„Momo“ dreht das Bürgerhaus um

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Erstmals übernehmen Kinder tragende Rollen in einem Stück der Welttheatergruppe.

Nieder-Roden ‐ Neue Erfahrungen macht die Theatergruppe „Großes Welttheater“ bei der Inszenierung des Stücks „Momo“. Erstmals arbeitet das Regieteam in großem Stil mit Kindern. Mit dem Bürgerhaus Nieder-Roden entdeckt die Theatergruppe einen neuen Spielort. Von Ekkehard Wolf

Die Bühnenform ist so noch nie da gewesen. Bühnenbauer Walter Stolz: „Wir spielen auf den Stufen, wo sonst die Zuschauer sitzen. Wir drehen das Bürgerhaus um.“

Vom Gedanken an ein herkömmliches Bühnenbild sollten sich die Zuschauer am besten jetzt schon verabschieden. Projektionen, Licht und Geräusche sollen den gemalten Hintergrund ersetzen. Seit dem „Schinderhannes“ vor zehn Jahren hat die Welttheatergruppe immer wieder mit Projektionen gearbeitet. Was bisher ein Zusatzeffekt war, wird nun zum tragenden Element. Walter Stolz will damit den veränderten Sehgewohnheiten Rechnung tragen: „Es müssen Bilder im Kopf entstehen: weg von der realen Welt hin zur Vorstellungswelt.“ 20 verschiedene Orte und Hintergründe will Stolz damit ins Bürgerhaus zaubern. Nur wie das technisch gehen soll, ist noch nicht ganz klar: „Das ist eine Herausforderung, die wir bis heute nicht gelöst haben.“

Meister Hora (Hans Bär) spricht mit Momo (Lena Sarbu).

Bisher ist den ambitionierten Theatermachern noch alles gelungen, was sie sich vorgenommen haben. Das trifft auch auf die Regiearbeit zu. Noch nie zuvor hat die Gruppe „Großes Welttheater“ derart intensiv mit Kindern gearbeitet. Lena Sarbu (14), die die Hauptrolle der Momo spielt, muss zwei bis drei Mal pro Woche proben. Die anderen Kinder kommen montags für eineinhalb Stunden. „Es ist schwierig, einen Tag zu finden, an dem alle Kinder Zeit haben“, sagt Günter Seebäck, der gemeinsam mit Melanie Wörner Regie führt. Entgegen der ursprünglichen Absicht, immer zwei Stunden zu proben, musste das Regieteam die Proben um eine halbe Stunde kürzen. Seebäck: „Anderthalb Stunden sind das Maximum, weil wir auch ein paar lebhafte Kinder dabei haben.“

Die beiden Spielleiter sind sehr zufrieden damit, wie sich ihre jungen Schauspieler seit Beginn der Probenarbeit im April entwickelt haben. „Von Probe zu Probe wird alles routinierter“, sagt Melanie Wörner: „Am Anfang waren manche zu aufgeregt, überhaupt etwas zu sagen.“

Ihre Hauptdarstellerin hat sich die Theatergruppe übrigens gezielt gesucht, um von Aussehen und Ausstrahlung her möglichst nahe an der Momo-Figur des Kinofilms zu sein. „Bei einem Benefizkonzert in Dudenhofen haben wir Momo in einem Chor entdeckt“, erzählt Günter Seebäck. Die 14-Jährige aus Weiskirchen sagte unter einer Bedingung zu: „Wenn ich mitspiele, will ich auf keinen Fall singen.“

Eine Gesangseinlage könnte es aber möglicherweise doch geben. Die junge Sängerin Franziska Langer verkörpert nämlich die Friseurin Fusi. Eigentlich ist der Friseur im Stück ja ein Mann, doch die künstlerische Freiheit erlaubt den Theaterleuten auch Veränderungen. Walter Stolz: „Für alle Rollen dieser Welt gibt es Schauspieler, auch hier vor Ort. Nur viele wissen es noch nicht. Am Ende schaffen wir es immer wieder, dass alle Rollen mit den richtigen Leuten besetzt sind.“ Die wichtige Erwachsenenrolle des Meister Hora spielt übrigens Hans Bär, der unter anderem schon als „Bauer“ und als „Datterich“ auf der Bühne stand.

„Momo“ ist nicht nur ein Kinder- und Jugendstück, wie Frank Bichtemann, der Vorsitzende des Vereins Großes Welttheater, betont: „Es ist eine Allegorie, die die Probleme der Erwachsenengesellschaft im Umgang mit Zeit und Geld darstellt. Damit wird die gegenwärtige Situation bestens beschrieben.“ Autor Michael Ende habe 1973 sicher nicht geahnt, dass sein Buch so gut auf die heutige Zeit passen würde.

Quelle: op-online.de

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