Mehr Personal für Nachmittage

Heinrich-Böll-Schule: Mehr als Unterricht

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Nieder-Roden - Die Heinrich-Böll-Schule (HBS) will ihre Nachmittagsangebote erweitern. Nach beharrlichem Bemühen darf sie voraussichtlich nach den Sommerferien ins „Profil 2“ der Schulen mit Ganztagsangeboten wechseln – als erste weiterführende Schule in Rodgau. Von Ekkehard Wolf

Der neunte Antrag hatte Erfolg. Auch die Grundschule am Bürgerhaus kann auf einige zusätzliche Lehrerstunden für die Nachmittage hoffen.

Von der guten Nachricht für die HBS berichtete Schulleiterin Andrea Haus, als der Ortsbeirat Nieder-Roden in ihrer Schule tagte. Zu diesem Zeitpunkt war die Aufnahme in das Profil 2 zwar mündlich avisiert, der schriftliche Bescheid fehlte aber noch.

Mit wie viel zusätzlichem Personal die Böll-Schule rechnen kann, weiß die Schulleiterin noch nicht: „Ich bin gespannt, was wir bekommen.“ Von der landesweiten Umverteilung der Lehrerstunden werde Rodgau nicht unbedingt profitieren: „Wir müssen wahrscheinlich einige Stunden nach Offenbach abgeben, wo die Schulen erhebliche Probleme mit Zuwanderern aus Rumänien und Bulgarien haben.“

Verlässliches Angebot an fünf Nachmittagen

Unter den drei Rodgauer Schulen für Fünft- bis Zehntklässler war die HBS die erste mit einer pädagogischen Mittagsbetreuung. Die Georg-Büchner- und Geschwister-Scholl-Schule wurden erst 2004 in das Programm aufgenommen, das im Sprachgebrauch des Kultusministeriums heute „Profil 1“ heißt. Das bedeutet: Hausaufgabenbetreuung und Arbeitsgemeinschaften an mindestens drei Tagen in der Woche.

Die Heinrich-Böll-Schule bietet derzeit an vier Tagen eine kostenpflichtige Hausaufgabenhilfe für bis zu zweieinhalb Stunden an. Dazu gibt es 27 Arbeitsgemeinschaften von Naturwissenschaften bis zum Schulsanitätsdienst, die sich auf die fünf Tage der Schulwoche verteilen. Sie dauern jeweils 45 bis 90 Minuten. Zwölf dieser Arbeitsgemeinschaften sind für Schüler aller Jahrgänge offen.

Künftig soll die HBS „ein verlässliches Angebot an fünf Nachmittagen pro Woche“ bieten. Auch damit ist sie noch weit entfernt von einer Ganztagsschule, obwohl Kultusministerin Nicola Beer (FDP) wie ihre Vorgängerin Karin Wolff (CDU) gern von „ganztägig arbeitenden Schulen“ spricht. Das hört sich besser an als es ist. Denn das Ministerium fordert keine Betreuung, sondern nur „Betreuungsmöglichkeiten“, die auch nur „in der Regel von 7.30 Uhr bis 16 oder 17 Uhr“ gegeben sein sollen. Im Klartext: Abweichungen nach unten werden toleriert.

Basis-Angebot hängt vom Geldbeutel der Eltern ab

Das Personal ist begrenzt. Für 847 „ganztägig arbeitende Schulen“ bezahlt das Land Hessen 1 501 pädagogische Fachkräfte, nicht nur Lehrer. Das sind durchschnittlich knapp 1,8 Stellen pro Schule. Ein echter Ganztagsbetrieb („Profil 3“) ist so personalintensiv, dass für andere Schulen oft weniger als eine zusätzliche Stelle bleibt: zu wenig, um mehrere hundert Schüler an fünf Nachmittagen sinnvoll zu beschäftigen.

Das Basis-Angebot hängt vom Geldbeutel der Eltern ab. Für die Hausaufgabenbetreuung an vier Tagen pro Woche muss der Förderverein der Heinrich-Böll-Schule derzeit 440 Euro im Jahr verlangen. Dazu kommt noch der Preis fürs Mittagessen, vier Euro pro Tag. Der Vize-Vorsitzende des Schulfördervereins, Okan Sönmez, berichtet von der Kehrseite staatlicher Sparmaßnahmen: Der Elternbeitrag zur Hausaufgabenhilfe verdreifachte sich 2008 von 120 auf 375 Euro im Jahr, weil die Stadt Rodgau die Cafeteria nicht mehr unterstützte. Zwei Jahre später war eine weitere Erhöhung auf 440 Euro nötig, weil der Kreis Offenbach bereits gezahlte Zuschüsse nachträglich zurückforderte.

Von einer guten und reibungslosen Zusammenarbeit mit dem Schulförderverein berichtet Schulleiterin Haus. Seit vielen Jahren seien Schulen landauf, landab auf Sponsoren und ehrenamtliche Arbeit angewiesen: „Schule kann nicht mehr ohne Fördervereine arbeiten. Ich finde das nicht in Ordnung.“

Auch die Grundschule am Bürgerhaus Nieder-Roden verlässt sich auf ihren Förderverein, der unter anderem eine Betreuung nach dem Unterricht organisiert. Ab dem Schuljahr 2013/14 geschieht das mit dem Segen des Ministeriums: Die Bürgerhausschule wird in das „Profil 1“ der Schulen mit Ganztagsangeboten aufgenommen. Auch sie kann auf einige zusätzliche Lehrerstunden hoffen.

Quelle: op-online.de

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