Grenze des Ehrenamts erreicht

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Jutta Dahinten.

Rodgau (eh) - Ehrenamtliche organisieren an vielen Schulen das Mittagessen und die Nachmittagsbetreuung der Kinder. Der Förderverein der Freiherr-vom-Stein-Schule in Rodgau tut das bereits seit 1993.

Die Vorsitzende des Vereins, Jutta Dahinten, spricht im Interview über das boomende Angebot und die Grenzen des Ehrenamts.

Seit Jahren steigt die Nachfrage nach Betreuungsplätzen an den Grundschulen. Warum?

Da gibt es mehrere Gründe: Zum Einen müssen/wollen die Mütter schnell wieder in den Beruf und zum Anderen gehen sehr viele Mütter schon während der Kindergartenzeit wieder arbeiten und möchten das natürlich nach der Einschulung ihrer Kinder auch weiterhin tun.

Was erwarten Kinder und Eltern von der Betreuung?

Eltern wollen ihre Kinder gut versorgt wissen. Sie wollen, dass ihre Kinder sich wohlfühlen und von qualifizierten Personal betreut werden. Die Kinder wollen bei uns in kindgerechter Umgebung Spaß haben und mit ihren Freunden spielen.

Wie sieht es an Ihrer Schule aus: Kann das Angebot diese Erwartungen erfüllen?

Ich denke ja. In unserer pädagogischen Betreuung legen wir Wert darauf, dass wir keine „Aufbewahrungsstätte“ sind. Die Gruppenräume sind liebevoll eingerichtet. Wir haben einen „Girlsclub“ und eine Werkstatt, in der die Jungs sich handwerklich austoben können. Neben offenen Nachmittagsangeboten, die jeder Schüler wahrnehmen kann, bieten wir auch Projekte in den Gruppen an. Außerdem sind wir eine der wenigen Schulen, in denen noch selbst gekocht wird.

Ihr Förderverein beschäftigt 30 Mitarbeiterinnen und betreut rund 160 Kinder. Tendenz steigend. Wie viel Arbeit bedeutet das für den Vorstand?

Die Grenzen des Ehrenamts sind erreicht, wenn nicht sogar überschritten. Es handelt sich bei unserem Förderverein inzwischen um ein mittelständisches Unternehmen, das sich nicht so nebenbei nach Feierabend leiten lässt. Aus diesem Grund wollen wir eine Teilzeitstelle schaffen, die uns Verwaltungstätigkeiten abnimmt und den Vorstand entlastet.

Ist die Betreuung an Grundschulen in der derzeitigen Form tragfähig für die Zukunft? Oder gibt es bessere Formen?

Die Fördervereine wurden seinerzeit als Übergangslösung geschaffen. Es hat sich keiner träumen lassen, dass das Ganze eine solche Dimension erreicht. Meine Meinung ist, dass wir flächendeckend Ganztagsschulen benötigen. Das bedeutet, dass der Schulträger mit Lehrern und pädagogischen Betreuern den ganzen Tag abdeckt und nicht auf die Mithilfe eines Fördervereins angewiesen ist.

Quelle: op-online.de

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