Neue Gasleitung unterquert Bahn und Bachbett

Bohren statt Baggern

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Sorgsam wird das neue Gasrohr in das Kopfteil der Hydraulikpresse eingefädelt.

Hainhausen - Ungeahnte Schwierigkeiten hat die Maingau Energie GmbH beim Bau der zweiten Erdgasleitung von Hainhausen nach Weiskirchen bewältigt. Ein großes Stück der Rohrleitung musste der Gasversorger in fünf Meter Tiefe durch das Erdreich bohren. Von Ekkehard Wolf 

Das technische Abenteuer ist geglückt. Jetzt hat die Gasleitung auch den Bahndamm durchquert. Eigentlich ist der Bau einer solchen Leitung ein Kinderspiel: Boden aufgraben, Rohre hineinlegen, fertig. Bei einer Erdgasleitung muss man bestimmte Vorsichtsregeln beachten. Für die Mitarbeiter der Maingau Energie ist das Routine. Das Unternehmen hat schließlich mehr als 100 Jahre Erfahrung. Das Problem: Wer Leitungen verlegt, ist auf das Wohlwollen der Grundbesitzer angewiesen. Nicht jeder Eigentümer ist damit einverstanden, dass am Rand seines Grundstücks eine öffentliche Versorgungsleitung liegt. „Es wird immer schwieriger, Trassen zu finden“, sagt Georg Haß, der technische Leiter der Maingau Energie GmbH. Besonders mit Erbengemeinschaften sei schwer zu verhandeln. Beim Baubeginn im Juni in Hainhausen wusste er noch nicht, wie es auf der anderen Seite der Bahn weitergeht.

Mit 16 Tonnen Druck schiebt das Gerät das 19 Meter lange Rohr unter der Bahnstrecke hindurch.

Als größtes Hindernis erwies sich die Rodau. Einfach aufbaggern ging nicht. „Wegen der Renaturierung durften wir nicht mit dem Bagger bis ans Ufer fahren“, berichtet Haß. Da gab es nur noch eine Möglichkeit: Der Gasversorger musste das Rohr mit einem Bohrer verlegen. In fünf Meter Tiefe wurde eine Bohrlanze unter dem Flussbett hindurchgejagt. Der entstandene Hohlraum wurde aufgeweitet; eine Bentonitlösung stabilisierte die Wände. In diesen Kanal wurden anschließend die Rohre eingezogen. Das klingt leichter, als es ist, schließlich lassen sich die Rohre nicht einfach biegen: Sie sind aus Stahl und 20 Zentimeter dick. 160 Meter Leitung wurden auf diese Weise verlegt. Die Horizontalbohrung verlief einfacher als gedacht. „Ich hatte zwar Bauchschmerzen, aber das hat bestens funktioniert“, so Georg Haß. Das HDD-Verfahren löste mehrere Probleme auf einmal. Die Leitungsbauer mussten in den feuchten Wiesen keine Metallwände gegen das Grundwasser einrammen. Außerdem waren sie nicht mehr auf private Eigentümer angewiesen, sondern konnten öffentliche Wege nutzen. Die Erdgasleitung liegt nun unter den Rohren der Kanalisation.

Unterquerung der Bahnlinie war extrem aufwändig

Einen hohen Aufwand erforderte auch die Unterquerung der Bahnlinie. Erst zwei Wochen vor dem Bau war der Kreuzungsvertrag mit der Deutschen Bahn unterschrieben. Am Dienstag waren nicht nur die beiden Arbeiter vor Ort, die das Rohr durch den Bahndamm pressten. Auch die Leitungsbauer der Maingau Energie hatten gut zu tun. Ein Geologe beurteilte das ausgeräumte Bodengut. Ein Vermessungsbüro überwachte, dass sich das Gleis nicht setzt. Dabei kommt es auf Millimeter an. Vertreter der Bahn und der Maingau Energie beobachteten die Arbeiten. Streckenposten sorgten dafür, dass sie die Gleise gefahrlos überqueren konnten. Die eigentliche Pressung sah einfach aus. Auf Stahlschienen in einer 23 Meter langen Baugrube saß ein Arbeiter auf einer Hydraulikpresse, die sich zentimeterweise voranbewegte. Mit einem Druck von 16 Tonnen presste er zunächst ein Leerrohr durch den Bahndamm. Eine schneckenförmige Spindel transportierte die Erde aus dem Bohrloch. Ein Maingau-Mitarbeiter sägte das Rohr auf der anderen Seite stückweise ab. Georg Haß fasste die Bedingungen in wenigen Worten zusammen: „Sandiger Boden, kaum Widerstand, sehr schön zum Bohren.“

Direkt nach dem Leerrohr wurde das eigentliche „Produktrohr“ durch den Bahndamm gepresst. Es ist 19 Meter lang und hat eine weiße Beschichtung aus widerstandsfähigem Kunststoff. Dennoch wurde es vor dem Einschieben noch einmal überprüft. Ein Fachmann testete die Isolation mit 20.000 Volt Hochspannung. Auch die kleinste Beschädigung wäre ein Ansatzpunkt zur Korrosion, erklärte Georg Haß: „Wenn das Rohr erst mal eingebaut ist, kommen wir nie wieder dran.“ In einem Monat kontrolliert das Vermessungsbüro noch einmal, dass das Gleisbett sich auch wirklich nicht gesetzt hat. Falls doch, muss Schotter nachgestopft werden. Die Baugruben am Ende der Kleingartenanlage sind dann längst wieder aufgefüllt. Die Maingau Energie GmbH muss dann noch die Wege wieder herstellen.

Die neue Erdgasleitung muss zunächst eine Druckprüfung bestehen, bevor sie ans Netz geht. Die rund 1500 Meter lange Leitung verbindet die Rohre in der Offenbacher Landstraße mit der Gasdruckregelstation in der Hauptstraße 12. Sie soll das Gasnetz stabiler machen und die Versorgungssicherheit erhöhen. Die Kunden können auch dann mit Erdgas heizen, falls einmal an irgendeiner Stelle eine Störung auftritt.

Quelle: op-online.de

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