Nicht nur im Kino...

Junger Flüchtling hat eine Pflegemutter gefunden

Weiskirchen - Die Hartmanns zeigen das Leben mit einem Flüchtling in ihrer Mitte auf der Kinoleinwand. Doch auch in der Wirklichkeit bieten Menschen jungen Asylberwerbern eine Ersatzfamilie an. Eine von ihnen lebt in Weiskirchen. Von Simone Weil 

Petra M. (Name von der Redaktion geändert) hat in ihrem direkten Umfeld nur positive Resonanz auf die Idee bekommen, einen minderjährigen unbegleiteten Syrer bei sich aufzunehmen. Doch sie weiß, dass es auch andere Stimmen gibt. Deswegen möchte sie ihren Namen nicht nennen. Auch der Name des 14-jährigen Jungen, den sie aufgenommen hat, soll in der Zeitung nicht genannt werden. Das will das Jugendamt des Kreises so zum Schutz des Minderjährigen. Doch ihre Erfahrungen möchte Petra M. mitteilen. Die 52-Jährige hatte nach einer Möglichkeit gesucht, um zu helfen. Dabei stieß sie auf das Thema Gast- oder Pflegeeltern – immerhin hatte sie genügend Platz. Nach einer gewissen Vorbereitungszeit, in der die möglichen Ersatzfamilien auf kulturelle Unterschiede jenseits der Sprache vorbereitet wurden und ein Auswahlverfahren über sich ergehen lassen mussten, war es dann so weit: Der Teenager zog aus der Gemeinschaftsunterkunft zu der Familie.

Das war im April. Der Junge, der außer seinen Eltern seine drei Geschwister in Syrien zurücklassen musste, freute sich, das erste Mal in seinem Leben ein eigenes Zimmer bewohnen zu dürfen. Nun geht er zur Schule und besucht eine Intensivklasse. Petra M. findet, dass er schon viel gelernt hat und doch ist der Schüler ihr nicht ehrgeizig genug. „Ich hatte Illusionen, dass jemand in der Situation nun alle Chancen nutzen würde, doch so ist es nicht.“ Sie weiß inzwischen allerdings ein bisschen Bescheid über die Lebensumstände der syrischen Familie und wie sehr der Teenager unter der Trennung zu leiden hat.

„Er wurde vorgeschickt“, erzählt sie. Mit einem 20-jährigen Cousin sei er zu Fuß unterwegs gewesen und über die Türkei und Griechenland nach Deutschland gelangt. „Das Wichtigste für ihn ist jetzt, dass die Familie nachkommen kann“, weiß die Ersatzmutter. Es sei eine extrem schwierige Situation, versucht sie, sich in ihren Schützling hineinzuversetzen. Warum sie hilft? Es mache ihr Freude und sie wolle Teil sein von der Losung „Wir schaffen das“, berichtet Petra M. „Unsere Kinder sind wohlbehütet und haben keine Sorgen.“ Das sehe bei ihrem Pflegesohn schließlich ganz anders aus, findet sie. Immerhin gebe es schon seit vielen Jahren Krieg in seinem Heimatland.

Deswegen sieht sie sich als Vermittlerin zwischen den Kulturen, plädiert für Völkerverständigung: „Je mehr wir auf die Menschen zugehen, desto eher können wir Skepsis und Ängste abbauen“, meint sie. Und das, obwohl sich auch ein „Hauch Enttäuschung“ breitmacht, wie sie sagt. „Ich hätte mir gewünscht, er interessiert sich auch ein wenig für unsere Kultur.“ Doch ihrem Pflegesohn schmecke etwa das deutsche Essen nicht und umgekehrt mag ihre Familie nicht, was er zubereitet.

Unterstützung bekomme sie von vielen Seiten, lobt Petra M. Ihr würden häufig Kleidung und Möbel angeboten. „Es helfen viele Menschen“, sagt sie. Und begreift das Engagement nicht nur als humanitären Akt, sondern auch als Prävention, dass kein falscher Weg eingeschlagen werde. „Wer sich wohlfühlt, gibt auch etwas zurück“, glaubt die Pflegemutter.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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