Misstöne aus Orgel

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Kaum zu glauben, aber die Fällung der Kastanienbäume vor der St.-Nikolaus-Kirche wirkt sich auf den Klang der Orgel aus. Nun haben Susanne Mahr und Dietmar Wilhelm provisorisch Vorhänge aufgrhängt, um die Hitze auszusperren.

Jügesheim (pul) - Gläubige werden es während des Abendgottesdienstes schon bemerkt haben. Die Orgel in der St. -Nikolaus-Kirche lässt manchen Misston erklingen. Hintergrund ist die Sonneneinstrahlung. Nun haben Gemeindemitglieder einen Vorhang gespendet und aufgehängt.

Für eine dauerhafte Lösung werden Spender gesucht. Eine wahre Kletterpartie legten Küsterin Susanne Mahr, Verwaltungsratsmitglied Dietmar Wilhelm und Tim Follmann aufs kirchliche Parkett. Sie zwängten sich in den schmalen Spalt zwischen Orgel und Außenwand und brachten die schützenden Vorhänge vor den drei großen Fenstern an.

Die Vorhänge sind weiß und reflektieren somit das Sonnenlicht, dem eigentlichen Verursacher der Misere. Denn die vier Meter hohen Fenster hinter der Orgel am Westportal werden seit dem letzten Jahr nicht mehr durch die Kastanienbäume beschattet. Die Sonne schickt nun ihre wärmenden Strahlen am Nachmittag und am Abend in die Kirche und erhitzt die Orgel.

„Das Holz verzieht sich und der lederne Blasebalg wird porös“ berichtete Susanne Mahr. Was zunächst wenig bedeutend klingt, wirkt sich auf die Königin der Instrumente, wie die Orgel gerne genannt wird, deutlich hörbar aus. Die falschen Töne bemerkte Organistin Lucia Herdt-Oechler gleich. Danach fielen auch noch zwei Register aus. Die kirchlichen Lieder können nun nicht mehr im vollen Umfang gespielt werden, und was gespielt werden kann, klingt teils schauerlich.

Bis zur Reinigung der Orgel vor fünf Jahren hing hinter dem Instrument noch die Verdunklung aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie diente ursprünglich dazu, Jügesheim nicht zum Ziel nächtlicher Bombenangriffe werden zu lassen. Obwohl dieser Schutz 2006 entfernt worden war, fand das Sonnenlicht damals noch keine Angriffsfläche. Die Kastanienbäume vor der Kirche bildeten durch ihren Höhenwuchs einen natürlichen Sonnenschirm. Im letzten Jahr fielen die Bäume aber der Axt zum Opfer. Seit dem findet die Sonne neue Angriffsfläche.

Die Gemeinde bemüht sich um eine dauerhafte Lösung. Möglicherweise wird eine Thermoverglasung eingebaut. Für die Finanzierung sucht St. Nikolaus noch Spender.

Quelle: op-online.de

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