Naturschützer gegen Kiesgrube

+
Zur Erweiterung des Sand- und Kiestagebaus am Badesee ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Der Naturschutzbund (Nabu) Rodgau wendet sich gegen jegliche Erweiterung der Kiesgrube am Heusenstammer Weg.

Nieder-Roden ‐ Zur Erweiterung des Sand- und Kiestagebaus am Badesee ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Der Naturschutzbund (Nabu) Rodgau wendet sich gegen jegliche Erweiterung der Kiesgrube am Heusenstammer Weg. Von Ekkehard Wolf

Die Bedenken und Anregungen werden am 23. Februar erörtert. Dazu kommt die Bergaufsicht des Regierungspräsidiums (RP) nach Rodgau. Auch die Obere Naturschutzbehörde trägt dann ihre Argumente vor. Die Stellungnahme der Naturschützer im Genehmigungsverfahren ist nach eigenen Angaben die einzige aus Rodgau. Die Stadt Rodgau hatte zunächst eine Fristverlängerung beantragt, aber dann doch keine Stellungnahme abgegeben, weil kein Beschlussvorschlag eine Mehrheit fand. Die Regionalversammlung akzeptierte daraufhin im Dezember den Antrag des Kiesunternehmens. Erfolglos versuchten Rodgauer Sozialdemokraten, die Mehrheit umzustimmen. Die SPD Rodgau wollte nur eine Erweiterung um zehn Hektar akzeptieren, setzte sich aber damit nicht durch.

Die Firma Kaspar Weiss GmbH & Co. KG (Goldbach) will den Abbau von Quarzsand und -kies um 23,69 Hektar ausdehnen. Das bedeutet fast eine Verdopplung der Fläche. Bisher ist der Rodgau-See 26,3 Hektar groß. Nach Angaben des Unternehmens reicht der bisher genehmigte Tagebau noch für sechs bis acht Jahre. Mit einer Erweiterung nach Norden und Nordwesten könnte das Kieswerk etwa 40 Jahre länger arbeiten - je nach Baukonjunktur. Der Sand soll bis zu 37 Meter tief ausgebaggert werden.

Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt befürchtet

An diesem Punkt setzt der Naturschutzbund an. Er wirft dem Kiesunternehmen und dessen Vorgängerin (Firma Schüttler) eine Salamitaktik vor: „Mit der Genehmigung zur Tiefentsandung im Jahre 1989 ist allgemein davon ausgegangen worden, dass damit weitere Expansionen in der Fläche unterbleiben. Dennoch legt die Firma Weiss regelmäßig alle zehn Jahre neue Anträge auf Erweiterungen vor. So zuletzt auch im Jahre 1999.“

„Immer wenn die Jahreszahl mit einer 9 endet, ist das Thema bei denen auf Wiedervorlage“, sagt Edgar Krausch, Vize-Vorsitzender des Nabu Rodgau. Als Stadtverordneter und ehrenamtlicher Stadtrat der SPD hatte er früher mehrfach mit solchen Genehmigungsverfahren zu tun.

Mit zehn Punkten wenden sich die Naturschützer gegen das Vorhaben. Sie befürchten erhebliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt durch den dauerhaften Verlust an Lebensraum in Wald und Feld. Der Naturschutzbund verzichtet darauf, einzelne Arten zu nennen: „Alle hier einheimischen Vogelarten stehen nach Bundesnaturschutzverordnung unter besonderem Schutz oder stehen teilweise auf der Roten Liste.“ Auch die Lebensqualität der Menschen ist dem Verein ein Anliegen: Der Wald westlich des Heusenstammer Wegs halte den Verkehrslärm der Kreisquerverbindung ab und sei gleichzeitig für die Naherholung wichtig. Eine Ersatzaufforstung im Kreis Groß-Gerau bringe den Bürgern in Nieder-Roden nichts.

Erörterungstermin für 23. Februar geplant

Der Naturschutzbund Rodgau weist auch darauf hin, dass eine Kies- und Sandgewinnung in Trinkwasserschutzgebieten grundsätzlich unerwünscht sei. Die Erweiterungsfläche liege in der Gewässerschutzzone III. Zudem gebe es im Rhein-Main-Gebiet ein Überangebot an Baurohstoffen: „Der Markt für Sand und Kies ist übersättigt.“ Es sei ein Irrtum, im Namen der Wirtschaftsförderung immer neue Abbauflächen aus zu wei sen. Dies habe die Genehmigung für die Firma Braas in Heusenstamm vor wenigen Jahren gezeigt: „Kaum war die Genehmigung erteilt, wurde die Firma verkauft und die Leute entlassen.“

Beim Erörterungstermin am 23. Februar wird sich herausstellen, ob diese Argumente die Bergaufsicht überzeugen. Noch sei alles offen, sagt RP-Pressesprecher Gerhard Müller. Mit einer Entscheidung sei aber nicht am gleichen Tag zu rechnen.

Quelle: op-online.de

Kommentare