Närrische Tour durch Frankreich

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Was wäre Frankreich ohne die Tour de France? Da fehlte auch die ärztliche Unterstützung nicht.

Nieder-Roden ‐ Es gab zwar Kreppel un‘ hessisch Gebabbel drunten im Saal des Bürgerhauses Nieder-Roden, aber ansonsten waren die fast ausschließlich weiblichen Gäste beim Nieder-Röder Kreppelkaffee fest in französischer Hand. Von Christine Ziesecke

Zwischen überdimensionalen Trauben, Hunderten blau-weiß-roter Fähnchen, Ortsschildern und riesigen Tricoloren residierte mit echt französischem Chic Madame Nathalie de France (alias Sander) mit ihrem Elferrat, auf deren Hüten Baguettes und Camembert, Farbpaletten und Peugeots, Gauloises und Croissants thronten. Und sie hielt es durch: mit wenigen Nirrerourer Sprachfehlern schaffte sie die Moderation durch den über vierstündigen Abend in perfektem nasal frankophonem Akzent.

Die Schneiderinnen Else Ries und Andrea Stenzel hatten ebenso wie Bühnenbildnerin Yvonne Rebmann ihr Allerbestes gegeben und eine zauberhafte Ausstattung geschaffen, in der sich die Akteure einfach französisch fühlen mussten. Das Protokoll verlas Napoléon Bonaparte alias Bettina Hartmann mit ganz viel Nieder-Röder Lokalkolorit, aber ganz wenigen Politspitzen und dafür viel Optimismus, denn „Hoff-mann fängt wie Hoff-nung an!“

Ratatouille darf in einer deutsch-französischen Fastnachtssitzung nicht fehlen - frisch aufgetischt von Nathalie Sander.

Ilka Walter berichtete vom Elend beim Neubau eines intelligenten Hauses, und die Jägerin Katja Spahn erzählte Intimes aus dem tiefen dunklen Wald. Auf Schusters Rappen oder besser zu Fuß und mit dem Kamel waren Sabine Follmann und Rita Pfeiffer von Nieder-Roden geradewegs in die Wüste unterwegs, und Maria Schultheis schilderte herzerfrischend, was sie als Geburtstagsjubilarin so durchgemacht hat.

Staatspräsident Sarkozy samt Ehefrau auf der Bühne

Musikalisch sorgte neben dem Mann am Keyboard das „Animateur-Ensemble“ der Gesangsgruppe um das Akkordeonduo Franziska Keller und Christine Biestmann für französisches Flair, während die Tanzgruppe Jenny Weiland, Carina Caps, Linda Reinke, Christin Fenkl, Christine Specht, Alisa Rebmann und Sabrina Thiel ausgesprochen sexy ins „Moulin Rouge“ entführte. Das absolute Highlight vor der für die oft vielfach beschäftigten Bühnenakteure notwendigen Pause waren aber die „Buntgemischten“ - ein Tanz in bunten völlig verschlossenen Stoffsäcken, ungemein ausdrucksstark und bewundernswert vielfältig in seiner Ausdruckskraft - leider nicht zu beschreiben, sondern nur live zu genießen! Gisela Reinke, Gabi Reichenbach, Christel Matzka, Sabine Follmann, Kristin Follmann, Steffi Swoboda, Rita Pfeiffer und Birgit Stowasser hatten ihre Orden wahrlich verdient.

Ein geniales Schauspiel, bei dem die Zuschauerinnen die Luft anhielten und die Tänzerinnen ins Schwitzen kamen: „die Buntgemischte“ in ihren Säcken.

Auch die Clochards, die sich mit Einkaufswagen und leeren Flaschen bewaffnet unters Volk trauten, ernteten reichen Beifall - vor allem, als sie mit „Thriller“ in einer herzerfrischenden Hommage an Michael Jackson endeten. Nach Irrwegen durch die ganze Welt waren schließlich die beiden Clowns Britta Kockmann und Steffi Swoboda wieder zusammengekommen, während „die beiden alten Schachteln“ Anja Werner und Bettina Hartmann sich in Bayreuth den „Ring, der nie gelungen“ gönnten und entsprechend kommentierten.

Miriam Hoffmann, Michaela Kühn, Petra Neiß und Isabelle Staudt tanzten in einer zauberhaften Spiegel-Nummer einen mitreißenden Can Can, ehe das große Finale Frankreich mitten in Nieder-Roden auferstehen ließ: Tanja Knaf und Jenny Keller führten als Quasimodo und Esmeralda durch das bunte Treiben, ins Euro-Disney, in die Weinberge der Champagne mit fröhlicher musikalischer Weinlese, ins pittoreske Malerviertel oder in die Küche, in der von Ratte Nathalie das berühmte Ratatouille gekocht wurde. Melanie Wörner und Alisa Rebmann sangen live ein französisches Medley, und Nieder-Röder Fahrer kamen bei der Tour de France an und wurden gleich gedopt, ehe zu guter Letzt Staatspräsident Sarkozy mit Ehefrau Carla Bruni zu den Klängen der Marseillaise auf die Bühne schritten. Wie immer fließt der Erlös der Veranstaltung karitativen Zwecken zu.

Quelle: op-online.de

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