Freies Fliegen und Show-Rennen

Flugroute über den Badesee Nieder-Roden

+
Der 15-jährige Thore Lorenz fliegt einen Nachbau eines „Schneider-Cup“-Modells, einer „Macchi M33. Das italienische Rennflugzeug stammt im Original aus dem Jahr 1929.

Nieder-Roden - Mit bis zu 200 Stundenkilometern sausten viele große und kleine Wasserflugzeuge über den Badesee. Zum zweiten Mal hatte der Flug- und Modellbauclub Dietzenbach die Piloten der Modelle und interessierte Zuschauer nach Rodgau eingeladen.

Rund 40 Teilnehmer kamen mit ihren Flugzeugmodellen zum freien Fliegen und einem Show-Rennen und nutzten die idealen Bedingungen am Kiessee. Bis zu 25 Kilogramm schwer sind die in Leichtbauweise gefertigten Modelle, bis zu einer Höhe von 150 Meter durften die Flugzeuge gemäß der Genehmigung aufsteigen. Doch bei Wasserflugzeugen bestehe der Reiz gerade darin, lange Strecken tief und knapp über der Wasseroberfläche zu fliegen, auf dem Wasser zu starten und zu landen, erklärte der Vorsitzende Ralf Kaiser. Der Badesee in Nieder-Roden sei ein tolles Gewässer hierfür. Daher sei der Verein der Stadt Rodgau besonders dankbar, dass sie den See zur Verfügung stelle.

Als einen festen Bestandteil der Modellflugszene möchten die Flieger aus der Nachbarstadt die Veranstaltung etablieren. Rund 150 Mitglieder umfasst der 1972 gegründete Verein, der in Dietzenbach zwar einen Flugplatz, aber kein passendes Gewässer hat. Zwischen drei und zehn Minuten reicht eine Akkuladung für den elektrischen Antrieb der Wasserflugzeuge. Die nicht mehr so verbreiteten Modelle mit Verbrennermotor können mit einem halben Liter Sprit bis zu einer halben Stunde in der Luft bleiben. Elektromotoren sind nicht nur sauberer und zuverlässiger, sondern verursachen aufgrund ihrer Bauart auch weniger Vibrationen und andere Schwierigkeiten. Zudem ist der Umgang mit der Elektronik deutlich unkomplizierter.

„Schneider-Cup“ wiederbelebt

Der jüngste Pilot des Vereins ist der 15-jährige Thore Lorenz. Mit Begeisterung steuert er nicht nur die Modelle mit der großen Fernbedienung, sondern packt auch bei Arbeiten am Modell fleißig mit an. Eines seiner Flugzeugmodelle ist die „Macchi M33“, ein italienisches Rennflugzeug aus dem Jahr 1929. Im Original sei dieses klassische Flugboot zwar leider nie sehr erfolgreich gewesen, doch es besitze sehr gute Flugeigenschaften, erklärt Vorsitzender Kaiser die Geschichte zum Modell seines Sohnes. Zusammen mit einigen anderen Modellen, die am Badestrand geparkt waren, gehörte das Wasserflugzeug zu den Teilnehmern des bekannten „Schneider-Cups“. Das große Rennen von Wasserflugzeugen wurde einst von mehreren Nationen veranstaltet. In dieser Serie startete auch die „Macchi Castroldi C72“ aus dem Jahr 1933, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 728 Stundenkilometern das bis heute schnellste Wasserflugzeug. Auch ein solches Modell nennt der Vereinsvorsitzende stolz sein Eigen.

Im kleineren Maßstab wurde der „Schneider-Cup“ inzwischen wiederbelebt und wird nun mit Modellwasserflugzeugen geflogen. Nachdem Ralf Kaiser das Rennen vor zwei Jahren gewonnen hatte, fand der Wettkampf im letzten Jahr in Rodgau statt. Titel und Hausrecht gingen das letzte Mal dann jedoch in einen anderen Teil von Deutschland. Wettbewerbe gibt es, obwohl Wasserflugzeuge eine Randgruppe der Modellflugzeuge sind, in den unterschiedlichsten Kategorien. Von reinen Rennen bis zu originalen Vorbildveranstaltungen, bei denen nicht nur der ursprüngliche Bauplan eingehalten sein muss. Darüber hinaus müssen die Hobby-Piloten ihre Flieger auch möglichst genau in der Originalgeschwindigkeit fliegen lassen. Diese wird dabei auf das kleinere Modell runtergerechnet. Richtige gute Flieger schaffen eine Abweichung von nur 0,5 Prozent.

Modellflieger-Rennen am Badesee

Modellflieger-Rennen am Badesee

Echte Liebhaber achten noch viel mehr auf Details. Während manche ihre Modelle mit bunten Lichtern ausstatten, lassen andere ihre Modelle künstlich altern, damit sie wirklich echt aussehen. Zu einem solch stilechten Auftreten gehört natürlich auch der passende Pilot im Cockpit. Die Fliegerpuppen sind ein beliebtes Accessoire, das aber auch gerne für eine Karikatur verwendet wird. Ans Steuer zweier kleinerer Modelle hatte einer der Modellflugfreunde eine Barbie-Puppe gesetzt, die mit ihren langen blonden, im Wind wehenden Haaren den anderen Piloten schöne Augen machte. Bei den Modellen musste man früher deutlich mehr selbst Hand anlegen, manchmal gab es sogar nur einen Bauplan. Dann musste erst das passende Material besorgt und zuschnitten werden. Heute gibt es „Fast-Fertig-Modelle“ bei denen nur noch die Elektronik fehlt, oder Einsteigermodelle, die nur noch zusammengesteckt und verschraubt werden müssen. Die Möglichkeit für komplett selbst gebaute Exemplare besteht natürlich immer noch. Ein Einsteigermodell gibt es ab 300 Euro, ein größeres Modell geht bei 1000 Euro los. Wie bei jedem Hobby sind nach oben hin keine Grenzen gesetzt.

pep

Quelle: op-online.de

Kommentare