Nach Umbau kein Tempo 30 mehr?

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Seit Jahren in schlechtem Zustand: Seit es die Südtrasse gibt, muss die Wilhelm-Leuschner-Straße eine Verkehrslast aushalten, für die sie nicht gebaut ist. Fast 5 000 Fahrzeuge täglich ergab die jüngste Zählung am Ende der Ferienzeit. Auch künftig sollen sich Radfahrer und Autos die Fahrbahn teilen. Die städtischen Planer schlagen vor, die so genannten „Schutzstreifen“ dann rot zu markieren.

Hainhausen (eh) - Zum Leidwesen vieler Anwohner bleibt die Wilhelm-Leuschner-Straße auch weiterhin für den Durchgangsverkehr offen.

In einem Informationsabend am Mittwoch machten Bürgermeister Jürgen Hoffmann und Stadtrat Michael Schüßler deutlich, dass eine reine Anliegerstraße weder erwünscht noch bezahlbar sei. In den Diskussionsbeiträgen der rund 45 Bürger kochten die Emotionen hoch.

Seit Jahren ist die Straße sanierungsreif, nur über das „Wie“ scheiden sich die Geister. Nach einem Gespräch mit Anwohnern im März hatten Planer der Stadt Rodgau mehrere Varianten entworfen. Heiko Freckmann vom Fachbereich Stadtplanung und Umwelt stellte drei von ihnen vor.

Innere Barriere eines Autofahrers

Sechs Meter breite Fahrbahn, keine Fahrradspuren auf der Straße, Parkplätze abwechselnd links und rechts und ein Gehweg vor den Häusern, so könnte Variante 2 aussehen.

Mehr Platz braucht die zweite Variante mit breiterer Fahrbahn, breitem Gehweg und einem kombinierten Geh- und Radweg an der Ostseite. Für den Bau sind zwei Meter Rodau-Aue notwendig. Heiko Freckmann: „Ob wir das genehmigt bekommen, weiß ich nicht.“

Als „Gedankenspiel“ bezeichnete der Planer die dritte Variante, die eine Trennung von Durchgangs- und Anliegerverkehr vorsieht - also zwei Straßen nebeneinander mit einer Lärmschutzwand dazwischen.

Da es sich um erste Entwürfe handelt, lassen sich die Baukosten nur grob schätzen. Als Größenordnung nannte Freckmann 650.000, 750.000 und 1,6 Millionen Euro für die Varianten eins bis drei.

Erwin Kneißl dankte im Namen der „Initiative anwohnergerechte Verkehrslenkung Hainhausen“, dass der Magistrat die Anregungen vom März aufgegriffen habe: „Wir sind einen großen Schritt weiter als in den vergangenen Jahren.“ Durch eine viel zu hohe Verkehrsbelastung seien gravierende Schäden entstanden: „Jetzt sollten die Interessen der Anlieger berücksichtigt werden und nicht die Interessen des Durchgangsverkehrs.“

Zu den überbreiten Fahrbahnen der 60-er Jahre wolle man nicht zurückkehren, erklärte Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD): „Unser Planungsauftrag war, die Straße so zu gestalten, dass sie nicht mehr zum Schnellfahren einlädt.“ Zwischenruf eines Anwohners: „Das wird seit 40 Jahren erfolglos versucht.“

Eine rasche Verbesserung des desolaten Zustands lässt sich laut Stadtrat Michael Schüßler (FDP) am ehesten damit erreichen, dass man bei 13 Metern Breite bleibt, alle Gruppen an Verkehrsteilnehmern berücksichtigt und die Förderrichtlinien des Landes einhält.

Ortsvorsteherin Heike Hoffmann (SPD), die als Anwohnerin selbst betroffen ist, hielt dagegen: „Wenn wir im Förderprogramm sind, dann haben wir Tempo 50 und kein Rechts-vor-links mehr. Dann fahren die Froschhäuser, die Hainburger, die Lämmerspieler nach Dietzenbach und Langen und überall hin. Wenn die Straße ausgebaut wird, dann wollen wir, dass sie möglichst unkomfortabel ist, möglichst mit Tempo 30. Wir haben jetzt schon 5 000 Fahrzeuge am Tag, es sollen nicht 6 000 oder 7 000 werden.“ Schüßler räumte ein, dass Tempo 30 in den Richtlinien nicht vorgesehen sei. Die Stadt müsse versuchen, solche „Zugeständnisse“ in Wiesbaden durchzusetzen.

„Keine zusätzlichen Parkplätze“

Die Anwohner der Wilhelm-Leuschner-Straße sind laut Schüßler mit ihren Nöten nicht allein. In Rodgau gebe es etliche Straßen, die als Nord-Süd- oder West-Ost-Verbindung bedeutsam seien. Vergleichbar belastet seien die Frankfurter Straße in Nieder-Roden, die Mainzer Straße in Dudenhofen und ein Stück Eisenbahnstraße in Jügesheim. Mit einer Verkehrsberuhigung durch „Hindernisse“ habe man schlechte Erfahrungen gemacht.

Die dritte Variante sieht die Trennung von Anlieger- und Durchgangsverkehr vor. Dazwischen soll eine Lärmschutzwand stehen.

Die Hoffnung auf mehr Parkplätze am Straßenrand konnte Planer Freckmann nicht erfüllen. „Durch unsere Planung wird Ihnen kein Parkplatz weggenommen“, betonte er: „Wir können im Straßenraum keine zusätzlichen Parkplätze unterbringen, wenn wir die Förderrichtlinien erfüllen wollen. Und ohne Zuschüsse ist ein Umbau dieser Straße nicht möglich.“

Die einfachste Lösung ähnelt der bisherigen Gestaltung der Straße. Größter Unterschied: Die so genannten „Schutzstreifen“ links und rechts der Fahrbahn, bisher mit weißen Linien markiert, sollen künftig rot sein. Sie sind für Fahrradfahrer vorgesehen, können bei Gegenverkehr aber auch von Bussen genutzt werden. Den Vorteil der Farbe formuliert Freckmann so: „Es ist für Autofahrer eine innere Barriere, da drüberzufahren.“

Quelle: op-online.de

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