Müllsack soll die Tonne ergänzen

Rodgau - (eh) Für Familien, die wegen Entsorgung von Windeln nicht mit einer normalen Mülltonne auskommen, zeichnet sich eine Lösung ab. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, städtische Müllsäcke zum halben Preis (dann 3,50 Euro) zu kaufen. Dies sieht ein Antrag vor, hinter dem fast alle Fraktionen des Stadtparlaments stehen.

Die Entsorgungsprobleme von Menschen mit künstlichem Darmausgang (Stoma) sind damit aber nicht gelöst.

Dieser „Konsensantrag“ der Stadtverordnetenvorsteherin und CDU-Bürgermeisterkandidatin Anette Schweikart-Paul wird von CDU, SPD, Bündnis 90/Grünen, FDP und Freien Wählern getragen, also von 42 der 45 Stadtverordneten. Trotz dieser breiten Mehrheit wurde er im Umweltausschuss nicht einfach durchgewunken. Die einstündige Beratung zeigte, dass auch noch andere Kompromisse denkbar sind.

So regte Jürgen Kaiser (SPD) an, dass für Windel- oder Stoma-Träger mehr als 13 Mülltonnenleerungen pro Jahr im Grundpreis inbegriffen sein sollen: Eine Idee, die laut Karin Wagner auch bei den Grünen diskutiert wird. Stefan Vogler (SPD) brachte größere Mülltonnen Betroffene ins Gespräch.

Der Antrag geht uns nicht weit genug“, sagte Hermann Jäger (CSG): „Das Problem ist einfach, dass die Tonnen nicht zwei Wochen stehen bleiben können.“ Er fordert eine Rückkehr zur wöchentlichen Müllabfuhr für den betroffenen Personenkreis. Das ist nicht nur in Rodgau eine Minderheitsmeinung, wie sich im Umweltausschuss zeigte. Anette Schweikart-Paul (CDU) verwies auf das Beispiel von Nachbarstädten wie Rödermark und Obertshausen: Auch dort funktioniere die Abfuhr im Zwei-Wochen-Turnus ohne Probleme.

Wer die Windeln von Baby und Oma oder die Stoma-Beutel nicht bis zur nächsten Abfuhr aufbewahren möchte, kann sie an fünf Tagen pro Woche am Recyclinghof in einen Container werfen. Das soll auch künftig so bleiben. Laut Jürgen Kaiser (SPD) ist Rodgau die einzige Stadt im Umkreis, die diese Möglichkeit kostenlos bietet. „Die Mengen haben sich in den letzten beiden Monaten stabilisiert“, berichtete Mülldezernentin Hildegard Ripper (CDU): „Wir haben zwei Fünf-Kubikmeter-Container, die mehrmals im Monat geleert werden.“ Von den rund 150 Nutzern kämen zehn bis 15 mit Stoma-Beuteln.

Für Menschen mit künstlichem Darmausgang sei eine Müllabfuhr im Zwei-Wochen-Turnus unzumutbar, argumentierte Jürgen Duchscherer als Sprecher des VdK Rodgau und persönlich Betroffener. Auch bei mehrfacher Verpackung der gefüllten Beutel sei Gestank unvermeidlich. „Sagen Sie mir, wie viel es kostet, ich bin bereit, mehr zu bezahlen“, appellierte Duchscherer. „Wenn die 14-tägliche Abfuhr bleibt, können wir nie zufrieden sein.“

Am Zwei-Wochen-Turnus der Müllabfuhr, der seit Jahresanfang gilt, will eine breite Mehrheit des Stadtparlaments aber trotzdem nicht rütteln. Schweikart-Paul (CDU) bezifferte die Mehrkosten einer wöchentlichen Windeltonnenleerung auf 200 000 Euro.

Quelle: op-online.de

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