Neuer Aufbruch in die letzten fünf Jahre

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Die Ortsvorsteher im Redaktionsgespräch (von links): Annemarie Jonas aus Weiskirchen, Edgar Ott aus Nieder-Roden, Gerald Klein aus Dudenhofen, Heike Hoffmann aus Hainhausen und Gert Schmalenbach aus Jügesheim mit Redakteur Ekkehard Wolf.

Rodgau (eh) - Die letzte Amtszeit der Ortsbeiräte ist angebrochen. 34 Jahre nach der kommunalen Gebietsreform will die Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern die Ortsbeiräte aus der städtischen Hauptsatzung streichen.

Wie sieht die Zukunft in den Stadtteilen aus? Wir sprachen mit den neu gewählten Ortsvorstehern Annemarie Jonas (CDU), Heike Hoffmann (SPD), Gert Schmalenbach (SPD), Gerald Klein (SPD) und Edgar Ott (SPD).

Die Rathausmehrheit will die Ortsbeiräte abschaffen. Wie fühlen Sie sich dabei, ein Auslaufmodell zu sein?

Gerald Klein: Wir sind ja für fünf Jahre gewählt und in diesen fünf Jahren gilt es, die Arbeiten zu verrichten und die Bürger zu unterstützen. Auslaufmodell? Das Kirchturmdenken soll irgendwann einmal vorbei sein. Von daher hab ich damit überhaupt keine großen Probleme.

Edgar Ott: Ich dachte, ich will die historische Chance nutzen, der letzte Ortsvorsteher von Nieder-Roden zu werden...

Annemarie Jonas: Ich habe das bei meiner Wahl schon gesagt: Ich bin die erste und wahrscheinlich auch die letzte Frau als Ortsvorsteherin in Weiskirchen. Aber warten wir einmal ab. Vielleicht sind wir ja alle so gut, dass sie sagen: Nee, wir lassen die Ansprechpartner in den einzelnen Ortsteilen.

Gert Schmalenbach: Es ist ein Ansporn, dass man nicht mehr auf die Wähler gucken muss. Wir können also freier wirken, freier entscheiden. Andererseits ist es ja so: Die Spielräume sind nicht so groß, wie es sich mancher Bürger vorstellt. Ich bedaure, dass wir es nicht schon zu dieser Legislaturperiode geschafft haben, die Ortsbeiräte abzuschaffen. Dennoch kann das Gremium noch zum Wohl von Jügesheim wirken. Insofern ist keine Endzeitstimmung da, sondern ein neuer Aufbruch in die letzten fünf Jahre.

Heike Hoffmann: Ja ich fühle mich auch ganz und gar nicht als Auslaufmodell. Ich werde mich in den nächsten fünf Jahren speziell für die Belange der Hainhäuser einsetzen, aber auch für die Belange aller Rodgauer.

Welche Einflussmöglichkeiten sehen Sie für sich und für Ihr Gremium?

Heike Hoffmann: Man kann als Ortsbeirat und als Ortvorsteherin bestimmte Sachen ganz nah begleiten, man kann Einfluss nehmen und zur Entscheidungsfindung beitragen.

Gerald Klein: Das sehe ich genauso. Als Ortsvorsteher kann ich versuchen, in den Gremien darauf hinzuwirken, dass die Sachen, die wirklich notwendig sind, angegangen und durchgeführt werden. Und dass die Mittel dafür bereitgestellt werden.

Edgar Ott: Für mich in Nieder-Roden ist positiv, dass ich gleichzeitig im Stadtparlament bin und dort im Haupt- und Finanzausschuss. Da ist der Informationsvorsprung sehr groß und auch die Einflussmöglichkeit.

Annemarie Jonas: Wir versuchen, Wünsche der Bürger in Anträge zu fassen, um sie auch im Stadtparlament durchzubringen. Es gibt ja auch Sachen, die nicht nur Weiskirchen betreffen, sondern die auch etwas Gutes für die ganze Stadt bringen. Ein Beispiel: Die Stadt hat die Hainhäuser Straße machen lassen und wir als Ortsbeirat haben auf die Mängel hingewiesen. Die Gewährleistungsfrist wäre abgelaufen, wenn wir nicht reklamiert hätten. Die Firma musste dann nachbessern.

Heike Hoffmann: Das hätte aber jeder Stadtverordnete auch machen können. Oder Herr Trageser, der damals im Magistrat war.

Gert Schmalenbach: Ich hoffe, dass wir die Bürger mehr für das örtliche Geschehen interessieren können. Wir haben schon seit drei Jahren keine Bürgerfragestunde mehr gehalten, weil keiner kommt, der Fragen an uns hat. Ich bin in dieser Zeit vielleicht vier Mal angesprochen worden und konnte drei dieser Sachen erledigen, aber das rechtfertigt nicht die ganze Institution.

Wie wird denn in fünf Jahren gewährleistet, dass die Interessen der Menschen aus den Stadtteilen auch Gehör finden?

Gert Schmalenbach: Auf jeden Fall über die Stadtverordneten, sie sind ja verteilt über alle fünf Ortsbereiche.

Heike Hoffmann: Sie müssen sich dann noch mehr für die Belange der Bürger einsetzen.

Gerald Klein: Das seh’ ich genauso. Die Stadtverordneten müssen die Aufgabe, die wir jetzt haben, übernehmen.

Edgar Ott: Die Ausschüsse werden eine große Rolle spielen. Gegebenenfalls gibt es eine Bürgerversammlung oder eine offizielle Sprechstunde, die einmal im Vierteljahr sein könnte.

Annemarie Jonas: Ich hoffe, wenn die Ortsbeiräte abgeschafft werden, dass dann trotzdem noch eine Person als Ansprechpartner für jeden Ortsteil bleibt, um näher am Ohr des Bürgers zu sein.

Edgar Ott: In Obertshausen gibt es keine Ortsbeiräte. Dort leiden manche heute noch darunter, dass Hausen und Obertshausen zusammengegangen sind. Oder gehen wir Rödermark: Urberach und Ober-Roden leben auseinander, gerade im Feuerwehrbereich. Ob ein Ortsbeirat das hätte besser machen können? Ich denke, in Rodgau war das mal sinnvoll durch die vielen Ortsteile, aber jetzt nicht mehr. Wir werden nach und nach zum Auslaufmodell.

Quelle: op-online.de

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