Neues Museum gesucht

Heimatverein muss sein Domizil verlassen

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Die Kündigung hat ihnen die Laune verhagelt, obwohl Gerhard Lämmlein, Huguette Spahn, Josef Herbert Spahn und Berthold Werner (von links) fürs Bild ein freundliches Gesicht machen. 

Jügesheim - Eigentlich hätte der Heimatverein Jügesheim zum Abschluss seines 25. Jubiläumsjahres gerne zu einer Feierstunde geladen, doch den Mitgliedern ist die Lust vergangen: Sie haben die Kündigung erhalten und müssen bis 31. März 2018 das Museum für Heimat- und Erdgeschichte räumen. Von Simone Weil 

Noch aber will der Verein die Hoffnung nicht aufgeben, ein neues Quartier zu finden. Das ist allerdings nicht einfach. Denn im Moment nutzt der Verein das alte Schwesternhaus aus dem Jahr 1912 mit 230 Quadratmetern Fläche für seine umfangreiche Sammlung. Die jährlich 7000 Euro Kaltmiete sind die Obergrenze für den 100 Mitglieder zählenden Verein, wie Vorsitzender Josef Herbert Spahn sagt. 1300 Euro gibt die Stadt dazu und doch müssen die Heimatforscher in manchem Jahr ans Eingemachte, um Defizite auszugleichen.

Mindestens 100 Quadratmeter Fläche sollte ein neues Domizil haben und idealerweise ebenerdig sein. „Wegen der vielen älteren Besucher, die auch mit Rollatoren kommen“, sagt Spahn. Insgesamt haben mehr als 15.000 Besucher in 25 Jahren den Weg ins alte Schwesternhaus gefunden. Auf die stattliche Zahl der Interessenten und viele gut besuchte Veranstaltungen ist der Heimatverein stolz. Allein am 1. Oktober wurden über 150 Gäste an der großen Kaffeetafel bewirtet: mit selbst gebackenen Kuchen und Suppe.

Auch Schulklassen sind gern gesehene Besucher im Museum. Dem Nachwuchs zu zeigen, wie es in früheren Zeiten in der Lederwarenindustrie zuging, wie gekocht oder gewaschen wurde, wie die „Giesemer Strohplatten“ aussahen oder welche Fossilienfunde etwa am Badesee in Nieder-Roden möglich waren, mache immer wieder Spaß, erzählt Spahn.

Der Verein hatt viel Arbeit und Herzblut ins Museum gesteckt – erfolgreich und ehrenamtlich. Dabei packen alle mit an: Der Vorsitzende kehrt die Räume, Gattin Huguette Spahn putzt die Toiletten. „Viele Frauen backen Kuchen, spenden ihn für den Verkauf und zahlen dann auch noch für das Stück, das sie selbst essen“, berichtet der Vereinschef.

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Die Nachricht von der Kündigung erreichte die Heimatkundler Ende September: Der Schreck sitzt noch tief. Über den schlimmsten Fall, die Sammlung auflösen zu müssen, wollen die Museumsmacher gar nicht nachdenken.

Einem ersten offiziellen Schritt, bei dem Bürgermeister Jürgen Hoffmann, Erster Stadtrat Michael Schüßler, Kulturdezernent Winno Sahm sowie die Presse informiert und allen Unterstützern gedankt wurde, soll nun die intensive Suche nach einem neuen Domizil folgen. Die Stadt hat dabei Unterstützung zugesagt, kann aber keine geeigneten Räume zur Verfügung stellen.

Das alte Schwesternhaus, in dem sich das Museum befindet, stammt aus dem Jahr 1912 und steht nicht unter Denkmalschutz. Der Eigentümer plane eine Kernsanierung des Gebäudes und wolle es für Wohnzwecke nutzen, erzählt Spahn. Ein Zusammenhang zwischen der Kündigung des Heimatvereins und Plänen für einen Nahversorger nahe dem alten Feuerwehrhaus bestehe nicht, heißt es seitens der Stadt.

Quelle: op-online.de

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