Nachtruhe für alle

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An den Informationstafeln im Bürgerhausfoyer entzündeten sich Diskussionen.

Rodgau ‐ Mit eigenen Messstellen will die Stadt Rodgau die Lärmbelastung ermitteln. Dies kündigte Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Donnerstag beim städtischen Informationsabend zum Fluglärm an. Von Ekkehard Wolf

Derzeit suche man nach geeigneten Standorten. Hoffmann bekräftigte die Forderung nach einem Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr früh.

Bei der Frage, wie viel Lärm den Menschen zumutbar ist, darf der Fluglärm nach Auffassung des Akustik-Sachverständigen Dr. Dietrich Kühner nicht isoliert betrachtet werden. Selbst im Rodgauer Wald herrsche ein Dauerschallpegel zwischen 30 und 45 Dezibel (dB), je nach Entfernung zur Autobahn. „Es ist nicht akzeptabel, wenn man die Flugrouten ändert und in einem anderen Gebiet die Belastung erhöht“, sagte Kühner unter dem Beifall der rund 120 Zuhörer im Bürgerhaus Dudenhofen.

„Warum hört man die Bürger nicht an?“

Die Verteilung des Lärms auf eine größere Fläche habe mit Schallschutz wenig zu tun, kritisierte Rechtsanwalt Thomas Mehler, der die Stadt vertritt. „Sie werden knapp außerhalb des Bereiches sein, in dem der Gesetzgeber von Unzumutbarkeit spricht“, kündigte er den Rodgauer Bürgern an. Vom Flughafenausbau seien nun auch Städte betroffen, die am Planfeststellungsverfahren nicht beteiligt wurden. Dies verletzte Verfahrensrechte: „Warum hört man die Bürger nicht an? Warum hat man solche Angst davor, dass sie ihre Betroffenheit äußern?“

Der Dialog über den Flugbetrieb sei wichtig, betonte Prof. Johann-Dietrich Wörner vom Forum Flughafen und Region. Gemeinsam mit Günter Lanz stellte er die Vorschläge zum „aktiven Schallschutz“ vor, die technische und organisatorische Dinge kombinieren. Nur das Paket aller sieben Maßnahmen stehe zur Debatte.

Für eine sachliche Aufklärung eingesetzt

Die Bürgerinitiative „Anflug mit Ruhe“ sieht das anders. Zu einzelnen Punkten wie dem segmentierten Anflugverfahren gebe es Alternativen, legte Dr. Tobias Taetzner dar. Nur eines sei alternativlos: „Nachtruhe für alle.“

Der Magistrat werde am Ball bleiben, versprach Bürgermeister Hoffmann nach zweieinhalb informativen Stunden: „Wir haben uns für eine sachliche Aufklärung eingesetzt, um uns allen zu unserem Recht zu verhelfen, das uns bisher versagt wurde.“ Der Ballungsraum müsse bei diesem Thema zusammenhalten. Hoffmann: „Ich hoffe, dass bei der Landesregierung die Einsicht wächst, dass man Ziele wohl durchsetzen kann, aber nicht gegen den Willen der Bevölkerung.“

Die CDU Weiskirchen hatte sich bereits am Montag in „Weiskircher Gespräch“ über Fluglärm diskutiert.

Quelle: op-online.de

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