 51 Jahre. Diese Berechnung basiert nicht auf den exakten Geburtsdaten, sondern auf den Jahrgängen.

Jede politische Gruppierung schmückt sich gern mit jungen Leuten. 14 Schüler, Studenten und eine junge Frau im Freiwilligen Sozialen Jahr treten zur Wahl an. Linke und Freie Wähler haben ihre Jüngsten an die vierte Stelle ihrer Listen gesetzt, die SPD auf den 14. Platz, die CDU auf Nummer 26.

Altersverteilung lässt Raum für Spekulationen

Insgesamt sind 18 Kandidaten jünger als 30 Jahre. Ruheständler gibt es umso mehr: 42 Kandidaten sind 65 Jahre oder älter. 28 von ihnen bezeichnen sich offen als Rentner und Pensionäre, sieben setzen „i. R.“ (im Ruhestand) hinter ihren früheren Beruf – das signalisiert Erfahrung.

Diese Altersverteilung lässt Raum für Spekulationen. Engagieren sich junge Leute zu wenig oder lassen die Parteien sie nicht nach vorne kommen? Zeigt sich hier die alternde Gesellschaft oder suchen jung gebliebene Senioren einfach eine sinnvolle Beschäftigung?

„Die Linke“ schickt die meisten Frauen ins Rennen

Den jüngsten Kandidaten schickt die FDP ins Rennen, den 1992 geborenen Schüler Joel Daon. Auch Anabelle Jäger von Bündnis 90/Die Grünen, Jahrgang 1991, geht noch zur Schule. Die ältesten Bewerber sind Roman Horch (SPD) und Friedrich Utke (Freie Wähler) aus den Jahrgängen 1928 und 1929.

Die meisten Frauen hat „Die Linke“ nominiert, neun der 15 Namen auf der Liste sind weiblich (60 Prozent), die ersten zehn Plätze sind abwechselnd mit Männern und Frauen besetzt. Da können die Freien Wähler mit ihren sechs Frauen (40 Prozent) nicht mithalten. Die CDU bringt es auf eine Frauenquote von exakt 33,3 Prozent. Bei der SPD ist nur jeder vierte Listenplatz weiblich besetzt (24,4 Prozent), wobei Frauen stärker auf den vorderen Plätzen vertreten sind: Das letzte Drittel der SPD-Liste besteht ausschließlich aus Männern.

Quelle: op-online.de

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