Lebensmittelgeschäft verlängert Vertrag

Nicht nur Ladensterben im Jügesheimer Ortskern

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Robel Beletse (links) und Ahmad Zadran (rechts) erlernen bei Renate Haller (Mitte) die Arbeit im Lebensmittel-Einzelhandel. Die Geschäftsfrau will Jügesheim als Einkaufsstandort stärken.

Jügesheim - Der Einzelhandel in der Jügesheimer Ortsmitte hat Zukunft. Davon ist Renate Haller überzeugt, die seit zwölf Jahren einen Bioladen an der Hintergasse betreibt.

Während im Sportgeschäft gegenüber der Räumungsverkauf läuft, hat sie ihren Mietvertrag um fünf Jahre verlängert. Aufbruchstimmung signalisiert auch das Innere des Geschäfts, das innerhalb von vier Tagen renoviert und neu gestaltet wurde. Die Geschäftsfrau will damit zeigen, „dass man in der Ortsmitte investieren kann“. „Für uns ist der Bioladen ein Ankermieter“, sagt Vermieter Franz Firner. „Wir sind froh, dass Frau Haller in Jügesheim ein Nahversorger ist. Und dass sie Biowaren verkauft, ist kein Nachteil.“ Bei der Renovierung des Geschäfts hätten die Eigentümer die Malerarbeiten bezahlt – „nicht aus Eigennutz, sondern um Frau Haller hier zu halten“.

Nachdem der große Umbau des Ortskerns zur Einkaufsmeile gescheitert ist, will die Stadt zumindest einen Nahversorgungsmarkt auf dem Gelände des ehemaligen Feuerwehrhauses zwischen Ludwigstraße und Ostring ansiedeln. „Wir stehen in Kontakt mit mehreren Betreibern“, sagt Wirtschaftsförderer Bernhard Schanze. Zunächst gehe es darum, „Vorstellungen zu sammeln, in welche Richtung es gehen könnte“. Ein Gebäude an dieser Stelle müsse auch städtebaulich passen.

Die Konkurrenz eines Nahversorgers in 200 Metern Entfernung fürchtet Renate Haller nicht. Alle hätten etwas davon, wenn das Einkaufen in Jügesheim attraktiver werde, betont sie. Auch deshalb engagiert sie sich für Märkte, Feste und andere Aktionen in der Ortsmitte.

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Seit vielen Jahren bildet Renate Haller Nachwuchs für den Einzelhandel aus: Verkäufer und Einzelhandelskaufleute. Jetzt hat sie auch zwei junge Männer im Geschäft, die als Asylbewerber nach Deutschland kamen: Ahmad Zadran (20) aus Afghanistan ist im ersten Ausbildungsjahr, Robel Beletse (18) aus Eritrea absolviert eine Einstiegsqualifizierung und strebt danach eine Berufsausbildung an. Beide leben seit drei Jahren in Deutschland. Die Arbeit im Bioladen hatten sie zunächst in einem Praktikum kennengelernt. Bei der Beschäftigung eines Asylbewerbers seien die bürokratischen Hürden hoch, sagt die Geschäftsfrau: „Ein Berg von Formularen ist auszufüllen.“

Die beiden jungen Männer haben Freude an ihrer Arbeit und loben das Klima im Betrieb. Was gefällt ihnen am besten? Robel Beletse überlegt nicht lange: Er freut sich, dass die Kunden so freundlich sind. (eh)

Quelle: op-online.de

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