Meister der Mülltrenner

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Hier ist nichts drin: In Winfried Jägers 60-Liter-Tonne glänzt der Boden nach fast zwei Jahren noch wie neu.

Dudenhofen ‐ „Wozu brauchen wir eigentlich eine Mülltonne?“ Für Winfried und Marie Jäger ist das eine ernste Frage. Seit fast zwei Jahren steht eine unbenutzte 60-Liter-Tonne hinter ihrem Haus. Geleert wurde sie noch nie. Von Ekkehard Wolf

Wenn es eine Deutsche Meisterschaft der Abfalltrennung gäbe, wären die Eheleute Jäger zweifellos Kandidaten für den ersten Platz. Und das nicht erst seit gestern: Viele Jahre lang bemühten sie sich im Rathaus um eine kleinere Mülltonne - vergebens. Einen Hoffnungsschimmer sahen sie 2006 im Aufruf des damaligen Bürgermeisters Alois Schwab, „durch eigenes Verhalten die Gebührenlast zu senken“. Doch ihren Wunsch nach einer 35-Liter-Tonne erfüllte er nicht. Nach eigenen Berechnungen hat das Ehepaar seit 1976 mehr als 1.000 Euro zu viel an Müllgebühren entrichtet.

Besonders konsequente Mülltrennung

Marie und Winfried Jäger trennen ihre Abfälle besonders konsequent: Verpackungen kommen in die Gelbe Tonne, Papier in die Altpapiertonne, Holz wird im Kaminofen verbrannt und organische Abfälle landen auf dem Komposthaufen. Eigentlich dürften dafür keine Gebühren anfallen, meint Winfried Jäger: Die Leerung der Gelben Tonne bezahlt man ja bereits beim Einkauf im Supermarkt und am Altpapier verdient die Stadt sogar Geld.

Seit Anfang 2009 hat sich Müllvermeidung in Rodgau zum Volkssport entwickelt. Wer Abfälle trennt, entlastet den Geldbeutel - das war das erklärte Ziel. Der Erfolg: Binnen eines Jahres katapultierte sich Rodgau beim Wertstoffanteil vom drittletzten (41.) Platz auf den vierten Platz im Gebiet der Rhein-Main-Abfall GmbH (RMA). Statt mickriger 29,20 Prozent wurden letztes Jahr in Rodgau 53,82 Prozent an verwertbaren Stoffen gesammelt. Spitzenreiter im RMA-Gebiet ist Rödermark mit 67,38 Prozent.

80,26 Euro Müllgebühr

Ein Erfolgsmodell in Rodgau ist die angeblich kostenlose Biotonne - in Wirklichkeit sind deren Kosten in die allgemeine Müllgebühr einkalkuliert. Auch das Ehepaar Jäger hat eine Biotonne - aber nur, um die Massen an Pflanzenteilen und Blättern zu entsorgen, die vom Lärmschutzwall der Bundesstraße 45 in ihren Garten fallen. 21 Buchen, fünf Haselnusssträucher, fünf Wildkirschen und viele Büsche grenzen an das Grundstück an.

80,26 Euro im Jahr müssen die Jägers derzeit an Müllgebühr bezahlen. Da sie ihre Restmülltonne nicht benutzen, zahlen sie letztlich dafür, dass sie die Blätter der städtischen Bäume aufkehren. „Das ist ungerecht“, ärgert sich Winfried Jäger.

Vorbildliches Verhalten keinen Einfluss auf Abrechnung

Bürgermeister Jürgen Hoffmann verweist auf den „Anschluss- und Benutzungszwang“, der für jedes bewohnte Grundstück eine Restmülltonne vorschreibt. Die Grundgebühr enthalte ein ganzes Portfolio an Leistungen, einschließlich Kompostierung, Sperrmüll und Biomüllverwertung, erklärt dazu Stadtrat Michael Schüßler. Das Ehepaar Jäger verhalte sich vorbildlich, auch wenn sich dies in der Abrechnung nicht niederschlage.

Die Jägers und alle anderen Meister im Mülltrennen können hoffen: „Die Anzahl der Mindestleerungen ist in der Diskussion“, berichtet Jürgen Hoffmann aus dem Magistrat, „ich gehe davon aus, dass sie sich verändern wird.“

Quelle: op-online.de

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