Musizieren als Menschenrecht

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Die Streicherklassen der Wilhelm-Busch-Schule sind Ergebnis einer Kooperation mit der Freien Musikschule.

Rodgau (eh) ‐ Das „Haus der Musik“ hat jetzt ein eigenes Logo. Uli Kratz, Vorsitzender der Freien Musikschule Rodgau (FMR), und Jürgen K. Groh, Dirigent des Musikvereins Nieder-Roden, stellten das neue Markenzeichen am Freitag in der Festveranstaltung zum 25. Jubiläum der FMR vor.

Beide Vereine nutzen das alte Rathaus Nieder-Rodens gemeinsam.

Das neue Logo betont diese Verbindung. Grafikdesigner Andreas Metzker hat dem „Geburtstagskind“ damit ein symbolträchtiges Geschenk gemacht. Die Zusammenarbeit mit anderen gewinnt für die Musikschule seit Jahren an Bedeutung. Zu den 15 Kooperationspartnern zählen Vereine, Schulen und neuerdings auch Kindergärten. Dass diese Kooperation Spaß macht, war am Schluss des Abends in der Aula der Georg-Büchner-Schule zu erleben: Mit den Soul-Songs „Unchain my heart“ und „I feel good“ riss eine Lehrerband die rund 50 Gäste von den Sitzen, in der Bläsersektion von Spitzenleuten dreier Musikvereine unterstützt.

Stimmgewaltig: Csongor Berz als „Joe Cocker“.

Seit ihrer Gründung am 29. Januar 1984 hat sich die Freie Musikschule laut Uli Kratz in vier Phasen entwickelt. Anfangs konnte die kleine Gruppe an Musikpädagogen in der Gartenstadtschule sich noch basisdemokratisch selbst verwalten. Binnen weniger Jahre wuchs die Musikschule auf 500 Schüler, die an 17 Standorten unterrichtet wurden: Der Verein mietete Räume in der Rathenaustraße an, stellte einen Schulleiter ein und verkleinerte den Vorstand. Schulleiter Piotr Konczewski ist jetzt seit zwölf Jahren im Amt. In der dritten Phase entwickelte sich die FMR laut Kratz zu einem „offenen, dynamischen und ganzheitlichen Organismus“. Der Umzug ins Haus der Musik legte die Grundlage für die Vernetzung mit anderen Bildungseinrichtungen. So entstanden die Bläserklassen der Geschwister-Scholl-Schule, die Bläserkids in der Georg-Büchner-Schule und die Streicherklassen der Wilhelm-Busch-Schule. Konczewski unterstützt diesen Austausch: „Davon profitieren beide Seiten.“

Solchen Bildungspartnerschaften gehört die Zukunft

Dies wurde in den drei Gesprächsrunden des Abends deutlich. „Wir müssen uns vernetzen, sonst sind wir nicht effizient“, sagte Prof. Dr. Maria Spychiger von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Musikschulen und -vereine bildeten die künftigen Studenten heran und leisteten eine wertvolle Arbeit mit den Eltern. Die Hochschule sehe sich ihrerseits in der Pflicht, in der Lehrerfortbildung Defizite aufzuholen.

Bei den Schulen mit Ganztagsangeboten sei der Landesverband der Musikschulen ein offizieller Bildungspartner des Kultusministeriums, sagte Verbandsgeschäftsführer Hans-Joachim Rieß. Auch das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ (Jeki), in Rodgau an der Gartenstadtschule erprobt, verdiene es, zum Regelangebot zu werden.

Jürgen K. Groh und Uli Kratz enthüllen das Logo.

Musik und Bildung öffnen Welten“, war das Thema des Festvortrags von Prof. Dr. Max Fuchs. Der Präsident des Deutschen Kulturrats führte in seinem Vortrag den Nachweis, dass künstlerisches Tun eine Grundlage des Menschseins sei: „Ohne die Kunst wäre der Mensch nicht zum Menschen geworden.“ Im Verteilungskampf um öffentliche Gelder hätten Musikschulen gute Karten, schließlich gelte das Menschenrecht auf kulturelle Teilhabe weltweit. Allerdings nehme es die Bundesrepublik damit nicht so genau, wie an den PISA-Ergebnissen ablesbar sei. Als Problem nannte der Festredner auch den Musikgeschmack: Bereits jetzt sei zu beobachten, dass gesellschaftliche Gruppen ihre eigenen ästhetischen Vorlieben pflegten. Im schlimmsten Fall könne der persönliche Musikgeschmack über berufliche Chancen und über den späteren Platz in der Gesellschaft entscheiden. Um dies zu verhindern, sei es wichtig, allen Kindern ein möglichst breites ästhetisches Fundament mitzugeben - gerade auch in der Musikschule.

Quelle: op-online.de

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