Gut gemeinte Aktionen werfen Fragen auf

Naturschutz in Rodgau falsch umgesetzt

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Jetzt ist die Aussicht hier ja noch ganz schön. Aber wer hier sitzt, hat quasi ein Brett vorm Kopf. Die Bank am Finkensee in Jügesheim steht in Blickrichtung Bäume. Sobald dann im Frühjahr das jetzt gemähte Schilf wieder wächst und so hoch steht wie am Ufer gegenüber, sehen Besucher vom malerischen See gar nichts mehr.

Rodgau - Sitzplätze mit fragwürdigem Ausblick, radikal gemähte Freiflächen, falsch gebaute Insektenhotels, die ausgerechnet der Naturschutzbund Nabu gebastelt hat: In Rodgaus Natur gibt es viele Beispiele für Aktionen nach der Devise: Gut gemeint, aber schlecht gemacht. Von Bernhard Pelka 

Fall 1: Der Finkensee genau zwischen Jügesheim und Hainhausen ist ein Idyll – wäre da nicht der viele Dreck, den Umweltferkel hinterlassen. Die Stadt wollte Spaziergängern dort etwas Gutes tun und stellte zwei Bänke auf. Eine davon wurde auf der Suche nach dem richtigen Standort bereits mehrfach umgesetzt. Jetzt steht sie am Spazierweg, der entlang dem Gewässer führt. Die zweite Bank aber steht nahe dem Ufer ausgerechnet in Blickrichtung auf die Bäume. Wer auf der Bank ein bisschen nach rechts oder links rückt, hat also quasi ein Brett vorm Kopf. Sobald im Frühjahr und Sommer dann auch noch das derzeit gemähte Schilf wieder fast zwei Meter hoch steht, sehen Besucher vom See gar nichts mehr.

Das sind die Komfort-Aspekte, die den Standort dieser Ruhebank als fragwürdig erscheinen lassen. Hinzu kommen Momente des Tierschutzes. Denn die Bank steht nahe dem Ufer, wo Teichhühner gewöhnlich das Wasser betreten oder aus der Deckung des Schilfs heraus ihren Weg in die freie Landschaft suchen. „Da stören Leute nur, die auf der Bank sitzen. Das ist für die Teichhühner unnötiger Stress“, sagt ein engagierter Tierschützer aus Jügesheim, der in der Zeitung namentlich nicht genannt sein möchte.

Stadt-Pressesprecherin Sabine Fischer kennt das Bank-Dilemma am Finkensee und argumentiert: „Wir haben dort versucht, alle möglichen Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Die aktuelle Lösung ist in Ordnung. Die Wasservögel sind sehr anpassungsfähig und können trotz der Bank gut ins Wasser.“

Fall 2: Es war vom Naturschutzbund Nabu ein feiner Zug, auf diversen Flächen in der Stadt Insektenhotels aufzustellen, um zum Beispiel für die bedrohten Wildbienen etwas zu tun. Die Nisthilfen sind aber leider falsch gebaut und deshalb schlecht besiedelt. Nabu-Beisitzerin Dagmar Eberhard macht aus dem Fehler kein Geheimnis. „Wir haben’s vergangenes Jahr beim städtischen Umwelttag gemerkt, jetzt müssen wir sie alle umbauen. Das Insektenhotel auf unserem Vereinsgelände haben wir schon verbessert, der Rest folgt.“

Was wurde falsch gemacht? Der größte Fehler war, die Löcher in den Holzscheiben an der Schnittstelle – also parallel zur Holzfaserrichtung – zu bohren. Das birgt Verletzungsgefahr für die Flügel der Insekten, die Besiedelungsdichte ist entsprechend gering. Auch sollte immer Hartholz verwendet werden. Unsinn ist es, Zwischenräume mit Stroh oder Holzspänen auszufüllen. Das ist für Wildbienen & Co. ohne biologische Funktion und sogar kontraproduktiv. Es siedeln sich dort Ohrritzer an, die gerne die Pollen- und Nektarvorräte in den Nestern plündern.

Fall 3: Statt Blühwiesen als Rückzugszone für Insekten und Bodenbrüter über den Winter stehen zu lassen, wird im Herbst radikal gemäht. Zum Beispiel eine Fläche am Alten Weg in Jügesheim unmittelbar an der Rodgau-Ring-Straße. Die Stadt hat das Gelände verpachtet. Vergangenen Herbst wurde der Bewuchs gemäht. Wie schön es aussieht, sofern dies nicht geschieht, zeigt der Grünstreifen genau gegenüber. Er gehört ebenfalls teils der Stadt.

Bilder

Quelle: op-online.de

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