Melodienglanz und Klangsturm

Lichter sprühender Sound: das TSV Orchester entfachte einen Klangsturm. Foto: mecora

Dudenhofen - Wer am Samstag etwas verspätet ins gut besuchte Bürgerhaus kam, wunderte sich darüber, dass die Gäste noch nicht begonnen hatten. Solche laden sich die TSV-Dudenhöfer nämlich immer ein für den ersten Teil ihrer Jahreskonzerte.

Der Rodgauer Kulturamtsleiter a.D., Peter Kratz, war gerade noch dabei, die diesjährigen Protagonisten fürs Vorprogramm des TSV-Blasorchesters, das Musikcorps TGS Seligenstadt, anhand einer stichwortartigen Biographie vorzustellen. Davor hatten die Gäste ihrerseits ein Vorprogramm gehabt, bestritten vom Nachwuchs der Gastgeber. Die jungen 21 Musiker/innen wurden von Klarinettistin Luise Krause geleitet. Hinter den TSV-Kulissen sind, so Peter Kratz in einem Pausengespräch, noch ein Dutzend Newcomer in Vor aus bil dung. Die, die sich da auf der Bühne befanden, spielten John Higgins‘ „American spirit march“ und „Pirates of the Caribbean“ von Klaus Badelt in einem Arrangement von Michael Sweeney.

Danach zeigten die Seligenstädter unter Leitung von Heinz Seipel, dass sie ein geschmeidiges Ensemble sind, das in der Lage ist, alles zu intonieren, was man von einem Musikcorps erwarten kann. Da folgte Melodienseliges wie „Singing in the rain“ und „Mary Poppins“ auf rangierend Rhythmisches wie „Starlight Express“ und „Dirty Dancing: The time of my life“.

Offiziell beendete „Beauty and the beast“ diesen Set. Eine Zugabe folgte. Lichter, sprühender Gesamtsound stand bei den Seligenstädtern etwa innig singenden Solo-Oboen und -Klarinetten gegenüber, wovon die eine oder andere auch nur mal von leichtem Schlagzeug und gefühlvollem Horn begleitet wurde. Nach der Pause moderierte Wolfgang Resch detailliert weiter. Die Hausherren machten mit James Curnows „Fanfare and flourishes“ auf. Mit Kees Vlaks „Dschingis Khan“ setzten sie noch einen oben drauf an Power, die man bei ihnen so richtig zu spüren bekommt, wenn man sich buchstäblich an der Seite des Ensembles befindet.

Da hört man genauer, wie im TSV-Orchester ein Klangsturm anhebt und sich von Reihe zu Reihe fortsetzt und an Fahrt gewinnt. Die wurde von Kurt Gäbles „Begegnung“ erstmal gestoppt. Jetzt war Klangestalten angesagt, schließlich mussten Orchester und das Feldkahler Alphornquartett, das lediglich Naturtöne von sich geben kann, in Einklang gebracht werden. Dies machte Dieter Duzak mit Gefühl, der bei den Feldkahlern mit bläst, wenn er nicht gerade sein TSV-Blasorchester zu dirigieren hat. Dem wird er diesen Herbst auch schon fünf Jahre vorstehen. Duzak umgibt in der Regel ein Hauch von Brauchtum und Stadl-Flair. So auch diesmal. Aber nun wurde das gleichsam feiner zerstäubt und verweht von zeitnäherem Glanz- und „Große Geste“-Pop, ohne ganz weg zu sein. Es gab auch dem diesjährigen Repertoire seine besondere Note, ohne nach einem bestimmten Mittelgebirge zu tönen. Dafür sorgte auch ein Robbie-Williams-Medley, bei dem die Posaunenriege immer wieder genussvoll Mikro-Glissandi hochzog.

Und vor einem Taditional als Zugabe: James Bond. Bei von Johan de Mey zusammengeschnürtem „007“-Potpourri lässt sich gepflegt und mit Vergnügen dem Affen Zucker geben, was die Dudenhöfer taten. Applaus, Bravorufe, begeisterte Pfiffe: Das TSV-Frühlingskonzert 2009 näherte sich langsam seinem Ende. MANFRED MEYER

Quelle: op-online.de

Kommentare