Mutig, laut und wild

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Sie haben gut lachen (von links): Alexander Keil, David Konczewski, Delia Hagenau und Max Konczewski haben den Kulturförderpreis der Stadt Rodgau erhalten. Musikalität, einfallsreiche Texte und die Lust am Experimentieren zeichneten die vier jungen Musiker von „Marie Wonder“ aus, würdigte Stadtrat Michael Schüßler (rechts).

Rodgau (eh) ‐ So laut, fröhlich und lustig war eine Preisverleihung schon lange nicht mehr. Die Rockband „Marie Wonder“ bekam am Mittwoch in der Aula der Büchner-Schule den Kulturförderpreis der Stadt für 2010 überreicht.

Ihre Freude war nicht zu überhören: In sieben Songs schlugen die vier jungen Musiker eine Brücke von der Klavierballade bis zum brachialen Metalrock. „Unkonventionell und mutig, wild und funky, unverschämt und laut, jung und sexy“: Diese Aussagen von Fans zitierte Klaus Schrön in seiner launigen Laudatio. Die Band hätte sich keinen besseren Redner wünschen können. Der langjährige Lehrer der Freien Musikschule Rodgau (FMR), seit 1993 Leiter des Fachbereichs Rock und Pop, kennt drei der vier Musiker seit ihren Kindertagen. Kein Wunder: Sie sind Söhne und Tochter zweier Kollegen.

Erste Band-Erfahrungen sammelten die Brüder Maximilian und David Konczewski sowie Delia Hagenau in einer „Rockwerkstatt“, einem eintägigen Schnupperkurs der Musikschule. 1999 entstand eine Band mit dem merkwürdigen Namen „Die Frechen von nebenan“. Max Konczewski spielte die Bassgitarre, ansonsten bestand die Gruppe ausschließlich aus Mädchen, unter anderem Delia Hagenau am Schlagzeug.

Klaus Schrön von der Freien Musikschule hielt eine launige Laudatio auf die Preisträger.

Zu dieser Zeit hatte Max Konczewski bereits viele Stunden Klavierunterricht bei Klaus Schrön genossen. Auch wenn der talentierte Junge nicht viel vom Notenlesen und vom Üben hielt, bezeichnet ihn sein Lehrer als einen Lieblingsschüler: „Liebenswert, witzig, cool, ganz klar in seinen Vorstellungen“ – Eigenschaften, von denen noch heute die ganze Band profitiert. Nur eines trägt Klaus Schrön seinem Schützling nach: „Wenn ein derart begabter Klavierspieler als Bassist endet, muss er sich von mir Bassistenwitze anhören.“

Delia Hagenau hingegen ist ihrem Instrument immer treu geblieben. Schon mit dreieinhalb Jahren war sie in einem Lehrvideo fürs Schlagzeuger zu sehen. Bereits in der Wiege soll sie in jeder Hand einen Schlagzeugstock gehalten haben, während Gleichaltrige noch am Daumen lutschten. Heute profitiert sie von ihrem Bonus als einzige Frau der Band: „Bei Delia reicht ein Augenaufschlag und die Jungs reißen sich darum, der Bandprinzessin das Schlagzeug zu schleppen“, erzählte Klaus Schrön. Die Rhythmusfrau ist nicht nur Prinzessin, sondern auch Profi: Bevor sie auf die Felle haut, setzt sie sich Kopfhörer auf.

Unter dem neuen Namen „No Fear“ brachten es „Die Frechen von nebenan“ bereits zu lokaler Bekanntheit. Bei den jährlichen Band-Events im „Maximal“ trafen sie auf „Terribly Nice“ mit dem Gitarristen David Konczewski. Nach weiteren Umbesetzungen stieg Alexander Keil 2006 als Sänger ein. „Marie Wonder“ war geboren.

Dass die Band nicht nur brachialen Krach produziert, liegt am Zusammentreffen dieser vier Persönlichkeiten. David Konczewski verbindet mittelalterliche Weisen mit metallischen Rock-Riffs auf der Gitarre. Alexander Keil bringt die Erfahrungen aus einer Schul-Bigband mit. Zwei Mal hat David Konczewski den Begabtenförderpreis der Freien Musikschule Rodgau erhalten, außerdem gewann der Gitarrist und Songschreiber 2010 einen Talentwettbewerb der Sparkasse.

Im Nachhinein sagt man leicht: „Es musste ja so kommen.“ Drei Viertel der Bandmitglieder wurde von Lehrern der Freien Musikschule gezeugt. „Sie hatten nach kurzer Schonzeit zusammen 31 Jahre Unterricht“, wie Klaus Schön anmerkte.

Nach 70 Konzerten und dem zweiten Preis bei einem regionalen Band-Wettbewerb tritt „Marie Wonder“ demnächst in der Frankfurter „Batschkapp“ auf. Eine CD mit dem Titel „Kasino Fatal“ ist geplant. Der mit 2200 Euro dotierte Kulturförderpreis der Stadt Rodgau soll die weitere Karriere fördern. Festredner Klaus Schrön wünschte den vier jungen Musikern, dass sie einmal von ihrer Musik leben können. Einen konkreten Nutzen habe die Auszeichnung schon jetzt: „Ihr habt von heute an das verbriefte Recht, jeden, der sich über eure Lautstärke beschwert, als Kulturfeind zu brandmarken. Davon können andere Rockbands nur träumen.“

Quelle: op-online.de

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