Notizbuch der Woche

Kommentar: Müll - Freud‘ und Frust

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Michael Löw

Rodgau - Wenn‘s läuft, läuft‘s. Und wenn der Wurm drin ist, ist der drin. Dass in dieser Binsenweisheit viel Wahrheit liegt, erfahren die Abfalldezernenten in Rödermark und Rodgau. Von Michael Löw

Hier zog Kämmerer Alexander Sturm fast schon euphorisch eine erste Bilanz: Ober-Röder, Urberacher, Waldackerer und Messenhäuser trennen, was das Zeug hält und haben - pro Einwohner gerechnet - den bei der Entsorgung teuren Restmüll von 195 auf 73,5 Kilo reduziert. Gleichzeitig sank das Gesamtaufkommen aller Abfälle um 25 Prozent, ohne dass massenhaft Dreck im Wald landet oder alle Arten von Unrat zum Sperrmüll gestellt werden. Sturms Rodgauer Kollegin Hildegard Ripper könnte vielleicht mit ähnlichen Zahlen aufwarten. Doch die will sie frühestens nach der Sommerpause veröffentlichen. Außerdem will sie zwischen Weiskirchen und Rollwald niemand hören. Denn zu oft haben sich die Gebührenzahler in den vergangenen Monaten geärgert: Zuerst sollte ihnen die große - und entsprechend teure - 80-Liter-Tonne buchstäblich übergestülpt werden, dann bekamen etliche Haushalte falsche Tonnen geliefert, im Januar wühlten kleinliche Mülldetektive in der Biotonne, das Abfuhrunternehmen kennt das Wort Service allenfalls aus dem Duden. Und Beschwerden landeten in einer überforderten Verwaltung oder im Callcenter, dessen Mitarbeiter mit Ach und Krach wussten, wo Rodgau liegt. In Rödermark hatten die Kommunalen Betriebe, unterstützt von der Politik, das neue Modell seit Anfang 2008 vorbereitet, beworben und erklärt. Dieses positive Umfeld steigerte die Akzeptanz und ließ Probleme, die es natürlich auch in Rödermark gab, nicht zum Dauerärger werden.

Müssen die Bürger nächstes Jahren allem Trennen und Sparen zum Trotz mehr für die Müllabfuhr bezahlen? Diese Frage wollen und können weder Hildegard Ripper noch Alexander Sturm derzeit guten Gewissens mit „Nein“ beantworten. Der Verfall der Altpapier- und Altmetallpreise, hohe Betriebs- und Sanierungskosten der Restmülldeponien und -verbrennungsanlage, ungewisse Kalkulationsgrundlagen bescheren Gebührenmachern und Gebührenzahlern noch ein paar Monate voller Ungewissheit.

Unpopuläre Maßnahmen hat die Kommunalaufsicht diese Woche von der Stadt Rödermark gefordert. Sie hat den hochdefizitären Haushalt 2009 mit schärferen Auflagen als in den Vorjahren genehmigt. Unter anderem soll die Stadt eine Straßenbeitragssatzung erheben, mit der Anwohner bei Sanierung oder Erneuerung zur Kasse gebeten werden können. Das den Leuten zu verkaufen wird ungleich schwieriger als ihnen noch so gravierende Änderungen bei der Müllabfuhr plausibel zu machen.

Quelle: op-online.de

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