Neujahrsempfang der SG Nieder-Roden

Von Facebook bis zum Fitnessstudio

Nieder-Roden - Sportvereine müssen am Ball bleiben, um mit den Veränderungen der Gesellschaft Schritt zu halten. Das erfordert nicht nur eine professionelle Vereinsführung, sondern auch die Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden. Aktuelle Herausforderungen standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion beim Neujahrsempfang der SG Nieder-Roden. Von Ekkehard Wolf

Podiumsdiskussion beim Neujahrsempfang der SG Nieder-Roden, von links: Landrat Oliver Quilling, Erster Stadtrat Michael Schüßler, SGN-Geschäftsstellenleiterin Simone Maier, SGN-Präsident Karl-Heinz Kohls, Miriam Seib (Sportkreis Offenbach), Professor Jürgen Follmann (Hochschule Darmstadt).

„Um Sport zu treiben, braucht man heute keinen Verein mehr“, sagte Landrat Oliver Quilling. Umso wichtiger sei es für die 285 Sportvereine im Kreis Offenbach, sich gut zu positionieren. Als Beispiel nannte er die SG Egelsbach: ein Großverein mit eigenem Fitnessstudio. Lobend äußerte sich Prof. Jürgen Follmann aus Jügesheim über die jüngste Entwicklung der SG Nieder-Roden. Der Hochschullehrer und frühere TGS-Vorsitzende hatte zwei Anregungen mitgebracht: Sportvereine sollten „an aktuellen Themen dranbleiben“ und verstärkt um neu Zugezogene werben. Ein Problem der Vereine sei die Altersgruppe von 18 bis 30 Jahren. „Die Buben, die jetzt Fußball spielen, gehen zum Studieren in andere Städte und kommen vielleicht nicht mehr zurück“, so Follmann. Rodgau habe das Glück, dass der Zuzug an jungen Menschen den Wegzug ausgleiche. Diese Bevölkerungsgruppe gelte es gezielt zu umwerben.

Die Vereinsführung komme in Zukunft nicht mehr ohne professionelle Unterstützung aus, betonte Erster Stadtrat Michael Schüßler. Er kenne Rodgauer Vereine mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Million Euro. Da sei allein schon die Buchhaltung nicht mehr ehrenamtlich zu schaffen. Bei der Information ihrer Mitglieder setzen Vereine verstärkt auf E-Mails, Newsletter und soziale Medien im Internet. „Da sind viele Vereine wesentlich moderner aufgestellt als unsere Verbände“, sagte Miriam Seib vom Sportkreis Offenbach. So mancher Sportverband wirke „noch etwas verstaubt“.

Diesen Eindruck bestätigte SGN-Präsident Karl-Heinz Kohls anhand seiner Erfahrungen mit Zuschussanträgen zur Reparatur des Kunstrasens im vergangenen Jahr. Während Kreis und Land mit jeweils einem Anruf und einem Formular zufrieden waren, forderte der Landessportbund umfangreiche Unterlagen auf Papier: „acht Stunden Arbeit für 3 345 Euro“. Erleichterungen wünscht sich Kohls unter anderem bei der Raumvergabe durch die Stadtverwaltung. Die Flut von 60 E-Mails am Jahresanfang lasse sich doch sicher durch eine Liste ersetzen. Ansonsten sei die Zusammenarbeit mit Stadt und Kreis sehr gut.

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Für die Vergabe der Hallenzeiten schlägt Jürgen Follmann ein elektronisches Buchungssystem vor. Die Räume in der Hochschule Darmstadt würden nur noch auf diesem Weg vergeben. Als großen Wunsch an die öffentliche Hand nannte Follmann rechtliche Bedingungen, die Vereine nich behindern. Als Beispiel nannte er die Grunderwerbsteuer, die bei Vereinsfusionen anfällt: „Es ist fatal, wenn man da erst ein Grundsatzurteil erstreiten muss.“

Quelle: op-online.de

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