Mieter harren wochenlang in Kälte aus

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Feuerwehrmann Kai Richter und Schäferhund „Rubino“ suchen Wärme am Heizlüfter.

Jügesheim ‐ Das kalte Wetter der letzten Wochen hat zwei Familien in Jügesheim besonders mitgenommen. Seit vier Wochen friert Kai Richter mit Ehefrau und Tochter in einer ungeheizten Wohnung, weil sein Vermieter die Gasrechnung nicht bezahlt hat.  Von Ekkehard Wolf

Der Vermieter und dessen Familie wohnen oben im Haus und frieren auch.„Die Wohnung ist so was von kalt, das kann man gar nicht beschreiben“, berichtet Kai Richter. Mit dicker Jacke und Schal sitzt er an einem elektrischen Heizlüfter und wärmt sich die Finger. Das Elektrogerät mit 1.800 Watt bringt zwar den Stromzähler auf hohe Drehzahl, doch damit bekommt man nicht mal ein Zimmer warm.

Eiskalt duschen

Wollpullover und Wärmflaschen gehören zum Alltag in diesem Frühling, der keiner ist. „Unser Wasserkocher hat schon Urlaub beantragt“, meint Richter ironisch. Doch zum Scherzen ist ihm nicht zumute. Seine Ehefrau kann in der Kälte ihre Bronchitis nicht auskurieren. Die Tochter (15) muss eiskalt duschen.

Am 20. April hat die Maingau Energie GmbH den Gashahn für das Dreifamilienhaus abgestellt. Seit eineinhalb Jahren hatten der Hauseigentümer und der Versorger Streit miteinander. Zuletzt summierten sich die Zahlungsrückstände auf einen vierstelligen Betrag. Der Eigentümer spricht von 5.000 bis 6.000 Euro. Er wirft dem Gasversorger vor, die Raten seien vom falschen Bankkonto eingezogen worden. Briefe seien liegen geblieben, dann habe der Versorger plötzlich 3.500 Euro gefordert.

„Der Vermieter wusste das lange genug“, sagt Maingau-Geschäftsführer Joachim Prietzel. Bei Zahlungsverzug verschicke das Unternehmen zunächst eine höfliche Erinnerung, nach vier Wochen folge eine Mahnung, weitere zwei Wochen später werde die Sperre angedroht. Bis zuletzt habe der säumige Kunde die Möglichkeit, mit einer Abschlagszahlung seinen guten Willen zu zeigen.

Möglicherweise muss der Gerichtsvollzieher nicht kommen.

Doch die frierenden Mieter zweifeln am guten Willen des Vermieters. Schon bei der früheren Ölheizung sei es ab und zu für ein, zwei Tage kalt gewesen, berichtet Kai Richter. Richters Rechtsanwalt Steffen Körner hat nun beim Amtsgericht Seligenstadt eine Einstweilige Verfügung gegen den Vermieter erwirkt. „Selbst wenn der Vermieter Zahlungsrückstände haben sollte, entlastet ihn das nicht davon, für Heizung und Warmwasser zu sorgen“, sagt der Jurist, der nun bei Gericht ein Ordnungsgeld beantragt hat. Möglicherweise muss der Gerichtsvollzieher doch nicht kommen. Der Vermieter hat nach eigenen Angaben einen Kredit aufgenommen, um einen Teil der Gasrechnung zu begleichen. „Wenn der Zahlungswille da ist und eine Vereinbarung getroffen wird, wird in kürzester Zeit wieder geöffnet“, stellt Maingau-Geschäftsführer Prietzel in Aussicht. „Aber bei dieser Größenordnung kann er natürlich nicht mit 100 Euro kommen.“

Quelle: op-online.de

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