Müttern fehlt‘s an Wertschätzung

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Eva Lindhuber-Klein

Rodgau ‐ Mütter nehmen in Familien eine besondere Rolle ein. Redaktionsleiter Bernhard Pelka sprach darüber mit Eva Lindhuber-Klein, einer der zwei Vorsitzenden des Hainhäuser Mütterzentrums „Frauenzimmer“.

Warum funkt's zwischen Müttern und Töchtern eher als zwischen Töchtern und ihren Vätern?  

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter wird sicher ganz unterschiedlich empfunden. Die einen haben ein freundschaftliches Verhältnis, die anderen müssen sich immer wieder gegenseitig abgrenzen.

Dass es häufiger Konflikte zwischen Mutter und Tochter gibt, als zwischen Vater und Tochter würde ich nicht verallgemeinern. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es in bestimmten Lebenssituationen verstärkt zu Spannungen kommt. Ein Beispiel: die Mutter leidet unter Belastungen des Haushalts, des Jobs, der Sorge um die älter werdenden Eltern - die Tochter lebt unbekümmert in den Tag hinein und genießt (noch) ein Leben ohne Verpflichtungen. Könnte das nicht Neid hervorrufen?

Wie hat sich die Rolle der Mutter in den letzten 20 Jahren verändert? 

Veränderungen sind spürbar. Vor 20 Jahren strebten die Frauen nach qualifizierteren Arbeitsstellen. Viele von uns haben studiert und den Kinderwunsch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Frau wurde erst mit Mitte 30 schwanger, denn vorher musste sie sich um die Karriere kümmern. Das gleichzeitige Bewältigen von Beruf und Familie war schon immer ein großes Problem, auch noch vor 20 Jahren. Es gab kaum Kinderkrippen, die Tagesmütter waren rar und auch die Arbeitgeber zeigten sich wenig kooperativ.

Nach dem dreijährigen Erziehungsurlaub gab es Möglichkeiten wieder in den Beruf zu kommen, aber der Job entsprach oft nicht der Qualifikation. Die Erziehungszeit war außerdem mit starken finanziellen Einbußen verbunden, denn das Erziehungsgeld wurde als Pauschalbetrag nur über einige Monate gezahlt.

Aus diesen Gründen haben sich viele Frauen für die klassische Mutterrolle entschieden. Heute hat der Gesetzgeber für verbesserte Bedingungen gesorgt. Es gibt mehr Betreuungsmöglichkeiten für kleine Kinder, Ganztagsschulen werden angestrebt, die finanzielle Versorgung während der Erziehungszeit ist deutlich besser.

Also alles bestens?

Die Betreuungssituation ist noch nicht ideal, aber auf dem richtigen Weg. Das ermutigt viele junge Frauen Beruf und Familie gleichzeitig zu planen, oder zumindest frei darüber zu entscheiden. Die berufstätige Mutter ist heute gesellschaftlich anerkannt. Bedauerlich, dass Frauen, die „nur“ die Mutter rolle ausüben, auch heute noch so wenig Wertschätzung erfahren.

Partnerprobleme und Scheidungen drängen Frauen immer öfter in die Rolle der alleinerziehenden Mutter. Welche Nöte wirft das auf und wie begegnet ihr Verein diesen Schwierigkeiten? 

Ja, es sind größtenteils die Mütter, die im Falle einer Trennung die Erziehung der Kinder übernehmen. Die Belastung ist vielschichtig: Erziehung, Schule, die alleinige emotionale Verantwortung weil der Vater fehlt und, nicht zuletzt, auch die finanzielle Verantwortung.

Diesen Müttern fehlt die Zeit, Energie und Kraft für sich selbst zu tanken. Das Mütterzentrum ist ein Ort der Begegnung für alle, die einfach Kontakt suchen und in ihrer Rolle als Mutter und der damit kommenden Arbeit nicht untergehen möchten. Darüber hinaus gibt es Einrichtungen wie den Minikindergarten, die stundenweise die Kinderbetreuung übernehmen, oder Bildungsangebote, vom Computerkurs bis zum Pralinenkochkurs, die für Ablenkung vom Alltag sorgen. 

Sie sind Mutter zweier Söhne und können  die Eifersucht von Müttern auf die Freundinnen  und später die  Schwiegertöchter vielleicht verstehen. Was läuft bei solch emotionalen Prozessen ab?

Vermutlich gehören diese Prozesse zur „Abnabelung“. Die Mutter wird aus ihrer Rolle langsam verdrängt, denn die Freundin des Sohnes übernimmt ihre Nähe und Wärme. Es ist für sie sicher schwierig zu akzeptieren, dass der Sohn kein Kind mehr ist. Wenn aber die junge Freundin spürt, dass sie nicht auf Vorbehalte stößt, sondern freundlich in die Familie aufgenommen wird, kann sich Eifersucht gar nicht erst entwickeln.

Quelle: op-online.de

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