Nachteile für Migranten in der Schule

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Prof. Horst Weishaupt stellte den ersten Rodgauer Bildungsbericht vor.

Rodgau (eh) ‐ Kinder und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln haben in Rodgau geringere Chancen auf einen guten Schulabschluss. Das ist eine zentrale Aussage im ersten Bildungsbericht der Stadt Rodgau, den Prof. Horst Weishaupt am Mittwoch im Sozial- und Kulturausschuss vorstellte.

Der Wissenschaftler vom Deutschen Institut für internationale pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt war auch einer der Autoren des „Bildungsberichts Deutschland 2010“. Der rund 70 Seiten umfassende Bericht ist eine erste große Bestandsaufnahme der Bildungslandschaft in Rodgau. Er soll die Datenbasis für politische Entscheidungen liefern: Was will die Stadt für bessere Bildung tun?

„Die wesentlichen Ziele, die wir 2008 im kommunalen Handlungsplan festgelegt hatten, haben wir erreicht“, sagte Stadtrat Michael Schüßler (FDP) am Mittwoch. Die Stadt habe viele Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen, den Anteil der Tagesstättenplätze von 30 auf 55 Prozent gesteigert und die Öffentlichkeit für das Thema Bildung sensibilisiert.

Einfluss der Stadt ist begrenzt

Nun steht Rodgau vor neuen Aufgaben. Aber die soll das neue Stadtparlament nach der Wahl am 27. März festlegen. Vorschläge will Schüßler in der ersten Sitzung unterbreiten.

Als „bemerkenswert“ bezeichnete Weishaupt, „dass eine vergleichsweise kleine Stadt sich dazu entschlossen hat, einen eigenen Bildungsbericht vorzulegen“. Die Einflussmöglichkeiten der Kommune seien begrenzt, weil der Kreis Offenbach für die Schulen zuständig sei.

Verstärkte Schulsozialarbeit ist eine Chance

Dennoch kann die Stadt einiges tun, um die Chancen für benachteiligte Gruppen zu verbessern. Als Beispiele nennt der DIPF-Bericht eine verstärkte Schulsozialarbeit und Hausaufgabenbetreuung. Besonders für Schulabgänger mit ausländischen Wurzeln sei es wichtig, Ausbildungsplätze am Ort zu finden.

Den Bildungsbericht veröffentlicht die Stadt Rodgau auf folgender Internetseite.

Auch den Bildungsauftrag der Volkshochschule (VHS) Rodgau wollen die Wissenschaftler auf den Prüfstand stellen. Die Auswertung habe gezeigt, dass Rodgauer Bürger bei berufsbezogenen Angeboten oft auf andere Volkshochschulen der Region angewiesen seien. VHS-Kurse im Sektor „Grundbildung und Schulabschlüsse“ gebe es in Rodgau gar nicht.

Daten und Fakten:

  • 64,5 % der Haupt- und 39,1 % der Realschüler in Rodgau stammten im Schuljahr 2009/10 aus Einwandererfamilien. Nur 10,6 % der Oberstufenschüler hatten einen Migrationshintergrund.
  • Unter den Sitzenbleibern waren mehr Schüler mit ausländischen Wurzeln, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.
  • Jeder zweite Schüler mit Migrationshintergrund (49,3 %) absolvierte die Realschule, 31,5 % erhielten den Hauptschulabschluss. Nur 9,6 % machten Abitur, ebenfalls 9,6 % beendeten ihre Schulzeit ohne Abschluss.

Quelle: op-online.de

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