Ein neues Leben in der Neuen Welt

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„The Grimm Family Tree“ liegt bei Helmut Simon auf dem Schreibtisch. Er hilft US-Amerikanern ihre deutschen Wurzeln zu finden und sucht zeitgleich nach ausgewanderten Nieder-Rödern in den USA.

Nieder-Roden - Das Auswandern hat viele Gründe. Sich neue Ziele stecken, ein besseres Leben aufbauen, oder vor Hungersnöten fliehen. Helmut Simon ist auf den Spuren der ehemaligen Nieder-Röder, die es in die USA verschlug. Von Andreas Pulwey

Dabei hilft er im Gegenzug Amerikanern, ihre deutschen Wurzeln zu erkunden. Im September besuchen amerikanische Grimms aus Pennsylvania den Heimatort ihrer Vorfahren.

Viele Nieder-Röder machten in der Neuen Welt Karriere. Philipp Grimm war mit seinem Schuhladen erfolgreich. Seine Nachfahren besuchen jetzt Nieder-Roden.

Helmut Simons neustes Werk nennt sich „Auswanderung aus Nieder-Roden“. Auf 48 Seiten hat er sich mit dem Leben der Nieder-Röder in der Neuen Welt befasst. Von der Gründung Germantowns im Jahre 1683, über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, bis zu den in den Staaten eingeschlagenen Karrieren der Nieder-Röder.

Dabei hat der engagierte Hobby-Historiker Daten von 140 Auswanderern, angehenden Firmengründern und Bürgermeistern in den USA recherchiert. Auch seine beiden Großonkel Ludwig und Philipp Hartig zählen zu den Auswanderern der 1880-er Jahre. Von den beiden gibt es aber nur wenige Unterlagen.

Nachfahren kommen zur Kerb

Mehr Aufzeichnungen fand Simon über Philipp Grimm. 1868 bestieg der Nieder-Röder Schuhmacher in Hamburg das Schiff „Niagara“ und gründete im US-Bundesstaat Iowa ein Schuhgeschäft. Amerikanische Nachfahren des Schuhmachers kommen im September zur Nieder-Röder Kerb.

Schon 50 Jahre vor Philipp Grimm packten viele Deutsche ihre sieben Sachen und begannen in Amerika ein neues Leben. Genau genommen war es 1817, als unzählige Menschen aus Mitteleuropa in die Neue Welt aufbrachen, war doch zwei Jahre zuvor der Vulkan Tambora in Indonesien ausgebrochen. Seine Aschewolken verdunkelten 1816 auch den Himmel über Europa so intensiv, dass die Ernte ausfiel. Ob sich Nieder-Röder zu jener Zeit der Auswanderungswelle anschlossen, ist nicht überliefert.

Viele Personen aus alteingesessenen Familien folgten erst 30 Jahre später, als die Kartoffelfäule für erneute Hungersnöte in Deutschland sorgte.

Auch wenn Helmut Simon zahlreiche Dokumente und historische Unterlagen im Darmstädter Staatsarchiv sichtete, aus kirchlichen Belegen und US-amerikanischen Internetseiten sein Wissen zog, für eine Veröffentlichung lohne sich „Auswanderung aus Nieder-Roden“ nicht, sagt er. Aber in die Geschichte seines Heimatortes vorzustoßen, immer neue Türchen der Vergangenheit zu öffnen, das macht Helmut Simon die größte Freude.

Quelle: op-online.de

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