Nicht mehr wegsehen

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Für ihr Engagement im Anti-Mobbing-Training hat die Klasse 7 d der Heinrich-Böll-Schule ein Zertifikat erhalten. In dem großen Bilderrahmen ist noch Platz für Fotos.

Nieder-Roden (eh) ‐ „Wenn jemand Hilfe braucht, ist das kein Petzen“: Eindringlich wendet sich Sozialpädagogin Bettina Schubert an die Schüler vor ihr. Die Siebtklässler lernen gerade eine wichtige Lektion fürs Leben: Nicht wegsehen, wenn andere gehänselt und ausgegrenzt werden.

Seit fünf Jahren hat das Anti-Mobbing-Training einen festen Platz in der Heinrich-Böll-Schule (HBS). Das Angebot ist in dieser Form einzigartig. Bisher haben die beiden Trainerinnen Petra Carbon (Coach für soziales Lernen) und Bettina Schubert ihre Kurse jahrgangsübergreifend angeboten. Jetzt dehnen sie die Seminare wegen hoher Nachfrage auf ganze Klassen aus. „Nicht, weil es hier besonders nötig wäre“, betont Schubert: „Mobbing gibt es überall.“ In der HBS gehe es zwar um Einzelfälle, dennoch sei das Anti-Mobbing-Training ein wesentlicher Teil der Gewaltprävention: „Gewaltprävention ist eine tägliche Aufgabe, deshalb hören wir auch nicht damit auf.“

Vorbeugen und Aufklären stehen an erster Stelle. Mit großem Engagement beschäftigten sich die Schüler/innen der Klasse 7 d mit dem Thema Mobbing. In Rollenspielen lernten sie, sich in die Situation von Opfer und Täter hineinzuversetzen. Dabei stellten sie fest, wie schwierig es ist, mit beiden zu reden. Und sie erfuhren, dass es bei Mobbing auch immer Mitläufer und Zuschauer gibt.

Schüler können jetzt Mobbing erkennen

In einer für ihr Alter ungewöhnlichen Intensität setzten sich die Zwölf- bis 14-Jährigen mit der Gefühlswelt der Mobbing-Beteiligten auseinander. Drei Stunden lang erarbeiteten sie sich, welche Vorteile ein Täter hat, mit welchen Folgen er rechnen muss und welche immensen Nachteile das Opfer erleidet. Die beiden Trainerinnen waren überrascht von der lebendigen Atmosphäre und der ergebnisorientierten Mitarbeit der Siebtklässler. Bettina Schubert: „Mit dieser Klasse könnte man noch viel mehr vertiefen, weil sie in der Lage sind, das einmal Gelernte immer auf neue Themen zu übertragen.“

Lesen Sie auch das Interview mit drei Schülern.

Die Schüler können jetzt Mobbing erkennen, um rechtzeitig Hilfe zu holen. Auch die Klassengemeinschaft hat von der intensiven Arbeit profitiert. Das bleibt auch den Lehrern nicht verborgen. Eine Fachlehrerin lobt, wie rücksichtsvoll und freundlich die Schüler miteinander umgehen.

Das Anti-Mobbing-Training der HBS ist auch ein Vorbild für Schulen in anderen Ländern. Zurzeit helfen die Rodgauer einer türkischen Partnerschule in Istanbul beim Aufbau eines Anti-Mobbing-Programms.

Niemand ist davor gefeit, zum Opfer einer Mobbing-Attacke zu werden. Sozialpädagogin Schubert erklärt das ihren Schülern mit drastischen Worten: „Wenn ihr es wollt, bin ich ab morgen euer Opfer. Wenn man sich jemanden als Opfer aussucht, hat derjenige keine Chance.“

Quelle: op-online.de

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