Kiefernprachtkäfer als Risiko für den Stadtwald

Neuer Schädling bedroht Kiefernwald

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Der Blaue Kiefernprachtkäfer breitet sich in den Kiefernwäldern des Rhein-Main-Gebiets aus. Das macht den Forstbehörden Sorge. So riesig wie auf diesem Foto sind die Insekten in Wirklichkeit nicht: Sie werden nur sieben bis zwölf Millimeter lang.

Rodgau - Ein kleiner Käfer droht zum großen Feind der Rodgauer Kiefernwälder zu werden. Der Kiefernprachtkäfer breitet sich im Rhein-Main- Gebiet aus. Das Forstamt sieht darin ein Risiko für den Stadtwald und will weiterhin verstärkt Laubbäume pflanzen. Der Umbau vom Nadel- zum Mischwald dauert Jahrzehnte. Von Ekkehard Wolf 

Mit Sorge betrachtet das für Rodgau zuständige Forstamt Langen die zunehmende Ausbreitung des Schädlings in der Region. Das geht aus dem Waldwirtschaftsplan der Stadt Rodgau hervor, der gestern auf der Tagesordnung des Stadtparlaments stand. Der Blaue Kiefernprachtkäfer befällt vor allem geschwächte Bäume. Die Larven fressen sich unter der Rinde voran, sodass Gänge entstehen. Als Folge werden viele Bäume von einem Pilz (Diplodia) befallen, der die Nadeltriebe absterben lässt.

Prachtkäfer haben ihren Namen möglicherweise davon, dass ihre Oberfläche metallisch glänzt. Zwei Jahre brauchen die Larven, um sich zu entwickeln. Das ist genug Zeit, um einen Baum nachhaltig zu schädigen. Nach den trockenen Sommern der Jahre 2015 und 2016 wurde in einigen Regionen ein verstärkter Befall festgestellt. Betroffene Bäume kann man daran erkennen, dass Spechte auf der Suche nach Larven die Rinde abschlagen. Damit sich die Schädlinge nicht weiter ausbreiten, muss man die Bäume fällen und mitsamt der Rinde aus dem Wald entfernen.

Kiefernstämme warten bei Weiskirchen auf ihren Abtransport. Dieser Holzstapel umfasst etwa 25 bis 30 Festmeter. So viel Holz wächst im Stadtwald Rodgau innerhalb eines Tages nach.

Pflanzaktionen gegen Insektenbefall sind ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Schädlinge vermehren sich so rasant, dass Bäume mit ihrem langsamen Wachstum einfach nicht nachkommen. Die Larven des Kiefernprachtkäfers sind ja auch nicht die Einzigen, die es sich im Wald schmecken lassen. Auch Borkenkäfer, Schwammspinner, Fichtenröhrlaus und viele andere stellen potenzielle Gefahren dar. Die Forstwirtschaft hat die schwierige Aufgabe, den Wald langfristig im Gleichgewicht zu halten. Dabei geht es nicht nur um den Schutz vor Insekten und Pilzen, sondern auch um die Vermeidung von Sturmschäden, einen stabilen Holzertrag und einiges mehr.

Der Baumbestand im Stadtwald umfasst knapp 2000 Hektar. Der weitaus größte Teil (85 Prozent) sind Kiefern. Sie sind an den sandigen Boden gut angepasst. Vor allem in den mittelalten und alten Beständen prägen die Bäume mit den langen Nadeln das Bild des Waldes. Auch wenn die Förster seit einiger Zeit mehr Laubbäume pflanzen, fällt ihr Anteil noch nicht groß ins Gewicht: Eichen machen etwa acht Prozent aus, Buchen vier Prozent.

Wildnis und Wandergebiet: Der Hüter der Wutachschlucht

In den nächsten Jahren will das Forstamt verstärkt Eichen, Hainbuchen und Buchen setzen. „Ein Betrieb mit Mischwäldern und breiter Baumartenpalette ist für die Zukunft gewappnet und kann flexibel auf klimatische Veränderungen, Kalamitäten und gewandelte Ansprüche reagieren“, heißt es im Waldwirtschaftsplan 2018. Eine größere Vielfalt macht den Wald auch ökologisch wertvoller. Das zahlt sich für die Stadt in sogenannten Biotopwertpunkten aus. Diese Punkte werden benötigt, um Naturverluste durch Baugebiete und neue Straßen auszugleichen.

Etwa 360.000 Ökopunkte hat die Stadt in diesem Jahr allein mit Artenschutzmaßnahmen für die seltene Vogelart Ziegenmelker erwirtschaftet. Das entspricht einem Geldwert von rund 100.000 Euro. Die unscheinbaren Vögel stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. In Rodgau ist ihr größtes Vorkommen in ganz Hessen. Alles, was dem Ziegenmelker nützt, dient auch anderen Vogelarten wie Wendehals, Gartenrotschwanz, Grünspecht, Heidelerche und Baumpieper. Der Lebensraum des Ziegenmelkers sind lichte Kiefernwälder – ausgerechnet die Baumart, die der Kiefernprachtkäfer bedroht.

Quelle: op-online.de

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