Mehr Spielraum, mehr Spaß

+
18 Modellbahnanlagen aller Baugrößen zeigten die Vielfalt der US-Eisenbahn.

Nieder-Roden - (eh) Mit schnellen Schlägen läutet die Warnglocke und dann faucht auch schon der Güterzug vorbei: 80, 100, sogar 120 geschlossene Wagen reichen bis zum Horizont. Endlose Minuten vergehen, erst dann kehrt in der Prärie wieder Ruhe ein.

Güterzüge in solchen Dimensionen gibt es nur in den USA. Am Wochenende fuhren sie im Kleinformat in Nieder-Roden.

US-Modellbahnfans aus der ganzen Bundesrepublik trafen sich im Bürgerhaus und in der angrenzenden Sporthalle. Einige Aussteller und Besucher waren sogar aus den Nachbarländern angereist.

3,60 Meter überspannt das Modell der Brücke über den „Gila River“, wie Bart Bakker erzählt.

Die Großveranstaltung für 2 500 Besucher bedeutete einen Kraftakt für den Verein „HEB Hobbyeisenbahner“. Vom Fußbodenlegen am Freitag in der Sporthalle bis zum Abbau am Sonntagabend hatten die 25 Mitglieder alle Hände voll zu tun. Auch finanziell waren die zwei Tage ein dicker Brocken: Der Transport der 18 Modellbahnanlagen, Reise- und Hotelkosten der Aussteller und die Arbeit einer Messebaufirma summierten sich zu einem fünfstelligen Betrag. HEB-Vorsitzender Horst Meier: „Das müssen wir alles über Eintritt und Bewirtung wieder hereinbekommen.“

Die Amerika-Fans unter den Modelleisenbahnern leben weit verstreut. Die kleine US-Gruppe des Rodgauer Vereins hat Mitglieder aus Worms, Ludwigshafen, Alzenau und Bad Nauheim. Sie treffen sich einmal im Monat - aber dann für einen ganzen Samstag, damit sich die Anreise lohnt.

Voller Konzentration schauten die Modellbahner beim künstlichen Altern der Fahrzeuge zu.

Nicht nur Fernweh treibt die US-Fans an. Amerika ist auch in der Modellbahn das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die unzähligen Eisenbahngesellschaften und die landschaftliche Vielfalt erlauben den Bastlern viel Freiheit, ohne dass man ihnen gleich mangelnde Vorbildtreue vorwerfen kann. Horst Meier: „Weil dieses Thema in Deutschland so exotisch ist, sind die Zwänge nicht so groß.“ So genannte „Nietenzähler“, die in deutscher Gründlichkeit ein perfektes Abbild fordern, gibt es unter US-Fans selten.
Wir haben ein bisschen mehr Spielraum und das macht Spaß“, sagt Bart Bakker aus den Niederlanden, der mit seinen Vereinsfreunden ein Stück Arizona im Maßstab 1:87 nachempfunden hat. Das Herzstück der Anlage ist die spektakuläre Brücke über den „Gila River“, die 3,60 Meter überspannt. Für den Transport der riesigen Teile wurde ein Lastwagen angemietet. Nach Ansicht von Horst Meier hat sich der Aufwand gelohnt: „So eine Brücke sieht man auf der ganzen Welt nicht noch einmal.“

Die nächste „Convention“ ist in zwei Jahren geplant.

Exklusive Highlights gab‘s am Wochenende im Sixpack zu sehen: Sechs Anlagen waren eigens für die Rodgauer Ausstellung gebaut worden. Von Modellbahnern umlagert waren auch die Workshop-Tische im kleinen Saal, an denen man sich Profi-Kniffe abschauen konnte. Der Selbstbau von Weichen, Wagen und Gebäuden ist unter US-Modellbahnern viel weiter verbreitet als hier zu Lande. Außerdem müssen die Fahrzeuge besonders stark „gealtert“ werden, wie Horst Meier erklärt: „In Amerika sind die Wagen viel versiffter als bei uns. Das ist natürlich für die Bahngesellschaften ein Problem, aber für uns Modellbahner ist es ein Paradies.“

Quelle: op-online.de

Kommentare