Große Pflanzgruben sollen gesundes Wachstum sichern

500 Bäume in fünf Jahren: Erste Standorte stehen fest

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Ein Paradebeispiel für Grün in der Stadt ist die Kastanienallee in Nieder-Roden, eine schmale, verkehrsberuhigte Anliegerstraße.

Rodgau - 500 Bäume will die Stadt in den fünf Jahren von 2017 bis 2021 pflanzen. Jetzt liegt der Plan für die ersten 175 Bäume vor. Von Ekkehard Wolf 

Auf Nieder-Roden und Dudenhofen konzentrieren sich die geplanten Standorte für die erste Runde der Baumpflanzaktion. Außerdem sind 16 Bäume am Oberbornwiesenweg in Weiskirchen vorgesehen.

Der Parlamentsbeschluss zu mehr Grün in der Stadt ist fast ein Jahr alt. Am Dienstag stellte der Magistrat im Umweltausschuss eine Liste geeigneter Standorte vor. Dort sollen 175 Bäume gepflanzt werden. Die Liste konzentriert sich auf Dudenhofen und Nieder-Roden. Die einzige Ausnahme ist der Oberbornwiesenweg in Weiskirchen: ein befestigter Weg entlang der Rodau, der am Heimatmuseum in südlicher Richtung abzweigt. Gartenbau-Sachverständiger Matthias Zorn (Usingen) und seine Mitarbeiter haben die Baumstandorte auf ihre Eignung untersucht. Noch nicht geprüft sind weitere rund 500 Standorte, die den Stadtwerken aus einer Bachelorarbeit vorliegen.

Der Stadtverordnetenbeschluss sieht vor, fünf Jahre lang jeweils 100 neue Bäume im bebauten Ortsgebiet zu pflanzen. Zusätzlich müssen Stadt und Stadtwerke für jeden Baum, den sie fällen lassen, an vergleichbarer Stelle einen Ersatz pflanzen. Die Stämme sollen einen Umfang von mindestens 20 Zentimetern aufweisen. Für den ersten Teil der Pflanzaktion stehen 390.000 Euro im Haushaltsplan bereit. Dieses Geld reicht theoretisch für alle 175 Bäume auf der Liste; dennoch will die Stadt im Herbst/Winter nur die ersten 100 Bäume pflanzen.

Eine Baumscheibe früherer Bauart an der Mainzer Straße.

85 der vorgesehenen Pflanzstellen sind nicht versiegelt, sodass mit Kosten von 1 500 Euro je Baum zu rechnen ist. Das betrifft unter anderem Standorte in der Gartenstadt mit großzügigen Grünstreifen am Straßenrand. Die anderen 90 Standorte sind teilweise versiegelt, sodass der Aufwand rund 2 800 Euro je Baum beträgt. Auf vollständig versiegelten Flächen ist derzeit keine Baumpflanzung vorgesehen. Das wäre auch sehr teuer (6 756 Euro). Damit ein Baum im Straßenraum auf Dauer gedeihen kann, braucht er genügend Erde und Wasser. Der aktuelle Stand der Technik erfordert eine Pflanzgrube von mindestens zwölf Kubikmetern sowie Belüftungs- und Bewässerungsrohre, damit sich die Wurzeln gut entwickeln. Früher hob man nur ein kleines Loch aus, das eineinhalb Mal so groß wie der Wurzelballen war. Die Folge: Nach fünf bis zehn Jahren war die erste Wegsanierung fällig und die Bäume überlebten maximal 30 bis 40 Jahre.

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Große Pflanzgruben, wie sie heute üblich sind, haben nach Angaben des Sachverständigen mehrere Vorteile: Die Bäume entwickeln sich besser und brauchen langfristig weniger Pflege, außerdem sind keine Wurzelschäden am Wegebelag zu erwarten. Damit die Bäume gut anwachsen, sollen sie in den ersten drei Jahren fachmännisch gepflegt werden. Dazu gehören Bewässern und Düngen, das Entfernen von Unkraut, Erziehungsschnitte und die Kontrolle auf arttypisches Wachstum.

Bei der Auswahl der Arten macht sich Rodgau die Erfahrungen der bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zunutze, die seit 2010 eine Reihe an Baumarten an klimatisch unterschiedlichen Standorten testet. Als Beispiele nennt das Sachverständigenbüro Zorn den Dreizahn-Ahorn, den Worplesdon-Amberbaum und den Säulen-Fächerblattbaum. Alle drei gelten als „stadtklimafest“. In der Stadtverordneten-Debatte im September 2016 würdigten die Grünen das Konzept „500 Bäume in fünf Jahren“ als Beitrag zum Klimaschutz. Die CDU lehnte es vor allem wegen der hohen Kosten ab.

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Quelle: op-online.de

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