Kaffee, Tee und Schokolade

Fairtrade-Laden im Kirchturm von St. Matthias

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Jürgen Klinkert vorm gut sortierten Kaffeeregal im Eine-Welt-Laden: Viele fair gehandelte Produkte gibt es zwar inzwischen auch im Supermarkt, aber die Nieder-Röder Initiative will weitermachen und die langfristigen Handelsbeziehungen aufrecht erhalten.  

Nieder-Roden - Der Eine-Welt-Laden im Kirchturm von St. Matthias in Nieder-Roden ist vermutlich eine der kleinsten Verkaufsstellen für fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Tee und Schokolade. Die Einrichtung besteht im 25. Jahr. Von Simone Weil

Mit den Erlösen von mehr als 66.000 Euro werden Projekte in der Dritten Welt unterstützt. „Wer hier kauft, tut gleich dreimal Gutes“, sagt Jürgen Klinkert. Er zählt auf: Die Erzeuger der Waren erhalten faire Preise, der Kunde kauft ein hochwertiges Produkt und der Überschuss aus dem Verkauf geht an Hilfsprojekte in Indien und Brasilien. In der evangelischen und katholischen Gemeinde entstand das Bedürfnis, auch in Nieder-Roden etwas für den fairen Handel zu tun. So entstand die Initiative, die den Laden betreibt. Eröffnet wurde am 13. Dezember 1992. Das Motto: „Kaufen Sie fair gehandelte Waren, damit die Welt gerechter wird.“

Während es den Kunden anfangs eher um den Einkauf für einen guten Zweck gegangen sei, habe sich das gründlich verändert, sagt Klinkert. Inzwischen werden die qualitativ hochwertigen Produkte wie etwa Schokoladen mit hohem Kakaoanteil und feine Honigsorten wie Orangenblütenhonig auch ansprechend präsentiert. Der Laden bezieht die Waren direkt vom Importeur „Gepa“, kooperiert beim Bestellen mit dem Laden in Eppertshausen, der auch Vorbild für die Nieder-Röder Initiative war.

Allein 13 Kaffee- und Esspressosorten sind in dem winzigen Räumchen im Angebot: Die Auswahl reicht von der Bohne über gemahlenen Schonkaffee bis hin zum löslichen Bohnenkaffee. Die erlesenen Arabica Bio-Bohnen für Espresso und Röstkaffee werden in den Höhenlagen Tansanias, Ugandas, Mexikos und Boliviens von Hand gepflückt, in der Sonne getrocknet und sorgfältig weiter verarbeitet. Im Zusammenspiel von ökologischem Anbau, Bodenqualität, Höhenlage, Klima und Röstung entstehen aromatische Spezialitäten.

Ähnlich umfangreich ist das Teesortiment. Weine, Schokolade, diverse Süßigkeiten, Plätzchen und Gewürze sind im Turm von St. Matthias zu haben. Hinzu kommt ein bisschen Kunsthandwerk wie Keramik, Stoffbeutel, gefilzte Geldbörsen, Schmuck, Tischsets, Topflappen und Schals.

Korrekt gekleidet - Ökologisch und fair shoppen

Nicht nur der Platz ist beschränkt, auch die besonderen klimatischen Bedingungen im Kirchturm reglementieren, was dort angeboten werden kann. Selbst im dicken Winter scheint es, als wäre es draußen wärmer als drinnen. Mit einem Heizstrahler und einem -lüfter mag es einigermaßen erträglich werden, damit die Helfer an vier Tagen pro Woche ihre Schicht von maximal zwei Stunden nicht völlig steif gefroren beenden müssen.

Weil der Laden ohne Schaufenster und deswegen ohne Laufkundschaft auskommen muss, nutzt das Team gerne die Gelegenheit, sich bei verschiedenen Veranstaltungen einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren und zu verkaufen.

Etwa 2500 Euro Gewinn erwirtschaftet das kleine Team der Ehrenamtlichen jährlich mit Rabatten und Spenden. Damit werden seit vielen Jahren zwei Projekte in Indien und Brasilien unterstützt, zu denen persönliche Kontakte bestehen. Maria Ritter, eine der Gründerinnen der Initiative, hat eine lückenlose Dokumentation vorzuweisen: ein dicker Ordner mit Quittungen, Dankesbriefen und Fotos. Die beeindruckende Sammlung kann jederzeit im Laden eingesehen werden. Helfer werden übrigens immer gebraucht. Wer sich für die ehrenamtliche Arbeit interessiert, schaut vorbei: mittwochs von 9.30 bis 11.30 Uhr, donnerstags von 15 bis 16.30 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 11.15 bis 12 Uhr.

Quelle: op-online.de

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