Nicht nur auf wenige Modeberufe schielen

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Wie schnell kann ich eine Zündkerze wechseln? Andreas Stettner, Betriebsleiter des Autohauses Brass in Jügesheim, und Christine Fröhlich vom Volkswagen-Servicezentrum, stellten die Lehrlinge des Autohauses auf die Probe.  

Nieder-Roden - (lö) Auch in Handwerk, Handel, Industrie und Behörden können Berufsanfänger Karriere machen und gutes Geld verdienen. Diese an und für sich bekannte Botschaft unter junge Leute zu bringen war am Samstag Ziel der Rodgauer Bildungsmesse.

Denn oft drängen Schulabgänger in eine Handvoll Modeberufe oder wollen weiter führende Schulen besuchen und verkennen die Chancen, die eine praktische Ausbildung bietet. Der Krise zum Trotz warben Kleinbetriebe, mittelständische Firmen und international operierende Unternehmen kräftig um Nachwuchs. 90 Aussteller - und damit doppelt so viele wie voriges Jahr - beteiligten sich an der Bildungsmesse in der Heinrich-Böll-Schule und der städtischen Sporthalle.

Azubi Maximilian Völker und Modellbaumeister Markus Rachor erläuterten die Ausbildungsmöglichkeiten der Firma Kegelmann im Jügesheimer Industriegebiet.

„Unser Konjunkturprogramm heißt Bildung“, sagte Stadtrat Michael Schüßler, und Kreisbeigeordneter Carsten Müller erläuterte, was das im Detail bedeutet: Der Kreis habe 50 Millionen Euro in die Modernisierung der Rodgauer Schulen gesteckt. Darüber hinaus sollen Ganztagsbetreuung und Schul-Sozialarbeit ausgebaut werden.

Im 13. Jahr hat das Forum „Rodgau bildet Zukunft“ der Ausstellung einen neuen Namen gegeben: Bildungs- statt Ausbildungsmesse. Er soll die Idee des lebenslangen Lernens betonen, daher stellten sich auch weiterführende Schulen, Fachhochschulen und die Studienberatung vor.

Andrea Haus, die Rektorin der Böll-Schule, appellierte an die Jugendlichen, den „Besuch hier nicht nur als Pflicht zu betrachten“. Ausbildungsberufe im traditionellen Handwerk und in neuen Feldern warteten nur darauf, entdeckt zu werden. Andrea Haus hat wie die meisten Lehrer und Schulleiter in der Umgebung allerdings die Erfahrung gemacht, dass viele Neunt- und Zehntklässler ihre Entscheidung noch hinauszögern.

Bei Alessandro Roth am Stand der Firma Seufert (Hainhausen) konnten die Besucher sich am Siebdruck versuchen.

Andreas Stettner, der Betriebsleiter des Autohauses Brass in Jügesheim, kann über Nachwuchsmangel nicht klagen: „Man besinnt sich wieder aufs Handwerk.“ So habe das vergleichsweise neue Berufsbild des Mechatronikers die nicht mehr zeitgemäße Ausbildung des Kfz-Mechanikers wieder zu einem Job mit Zukunft gemacht. Brass bildet derzeit sechs junge Leute aus und sucht zum Spätsommer 2010 weitere Azubis.

Dass aber auch ein „alter“ Beruf wie der Drucker Perspektiven hat, zeigte der Hainhäuser Verpackungsspezialist Seufert ein paar Stände weiter. Geschäftsführer Thomas Pfaff und Azubi Alessandro Roth erläuterten in Theorie und Praxis, wie traditionsreiches Handwerk und HighTech einander ergänzen.

Eine Verkaufsvitrine mit gefälschten Luxusartikeln vom Champagner bis zur Edeluhr hatten Kirsten Jung und ihre Kolleginnen vom Hauptzollamt Darmstadt aufgebaut. Die Fahndung nach Produktpiraten ist eine von vielen anspruchsvollen Aufgaben, die auf junge Zollbeamte wartet.

Das Video zur Rodgauer Bildungsmesse stellt unsere Online-Redaktion heute Abend ab 18 Uhr ins Netz.

Quelle: op-online.de

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