Museum sucht eine neue Heimat Annoncen von einst

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Am alten Schwesternhaus hängen viele Erinnerungen, auch wenn es nicht unter Denkmalschutz steht.

Jügesheim - (eh) Was wird aus dem Heimatmuseum im alten Schwesternhaus? Schlaflose Nächte plagen die Vorstandsmitglieder des Heimatvereins Jügesheim bei dem Gedanken, was heute in einem Jahr sein wird.

Nach dem Tod des bisherigen Vermieters Karl Baierl hat der Verein jetzt die Kündigung zum 31. März 2010 erhalten. „Die Erben haben mit dem Gebäude offenbar etwas anderes vor“, sagt Josef Herbert Spahn, der Vorsitzende des 1978 gegründeten Heimatvereins. Mit seinen Mitstreitern im Verein ist er sich einig: „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen.“ Aber wo?

Seit 1990 hat das Museum im alten Schwesternhaus ein Zuhause. Karl Baierl hatte das Gebäude im Jahr 1985 erworben, nachdem die katholische Pfarrgemeinde ins Haus der Begegnung umgezogen war. Die Abrisspläne waren damit vom Tisch. Vor dem Verkauf hatte der damalige Erste Stadtrat Wolfgang Oehlschlägel noch von einem Abriss zugunsten innerörtlicher Parkplätze gesprochen.

Mit Ausstellungen wie „Zwölf Pfarrer aus Jügesheim“ im August letzten Jahres (Foto) stößt der Heimatverein immer wieder auf großes Interesse. Nun sucht das Museum neue Räume. 

Das Jügesheimer Museum ist unter den drei Rodgauer Heimatmuseen etwas Besonderes. Es zeigt nicht nur Ortstypisches wie Omas alte Küche, das Strohflechten oder die Lederbearbeitung in der Portefeller-Werkstatt. In den Vitrinen ruhen 570 Millionen Jahre Geschichte in Form der erdgeschichtlichen Sammlung von Gerhard Lämmlein.

Der Heimatverein will mit seinem Museum alle Altersgruppen ansprechen. Ältere Menschen schwelgen in Erinnerungen und Kinder lernen etwas über das Leben ihrer Vorfahren. Für Dritt- und Viertklässler der Jügesheimer Grundschulen gehört ein Museumsbesuch zum Pflichtprogramm im Heimatkundeunterricht. Auch für Kindergartenkinder und Ferienspielgruppen öffnet sich dort ein Fenster in die Vergangenheit. Josef Spahn, seit einem Dreivierteljahr im Ruhestand, erklärt jungen Besuchern gerne die Museumsbestände: „Mir macht das Spaß.“

Neben der Dauerausstellung bemühen sich die Heimatkundler auch immer wieder um Sonderausstellungen. „Zwölf Pfarrer aus Jügesheim“ standen im Sommer letzten Jahres im Mittelpunkt. Auf großes Interesse stießen im Herbst die Fotos der vermissten und gefallenen Soldaten beider Weltkriege.

Neben ehrenamtlicher Arbeit hat der Heimatverein auch viel Geld in das Museum gesteckt. Erst vor zwei Jahren wurde der Bodenbelag auf der Bühne erneuert. Dazu musste der Verein jeden Monat 460 Euro Kaltmiete aufbringen. Den Begriff „Kaltmiete“ darf man ruhig wörtlich nehmen, denn in den letzten drei Jahren war der Saal mit dem alten Ölofen nicht mehr beheizbar.

Zeitungsanzeigen aus dem 19. Jahrhundert sind am Sonntag, 5. April, von 14 bis 18 Uhr im Heimatmuseum Jügesheim zu sehen. Karl Pohl aus Nieder-Roden hat sie zusammengestellt. Die Reklame von einst stammt unter anderem aus der Großherzoglich Hessischen Zeitung von 1832 und aus dem Darmstädter Frag- und Anzeigeblatt von 1842.

Quelle: op-online.de

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