„Lebens(t)raum“ Humanitas-Kinderhilfe-Stiftung

Ein neuer Lieblingsort

+
Im „Lebens(t)raum“ haben viele Menschen eine feste Anlaufstelle gefunden: In der hinteren Reihe sind die beiden Initiatoren Peter Rottluff und Gerd Chmiel – außerdem alle, die da waren und aufs Bild wollten.

Nieder-Roden - Die private Familienstiftung Humanitas engagiert sich seit fünf Jahren in Rodgau mit Workshops für Kinder und Jugendliche. Von Simone Weil 

Nun haben Peter Rottluff und sein Vater Gerd Chmiel ein Ladengeschäft nahe dem Puiseauxplatz in ein Freizeit- und Bildungszentrum verwandelt. „Lebens(t)raum“ nennen sie die Einrichtung an der Oberen Marktstraße 1-3. Der Laden ist kein gewöhnliches Geschäft: Das fällt Passanten schnell auf. Deswegen schauen auch regelmäßig Neugierige rein. Fragen nach, was es dort gibt. Sind erstaunt, wenn sie hören, dass die Angebote für Kinder kostenlos sind. „Hier ist vieles ungewöhnlich“, sagt Peter Rottluff und lacht. Rechts neben dem Eingang steht ein mannshoher Teddybär, auf der anderen Seite sind kleine Fahrräder, Roller und andere Mobile geparkt. Spielzeug, Bücherregale, Puppenhaus, Sitzecke, Schreibtische, Computer: Ein kunterbuntes Sammelsurium ist in dem großen Raum entstanden. Ein bisschen chaotisch wirkt das vielleicht, aber sicher schaut es in vielen Kinderzimmern ähnlich aus.

Montags bis freitags in der Zeit zwischen 14 und 18 Uhr sind in den ehemaligen Geschäftsräumen Kinder und junge Menschen willkommen. Dann können sie toben, spielen, sich ausruhen und Hausaufgaben machen – irgendjemand findet sich immer, der ihnen hilft. Die Idee spricht sich herum und findet immer mehr Unterstützer: Etwa zehn Ehrenamtliche machen schon mit, drei hauptamtliche Helfer hat die Pro Arbeit an die Initiative vermittelt. Auch Bäcker und Restaurants unterstützen die gute Sache mit gespendeten Lebensmitteln, aber auch Süßigkeiten: Denn jeden Tag wird gekocht, um den Kindern eine warme Mahlzeit zu bieten.

Gerd Chmiel hat beobachtet, wie sich das Nachmittagsangebot auswirkt: Einige der Kinder seien regelrecht aufgetaut, bei vielen der Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund habe sich der Wortschatz erweitert sowie insgesamt die Sprache verbessert, findet der Rentner. „Oftmals sprechen auch die Eltern kein Deutsch“, weiß der 72-Jährige. Weil sich täglich zwischen drei und 20 Kinder in dem ehemaligen Geschäftsraum tummeln, wirke sich der Umgang miteinander auch positiv aufs Sozialverhalten aus. Mit seinen Söhnen Klaus Chmiel und Peter Rottluff hat Gerd Chmiel die Kinderhilfe-Stiftung Humanitas gegründet, die Jugendliche aus einkommensschwachen, benachteiligten oder von Armut betroffenen Familien fördert. Ihnen soll insbesondere durch Bildung geholfen und ihre gesellschaftliche Perspektive verbessert werden. Unterstützt wird der Nachwuchs sowohl durch finanzielle als auch ideelle Aktionen.

Ausgepowered! Darauf sollen Jugendliche beim Training achten

„Kinder haben keine Lobby“, findet Gerd Chmiel. Deswegen engagiert er sich mit der gemeinnützigen Organisation für die Jungen und Mädchen. Im „Lebens(t)raum“ selbst gibt es zunächst viele Anregungen: Erfinderwerkstatt, Handarbeiten, Koch-AG, Handwerker-AG und kreatives Gestalten. Lediglich für diese speziellen Aktionen zahlen die Jungen und Mädchen pro Workshop einen Euro. Neuerdings gibt es auch Meditation für Kinder.

Zwischen den ganzen Spielsachen findet sich auch das „Fair-Teiler-Regal“, dessen Prinzip sich Peter Rottluff bei einem Festival abgeschaut hat: Wer etwas nicht mehr braucht, legt es ins Regal. Wer etwas findet, das ihm gefällt, nimmt es mit – ohne Geld oder eine Gebühr zu zahlen. Tolle Erfahrungen hat der 36-Jährige mit seinen Daniel-Düsentrieb-Kursen gemacht: Der Student der Elektrotechnik hat bereits mehrfach regelrechte Begeisterung für Physik geweckt. Auch in den Osterferien will er einen kleinen Kurs anbieten.

Ab 1. April wird es eine Krabbelgruppe für die ganz Kleinen geben: die Humanitas-Piepmätze. Sehr gerne würden die Organisatoren übrigens im kommenden Jahr eine Pädagogin anstellen. Doch dafür sind sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare