Umarmung für Ersten Stadtrat

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Als Geschenk der Grünen überreichen Inge Fecher und Winno Sahm eine Spielzeugfeuerwehr.

Rodgau (eh) - 25 mal Ja, 18 mal Nein und ein ungültiger Stimmzettel ohne Kreuzchen: Michael Schüßler (FDP) wurde am Montag zum Ersten Stadtrat gewählt. Er tritt die Nachfolge von Hildegard Ripper (CDU) an. Seine sechsjährige Amtszeit beginnt am 1. Juni.

Das Ergebnis entspricht der Stärke der Fraktionen. SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler und Linke waren mit 25 Stadtverordneten anwesend, CDU und ZmB mit 19.

Glückwünsche: Bürgermeister Jürgen Hoffmann umarmt den Ersten Stadtrat.

Der Wahlvorbereitungsausschuss, in dem auch CDU und ZmB saßen, hatte Michael Schüßler einstimmig vorgeschlagen. Der 36-Jährige hatte sich als Einziger auf die Stelle beworben. Seit Oktober 2004 arbeitet er als hauptamtlicher Stadtrat im Rathaus. Der Jurist war unmittelbar nach seinem zweiten Staatsexamen von CDU und FDP gewählt worden. Er war damals der jüngste hauptamtliche Wahlbeamter in der Region. Später wandte sich die Union von Schüßler ab.

Während der Kandidat außerhalb des Saales warten musste, schonte ihn CDU-Fraktionsvorsitzender Clemens Jäger nicht. Schüßler sei das Aushängeschild einer „verantwortungslosen Politik“ der Vierer-Kooperation. Er stehe für eine „Politik der maßlosen Überschuldung“. Er sei politisch mitverantwortlich für die Auslagerung von Teilen der Stadtverwaltung an die Stadtwerke ohne vorherige Prüfung, für den Bau von Sozialwohnungen auf Kosten nachfolgender Generationen und für einen „beklagenswerten Verlust an Bürgerfreundlichkeit“. Er betone das Trennende, statt in schwierigen Zeiten Gemeinsamkeiten auszuloten.

„Absurde Schuldzuweisungen“

Winno Sahm (Grüne) bezeichnete Jägers Äußerungen als „absurde Schuldzuweisungen“. Michael Schüßler sei ein Glücksgriff für die Stadt. Er zeichne sich durch unaufgeregte Kompetenz aus und wahre auch in emotional aufgeladenen Situationen eine professionelle Distanz. Schüßler baue Brücken und halte Türen offen: „Es gibt immer einen nächsten Tag, ein weiteres Gespräch.“ Er habe es geschafft, begrenzte Geldmittel intelligent im Interesse künftiger Generationen einzusetzen. Rodgau stehe dank Schüßler an der Spitze der schulischen und vorschulischen Betreuung. Mit seiner Wahl erfülle die Kooperation ihr Versprechen, die Zahl der Hauptamtlichen im Magistrat dauerhaft auf zwei zu reduzieren.

Der Wahlausschuss zählt die Stimmen aus (von links): Jutta Dahinten (SPD), Sandra Dauth (FW), Heiko Lautenschläger (CDU), Inge Fecher (Grüne), Karlheinz Hackel (ZmB), Jan Böttcher (FDP).

Auch Heiko Stenzel (Linke) kündigte seine Ja-Stimme für den Liberalen an. Wenn man auf die zweite Stadtratsstelle verzichten wolle, sei das nur logisch. Michael Schüler sei aber auch inhaltlich eine gute Wahl. Trotz desolater Finanzlage habe er „nie das Mantra kommunaler Leistungskürzungen heruntergebetet“. Im Gegenteil: Beim kommunalen Kernthema der Kinderbetreuung gehe die Kooperation „erfreulicherweise andere Wege“. Familienpolitik à la Rodgau sei besser als das Betreuungsgeld der schwarz-gelben Bundesregierung.

Mit einer persönlichen Bemerkung

Mit einer persönlichen Bemerkung gratulierte SPD-Fraktionsvorsitzender Jörg Luther dem neuen Ersten Stadtrat. Nicht zuletzt wegen Schüßlers Jugend habe er bei der ersten Wahl 2004 noch mit Nein gestimmt. Seither habe sich aber längst gezeigt, dass Heino Reckließ (FDP) eine gute Wahl getroffen habe, als er den Parteifreund als Stadtrat präsentierte. Luther: „Es hätte für Rodgau keine bessere Wahl geben können als Herrn Schüßler.“

„Sachlichkeit und Augenmaß für das Machbare“ bescheinigte Karl-Heinz Dauth (Freie Wähler) dem neuen Ersten Stadtrat. Mit einem Spielzeug-Feuerwehrauto als Geschenk erinnerten die Grünen an die beiden Feuerwehrhäuser, für deren Bau Schüßler verantwortlich zeichnete. Mit dem Feuerwehrschlauch könne man nicht nur spritzen, man könne auch „auf dem Schlauch stehen“, scherzte Winno Sahm.

Bei Apfelwein und Brezeln gratulierten nach der Parlamentssitzung auch zwei pensionierte frühere Amtsleiter, Günther Helfrich (Jugend- und Sozialamt) und Ralph Kieffer (Rechts- und Ordnungsamt). Unter die Gratulanten reihte sich auch der frühere Bürgermeister Alois Schwab ein.

Quelle: op-online.de

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