Konzert des Musikvereins Nieder-Roden

Große Klanggemälde ausgebreitet

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Das 45-köpfige Konzertorchester des Musikvereins Nieder-Roden beim Festkonzert im Bürgerhaus: Auch zeitgenössische Werke gehören zum Repertoire.

Nieder-Roden - Abschied und Neuanfang erlebten die Besucher im Festkonzert des Musikvereins Nieder-Roden. Sowohl das Flötenorchester als auch vier Dirigenten der Jugend standen am ersten Weihnachtstag zum letzten Mal auf der Bühne des fast ausverkauften Bürgerhauses.

Der Nachwuchs bleibt ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit: Erstmals dirigierte Isabella Kohls (23) das große Konzertorchester - und Marleen Martiny (18) erhielt für ihr Solostück auf der Querflöte frenetischen Applaus. Das Orchester unter Leitung von Jürgen K. Groh führte auch diesmal zeitgenössische Kompositionen auf. Mit „Firmament“ (1995) und „Ferne Weite“ (2005) hatten sich die Musiker zwei Stücke ausgesucht, die Rolf Rudin aus Erlensee speziell für symphonische Blasorchester komponiert hat. In jeweils knapp zehn Minuten breitet sich das Himmelsgewölbe und eine weite Landschaft aus. Die Grundmelodie wird von einer Instrumentengruppe zur nächsten weitergegeben und dabei abgewandelt. Bei „Firmament“ dirigierte Isabella Kohls, die im Sommer ihren Dirigentenkurs absolviert hatte. Auch Komponist Rudin sparte nicht mit Applaus.

Mit den Filmmelodien von „Superman“ und „Star Wars“ hatte das Orchester die zweite Konzerthälfte eröffnet. Fast wie Kammermusik wirkte hingegen „Il Pastore Svizzero“, eine italienische Komposition aus dem 19. Jahrhundert. Solistin Marleen Martiny wurde von einem „ausgedünnten“ Orchester begleitet, so dass ihre Flöte stets im Vordergrund blieb. Frenetischer Applaus belohnte die Leistung der 18-Jährigen. Als zweite Solistin stand Isabella Kohls im Vordergrund. Sie spielte die Klarinetten-Soli im Benny-Goodman-Medley. Nach dem swingenden Bigband-Sound legte das Orchester den „Christmas Can-Can“ aufs Notenpult, einen rasanten Mix weihnachtlicher Melodien mit dem Can-Can von Jacques Offenbach.

Jugendorchester in der ersten Konzerthälfte

Ein Weihnachtsstück ähnlicher Machart hatte das Jugendorchester in der ersten Konzerthälfte aufgeführt: „Beethovens Fifth Christmas“ mit deutlichen Anklängen an die fünfte Symphonie. Große Klanggemälde entfaltete die Jugend mit „Dakota“ (unter Verwendung von Originalmelodien der Sioux-Indianer) und der „African Symphony“. Mit Vivaldis Largo verabschiedeten sich Steffen Reichenbach und Sebastian Früchel vom Dirigentenpult des Jugendorchesters. Ihre Nachfolger, wieder aus den eigenen Reihen, will der Verein Anfang 2013 vorstellen.

Keine Nachfolger gibt es für Sarah Schütt und Sebastian Schubert an der Spitze des Flötenorchesters. Der Verein löst die Flötengruppe auf, die seit über 50 Jahren Kinder an das Orchesterspiel herangeführt hat. Bei ihrem letzten Auftritt wuchsen die Flötenkinder noch einmal über sich hinaus. Die Bandbreite reichte von „Sister Act“ (mit Sarah Schütt im Nonnenkostüm) bis zu Leonard Cohens „Hallelujah“. Beide Stücke zählen nicht gerade zur Standardliteratur für Blockflöten.

Nach dem beruflich bedingten Abschied der Dirigenten lässt der Verein das Flötenorchester nun sterben. Aus Mangel an Nachwuchs war die Gruppe seit Jahren auf Unterstützung durch Ehemalige angewiesen. Statt der Blockflöte sind andere Instrumente gefragt, wie der Ansturm auf die „Bläserkids“ zeigt. „Es war eine unglaublich tolle Zeit mit euch“, betont Sebastian Schubert. Else Knaf vom Vorstand des Vereins möchte die Kinder in eines der anderen Orchester integrieren: „Wir wollen euch alle wiedersehen.“ J eh

Quelle: op-online.de

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