Handy weg beim Essen

Mediensucht: Wenn Kinder nur noch am Smartphone hängen

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Eltern können ihren Kindern helfen, damit die Faszination nicht zur Abhängigkeit wird. 

Nur noch eine Runde spielen oder schließlich doch wieder die halbe Nacht vorm Bildschirm sitzen? Oft kann alles, was übertrieben wird, schädlich sein: Das gilt auch für den auf den ersten Blick harmlosen Gebrauch von Smartphones, des Internets und sozialer Medien. 

Rodgau – An digitalen Medien kommt kaum jemand vorbei. Doch der exzessive Gebrauch kann gefährlich werden. Vor allem für Kinder. Wenn der Nutzer es zum Beispiele nicht mehr selbst in der Hand hat, ob er den PC ausschalten kann oder zum Smartphone greift, also die Kontrolle verliert, sprechen die Experten von einer stoffgebundenen (Verhaltens-)Sucht.

Sybille Schilling, Leiterin des Beratungszentrums Ost mit Sitz am Puiseauxplatz in Nieder-Roden, einem Stadtteil von Rodgau im Landkreis Offenbach, erlebt es inzwischen immer öfter, dass Eltern sich Sorgen machen um den Medienkonsum ihres Nachwuchses und Rat suchen. Die Sozialarbeiterin will keine schablonenartigen Ratschläge erteilen, hält jedoch im Grundschulalter ein eigenes Handy für verzichtbar. Sie setzt auf Sensibilisierung. Schließlich ist über die Langzeitfolgen der übermäßigen Internetnutzung bislang nur wenig bekannt.

Rodgau: Mediensucht - Kinder sind zu viel am Smartphone

Andererseits nehmen Verhaltensaufälligkeiten zu und kritische Pädagogen schlagen Alarm: Kinder können sich schlechter konzentrieren, Sozialisation findet vor dem PC statt und nicht in der Gruppe mit anderen Kindern draußen. Wenn sich – wie bei vielen anderen Süchten auch – alles Tun und Denken nur noch um das Eine dreht und andere Interessen vernachlässigt werden, ist es zu spät.

Die Sozialarbeiterin weiß, dass auch der Gruppenzwang eine große Rolle spielt. Sie rät Eltern, dennoch Grenzen zu setzen und mit gutem Beispiel voranzugehen. „Ich weiß nicht, wie sich das auf die Bindung zum Kind auswirkt, wenn die Mutter nur noch auf ihr Handy schaut“, gibt Schilling zu bedenken.

Rodgau: Eltern sollten klare Regeln für die Nuztzung von Smartphones setzen

Trotzdem will die Leiterin des Beratungszentrums Ost Internet, Smartphone und Facebook nicht verteufeln. Aber Eltern sollten klare Regeln aufstellen und ein Mittelmaß finden. „Zum Beispiel kann es abends oder beim Essen einen Platz geben, an dem alle ihre Handys deponieren“, schlägt sie vor.

Es müsse auch die Möglichkeit geben, mal zur Ruhe zu kommen. Außerdem sollten sich Eltern dafür interessieren, was sich ihre Kinder anschauen. Pornografie, Gewalt und Extremismus sind im Netz oft leicht zugänglich.

Die Jugendsozialarbeiterinnen des Caritasverbandes Offenbach (tätig an Merianschule, Kreuzburgschule und Don-Bosco-Schule), sowie die Lehrer der drei Schulen in Kooperation mit dem „Beratungszentrum Ost“ (Erziehungsberatung, Schuldner- und Suchtberatung) und der „Suchtberatungsstelle Wildhof“ bieten einen Elternabend zum Thema an.

Rodgau: Was ist am Smartphone normal und was ist schon Sucht?

Lukas Storck, der als Berater bei der „Suchtberatungsstelle Wildhof“ mit dem Schwerpunkt „Mediensucht“ tätig ist, wird sich der Frage nähern, was Mediensucht ist, woran sie erkannt werden kann, wie sie entsteht und was Außenstehende tun können, wenn sie sich Sorgen um den Medienkonsum ihrer Kinder machen.

Dabei geht es um Fragen wie diese: Ist drei Stunden Spielen normal? Wenn ich schon morgens auf meinen Social Media Account schaue, bin ich dann süchtig? Wie viele Folgen einer Serie am Stück tun mir gut? Aber auch, mache ich mir vielleicht zu viele Sorgen?

Im Anschluss an seine Präsentation können Fragen gestellt werden und ein Austausch stattfinden. Die Informationsveranstaltung findet statt am Donnerstag, 14. November, im St. Josefshaus in Seligenstadt, Jakobstraße 5, von 19 bis 20.30 Uhr im Edith-Stein-Saal. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Das Beratungszentrum Ost (06106/66009-0) ist für Seligenstadt, Hainburg, Mainhausen, Rödermark und Rodgau zuständig. Träger ist der Caritasverband Offenbach, der für die Erziehungsberatung verantwortlich ist. Schuldner- und Insolvenzberatung übernimmt die Diakonie, das Suchthilfezentrum Wildhof wiederum die Unterstützung bei Drogen- und Alkoholproblemen.

VON SIMONE WEIL

„Handy am Steuer - das wird teuer“ lautet ein bekannter Spruch. Von den drohenden Bußgeldern lassen sich jedoch nicht alle Autofahrer beeindrucken. Eine Kontrolle in Offenbach schockiert.

Quelle: op-online.de

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