Nahkampf an der Pauke

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Wenig später gingen Rainer Fenchel und Inge Resch (als Dirigent) beim Sketch „Die Orchesterprobe“ in den Nahkampf. Was die beiden anstellten, war Komik pur. Die Gäste spendeten langen Applaus.

Dudenhofen ‐ Schon 100 Jahre alt, aber kein bisschen verkrustet und antiquiert - so präsentierte flott sich der Musikverein Dudenhofen bei seinem Ball mit akademischer Feier zum 100. Geburtstag im Bürgerhaus Dudenhofen. Von Bernhard Pelka

Die geladenen Gäste erlebten nicht etwa lähmende Vorträge und stundenlange Monologe, sondern ein jugendlich-frisches Programm mit komprimierten Informationen, den so wichtigen Ehrungen, einem umwerfend komischen Sketch nach Karl Valentin - und viel Tanz und Musik. So ließ es sich zur gewohnt schwungvollen Moderation von Heinz Karnbach schwungvoll feiern. Im Zentrum des Abends und der Blicke des Publikums standen zunächst die acht attraktiven Festdamen in ihren festlichen Ballkleidern - vorneweg die Chefin und Ehrendame Svenja Löber. Sie hielt den Prolog und stimmte auf den unterhaltsamen Abend ein, der ganz bewusst auf quälend lange Rückblicke verzichtete. Leider konnten der Erste Vorsitzende Harald Deichmann und seine Ehefrau, die überraschend ins Krankenhaus musste, nicht daran teilnehmen. Schirmherrin Hildegard Ripper richtete in ihrer kurzen Ansprache auch namens des Publikums ausdrücklich die besten Genesungswünsche aus.

Von der Stadt Rodgau überbrachte die Dezernentin eine 500-Euro-Spende zur Förderung der Musikjugend im Verein. Rippers Schirmherrschaftskollege Karl-Heinz Kühnle war sicher, dass der gelungene Festauftakt auch den eigentlichen Festtagen im Mai zu Pfingsten „einen Schub geben werde“. Der Dudenhöfer Ortsvorsteher dankte allen Helfern und Sponsoren.

„Hervorragende Bereicherung“

Auch der künftige Bürgermeister Jürgen Hoffmann lobte, nun sei „der Grundstein für ein fabelhaftes Festwochenende gelegt“. Landrat Oliver Quilling bezeichnete das Geburtstagskind als „hervorragende Bereicherung“. Die 160 Musik- und Gesangvereine im Kreis Offenbach machten das „kulturelle Leben zu einem Aushängeschild“.

Ehrendame Svenja Löber hielt den Prolog.

Für die IGEMO überbrachte Werner Seib nicht nur gute Worte und Grüße, sondern auch die Fest-Zuwendungen von zehn befreundeten Vereinen. Die Laudatio war Ute Frank vorbehalten. Sie verlas in Vertretung von Manfred Meyer, dem angesehen Rodgauer Musikkritiker unserer Zeitung, dessen Text. Meyer selbst war verhindert, aber er erhob gleichsam aus der Ferne das symphonische Blasorchester des Musikvereins zum „Klassenprimus“ und „Zugpferd für Blasmusikvereine der Umgebung“. Taktgeber des Ganzen sei Rainer Fenchel, Trompeter, Flügelhornist und Dirigent - ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. „Das Tutti ist der Star.“ Meyer fand für Fenchels musikalisches Schaffen ein Wortbild aus der Fußballersprache. Der Dirigent forme Stürmer und Defensivspieler zu einer homogenen, schlagkräftigen Einheit. Er mache aus seinem Kader „eine Art Rodgauer Nationalmannschaft und das Bayern München der hiesigen Blasmusikliga.“

Weitere Erfolgsgaranten für die überregionale Bekanntheit und die hohe Qualität des Klangkörpers seien Hornist und Tubist Thomas Sonnen, der Vorsitzende und Bassposaunist Harald Deichmann sowie Moderator Heinz Karnbach, „der König der Konzertmoderation und Kulenkampff Rodgaus“. Ein stimmiges Paket eben.

Dass der Mann am Dirigentenpult auch humoristisches Talent hat, erlebten die Gäste später in 20 urkomischen Minuten. Nach einer Vorlage von Karl Valentin spielten Fenchel, Inge Resch (als Dirigentin) und Trompeter Ralf Knöpp (und natürlich das Gesamtensemble) den Sketch „Die Orchesterprobe“. Was Fenchel in seiner Rolle als widerspenstiges Orchestermitglied so alles anrichtete, war haarsträubend komisch.

Keine 100-Jahrfeier ohne Ehrungen. Für sie war der Vorsitzende des Bezirksmusikverbandes Darmstadt-Süd, Albert Gröger, zuständig. Als ehemals aktiver Schlagzeuger im Musikverein Nieder-Roden attestierte er dem Geburtstagskind, das regelmäßig an Bundes- und EU-Wettbewerben teilnimmt: „Ihr habt stets die Nase vorn.“

Gröger überreichte namens des Hessischen Musikverbandes Ehrennadeln und Urkunden an drei Säulen des Vereins: Gerhard Kratz (50 Jahre Mitglied), Willi Kratz und Heinz Walter (jeweils 40 Jahre Mitgliedschaft).

Quelle: op-online.de

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