Mysteriöser Fall

Nach Leichenfund: Todesursache bleibt ein Rätsel

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Der Fundort zeigt sich im ersten zarten Grün des Frühlings. Die Hintergründe des Falls liegen im Dunkeln.

Hainhausen – Die sterblichen Überreste eines Mannes im Wäldchen zwischen Hainhausen und Rembrücken geben den Ermittlern nach wie vor Rätsel auf. Der 45-Jährige aus Bad Nauheim war Anfang November gefunden worden. Von Ekkehard Wolf

Ein Vierteljahr später kennt die Staatsanwaltschaft noch nicht einmal die Todesursache. „Wir können nicht sagen, ob der Tod natürlich eingetreten ist oder durch Fremdverschulden“, sagt Thomas Hauburger von der Staatsanwaltschaft Gießen: „Das Hauptproblem des Falles ist, dass wir keine eindeutigen rechtsmedizinischen Ergebnisse haben.“ Der Tote hatte drei Monate lang im Wald gelegen. Der extrem heiße Sommer beschleunigte die Verwesung. An dem skelettierten Leichnam ließ sich bei der Obduktion nicht mehr feststellen, wie der Mann zu Tode kam.

Toxikologische Untersuchungen ergaben ebenfalls keinen Hinweis auf eine mögliche Straftat. Dabei wurden Körpergewebe und Proben des Waldbodens analysiert. Die Ermittler suchten nicht nur nach den gängigen Drogen und Giften, sondern auch nach Schwermetallen – „Untersuchungen, die nur wenige Institute machen können“, so Hauburger. Man habe „alles getan, was ermittlungsmäßig möglich ist“.

Ein ungewöhnlicher Vorgang hatte den Fall ins Rollen gebracht. Ein 45-jähriger Mann aus Rockenberg (Wetterau) war von sich aus zur Polizei gegangen und hatte ausgesagt, er habe im August zusammen mit seiner Ex-Ehefrau (39) deren toten Ehemann im Wald verscharrt. Er führte die Beamten an die Stelle im Wäldchen „Im Birkig“. Der Leichnam – vielmehr das, was davon noch übrig war – lag etwa zehn Meter vom Waldrand entfernt und war nicht mit Erde bedeckt. Der 45-Jährige sagte, er sei von einer natürlichen Todesursache ausgegangen.

Polizei steht vor Rätsel

Warum wurde der Tote aber dann in den Wald gelegt? „Von der Beschuldigten selbst gibt es keine klare Äußerung“, berichtet Staatsanwalt Hauburger. Der 45-Jährige habe ihr nach eigener Aussage lediglich geholfen, weil er sich als ehemaliger Ehemann dazu verpflichtet fühlte. Er sei in der Gegend um Rodgau und Heusenstamm schon beruflich unterwegs gewesen. Die genaue Ablagestelle sei jedoch „ein Zufallsort“.

In den Handys der Beteiligten und in einem beschlagnahmten Computer suchten die Ermittler nach Spuren einer auffälligen Kommunikation. Auch hier: Fehlanzeige. Erfolglos blieb auch die Suche nach der Uhr des Toten und anderen persönlichen Gegenständen. Polizeitaucher hatten deswegen die beiden Schlossweiher in Heusenstamm durchkämmt.

Frau soll Ex-Mann misshandelt haben

Die Staatsanwaltschaft Gießen versucht nun, die Krankengeschichte des Verstorbenen zu rekonstruieren. Dazu wertet sie umfangreiche Unterlagen aus. Außerdem werden weitere Zeugen befragt: Sie sollen sagen, wie sich der Gesundheitszustand des Mannes aus Bad Nauheim in den letzten Monaten seines Lebens entwickelt hat.

Sollten auch diese Ermittlungen keinen Hinweis auf eine Straftat ergeben, bleibt der Staatsanwaltschaft bald nichts anderes mehr übrig, als die Akten zu schließen. Pressesprecher Thomas Hauburger: „In einem Strafverfahren ist es ein sehr großes Problem, wenn man die Todesursache nicht kennt.“

Die Witwe des Verstorbenen sitzt seit drei Monaten in Untersuchungshaft. Das hat aber nichts mit dem Todesfall zu tun, sondern mit einem anderen Aspekt dieses ungewöhnlichen Falls: Sie soll ihren Ex-Ehemann mehrmals misshandelt haben.

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Quelle: op-online.de

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