Neben der Königswiese liegt das Seelig

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Günther Keller, Vorsitzender des Arbeitskreises für Heimatkunde, stellte den historischen Gast vor, den Landvermesser Simon Reichhuber von 1856 alias Autor Karl Pohl.

Nieder-Roden - (chz) Altehrwürdiger Besuch auf dem Gelände des Naturschutzbundes Rodgau: Simon Reichhuber, der 1856 bereits in Nieder-Roden Land vermaß, sprach in traditioneller Tracht: „Ich habe euch zusammengerufen, damit ihr mir erzählt, wo ihr eure Grundstücke habt!“

In launigen Worten erzählte der alte Landvermesser, wie er erster Geometer seiner Hoheit Erbherzog Ludwig III. wurde, die Grundstücke genau eingemessen und mit Nummern versehen hatte. Damit entfielen die tradierten Flur- und Gewannnamen zugunsten von mehr Genauigkeit.

Mitten in seinem „Arbeitsgebiet“ und mit diesem historischen Hintergrund stellte der Hobby-Historiker und Heimatforscher Karl Pohl vor einer großen Zahl interessierter Gäste sein drittes Buch vor. Verlegt wurde es in der Reihe der Nieder-Röder Heimatbibliothek, wie Günther Keller vom Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden stolz ergänzte. Pohls Anliegen: die alten Flurnamen wieder lebendig werden zu lassen und damit den Menschen zu erhalten und sie auch wieder den heutigen Grenzen zuzuordnen.

Karl Pohl: „Die Flurnamen in der Gemarkung Nieder-Roden“. Mit einer mehrfarbigen Flurkarte, entwickelt aus der Vermessung und Flurnamenerhebung 1854, versehen mit eigenen Zeichnungen und Fotos. Herausgeber: Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden. 111 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Tabellen. Nieder-Röder Heimatbibliothek, Band 5.

„Die Flurnamen in der Gemarkung Nieder-Roden“ sind die Ergebnisse seiner jahrelangen intensiven Suche nach historischen Hintergründen. 341 Flurnamen und 61 örtliche Bezeichnungen fand er in Grundbüchern und Parzellenkarten und puzzelte sie zu einer neuartigen Karte zusammen. Mit den technischen Mitteln, die er binnen sechs Wochen in der Abteilung Geoinformatik des Kreises Offenbach als PC-Zeichenprogramm erlernte, hat Karl Pohl die Flurgrenzen von 1856 in eine heute gültige Katasterkarte übertragen. Die jetzigen Flurgrenzen sind unter den alten Bezeichnungen klar erkennbar.

Sponsoren sind willkommen

Vor seinen Gästen gab Pohl Beispiele für die Erkenntnisse über das Gemarkungsgebiet, die solche Flurnamen ermöglichen. So wurden die „Weibelswiesen keineswegs von Weibern“ genutzt, wie ihr Name nahe legt, sondern sie ließen auf den Gerichtsdiener gleichen Namens schließen, der die Erträge dieser Wiesen zu seinem Lohn erhielt - ein Hinweis auf das frühere Landgericht Nieder-Roden. In diese Deutung passt auch auch der „Rattenborn“, der wohl nichts mit Ratten, wohl aber mit dem alten Begriff „Rät“ für Recht zu tun hat und in der Nähe des Vogthofes lag, in dem früher Recht gesprochen wurde.

Anders als erwartet erweist sich auch die Deutung des „Wiesenwegs“, der früher eigentlich Wasenweg hieß - daran lag früher der Ort, wo im Rahmen des „Wastums“ durch den Henker (der auch die Abdeckerei betrieb) das tote Vieh begraben wurde.

Seinem alten Traum, die wahre Lage des von Historikern in Ober-Roden vermuteten Klosters Rothaha hier zwischen Rollwald und Nieder-Roden zu beweisen, ist Karl Pohl ein Stück näher gekommen. Für die teure geomagnetische Felduntersuchung, die etwa auf Mauerreste reagieren würde, ist er sogar bereit, seine der Historie nachempfundenen Zeichnungen und Ölgemälde zu vergeben. Für Beträge über 80 Euro oder über 500 Euro sind Sponsoren willkommen.

Die ersten Erfolge gab‘s gleich im Anschluss an die Vorstellung des Buchs: Zwei Ölbilder wurde Pohl auf diese Art bereits los, eine weitere Spende wird über den Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden erwartet. Der Anfang ist gemacht. Nun kümmert sich Pohl um die Genehmigungen der Denkmalpflege und der Eigentümer, in der vegetationsfreien Zeit über das Gelände gehen zu dürfen, und um die Kostenberechnung der Firma. Und natürlich um weitere Sponsoren.

Quelle: op-online.de

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